Ratgeber

Entwicklung der Hypothekenzinsen: Eine gute Zeit zum Finanzieren

Ein Gastbeitrag von Max Herbst

Nach einem kleinen Zwischenhoch bewegen sich die Hypothekenzinsen schon wieder konsequent nach unten. Dennoch lohnt ein Vergleich der Angebote – auch und gerade bei der Anschlussfinanzierung.

Wer über ein verlockendes Angebot für ein Girokonto stolpert, sollte sich nicht blenden lassen. Foto: Daniel Reinhardt
(Foto: dpa)

Die Aufregung war groß. Als die Zinsen im vergangenen Sommer um etwa 0,6 Prozentpunkte stiegen, dachten viele, die überfällige Zinswende sei gekommen. Heute, ein dreiviertel Jahr später wissen wir es besser. Unsere Datenbank belegt: Darlehen mit einer Zinsbindung von fünf Jahren sind praktisch genauso billig wie im April 2015 – und selbst bei zehn Jahren liegt der FMH-Index nur noch 0,15 Prozentpunkte über dem Wert von damals. Tendenz: weiter sinkend.

Was bedeutet das für Kunden, die kurz vor dem Abschluss einer Finanzierung stehen?

Am richtigen Ende sparen

Wer Zeit hat, kann natürlich noch etwas warten und darauf spekulieren, noch günstigere Konditionen zu ergattern als heute. Doch auch wer weniger Muße hat, darf sich nicht beklagen: Selbst, wenn er vor dem absoluten Tiefpunkt unterschreibt, kann er sich sicher sein, ein Darlehen zu Spitzenkonditionen zu bekommen – vor allem, weil es jetzt nicht mehr mit Schwung nach unten geht, sondern in kleinen Trippelschritten: Je tiefer die Zinsen sinken, desto langsamer wird die Abwärtsbewegung. Und keiner weiß, wann der Trend sich umkehrt.

Seit Ende Januar hat der Effektivzins für zehn Jahre um gerade einmal 0,14 Prozentpunkte nachgegeben – siehe Zinsentwicklung der FMH -Finanzberatung.  Das macht bei einem durchschnittlichen Kreditbetrag von 225.000 Euro innerhalb von 10 Jahren gerade einmal 3.053 Euro aus – oder 25 Euro pro Monat. Aktuell kosten 225.000 Euro bei einer zehnjährigen Zinsbindung und zwei Prozent Tilgung im Durchschnitt 636 Euro. Mitte Februar 2015 war die Rate fast identisch. Im Februar 2014 hingegen lag sie noch bei 834 Euro. Und vor fünf Jahren hätte das gleiche Darlehen noch 1.125 Euro monatlich an Zins- und Tilgung gekostet.

Lohnende Recherche

Man könnte jetzt meinen, dass es sich angesichts solch niedriger Zinsen das Verhandeln und Vergleichen gar nicht mehr lohnt. Darauf zu verzichten, wäre allerdings leichtfertig - denn auch in der Niedrigzinsphase sind die Unterschiede zwischen guten und schlechten Anbietern erheblich.

Bei 200.000 Euro Darlehen und einem Kaufpreis von 300.000 Euro liegen zwischen dem besten und dem schlechtesten bundesweiten Angebot in der FMH-Datenbank 1,16 Prozentpunkte (2,72 zu 1,56 Prozent). Der Kunde beim billigsten Anbieter spart immerhin 31.200 Euro – und ich behaupte einmal, dass unsere Datenbank die richtig schlechten Zinsangebote noch nicht einmal enthält: Banken, mit weit unterdurchschnittlichen Angeboten sind in der Regel nicht besonders erpicht darauf, ihre Zinsen öffentlich zu machen.

Fazit: Ein Vergleich lohnt immer und spart auch in der heutigen Zeit schnell eine fünfstellige Summe.

Mit Bedacht in die Verlängerung

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.
Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Ähnlich sieht es auch bei den Forward-Darlehen aus. Theoretisch lohnt es sich natürlich, mit dem Abschluss solange zu warten, bis die Zinsen auf dem absoluten Tiefststand angelangt sind. Nur leider weiß niemand, wann dieser Punkt erreicht ist. Kommt es dann, wie im vergangenen Jahr, zu einem plötzlichen Anstieg der Zinsen um 0,5 Prozentpunkte, besteht die Gefahr, aus schierer Panik heraus zu schnell zu unterschreiben. Angst ist aber immer ein schlechter Ratgeber. Deshalb empfehlen wir allen Kunden, bei denen mittelfristig eine Anschlussfinanzierung ansteht, sich schon jetzt und in aller Ruhe auf die Suche nach dem besten Forward-Angebot zu machen. Möglicherweise unterschreibt der eine oder andere dadurch ein paar Monate zu früh. Dafür sind die Abläufe entspannt und der Zinsschaden zumindest verschmerzbar.

Mogelpackungen enttarnen

Das zeigt das Beispiel eines Kunden, der in drei Jahren noch ein Restdarlehen von 150.000 Euro stehen hat, das er schon heute mit einem Forward-Darlehen absichern will. Der Objektwert liegt bei 300.000 Euro, die Zinsbindung beträgt 15 Jahre – und der Kunde strebt in dieser Zeit die vollständige Tilgung des Darlehens an. Das billigste Angebot gibt es für effektiv 1,93 Prozent inkl. 0,43 Prozent Forward-Aufschlag. Monatliche Kosten: 958,50 Euro. Das teuerste Forward-Angebot für dieses Beispiel würde 3,11 Prozent inkl. 0,85 Prozent Aufschlag kosten und  innerhalb von 15 Jahren 14.850 Euro mehr kosten.

Interessant ist auch der Vergleich mit aktuellen Angeboten ohne Forward-Aufschlag. Im Mittel der FMH-Datenbank kosten sie derzeit 1,73 Prozent, sind also immerhin 0,2 Prozentpunkte günstiger als die Angebote mit Forward-Aufschlag für 36 Monate. Das bedeutet aber keineswegs, dass der Verzicht auf den Aufschlag stets günstiger ist. Im Gegenteil. Der teuersten Anbieter (ohne Forward-Aufschlag) verlangt aktuell stolze 2,60 Prozent Zinsen. Unser Beispielskunde würde – sollte er diese Variante wählen – in den 15 Jahren bis zur Tilgung 10.500 Euro mehr zahlen als mit dem günstigen Forward-Darlehens inklusive Aufschlag.

Quelle: n-tv.de

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