Ratgeber

Sparsam ist anders: Energieschleudern im Haushalt

Von Alexander Klement

Energiesparlampen sind eine sinnvolle Sache. Doch die wahren Energiefresser in den eigenen vier Wänden sind nicht in Fassungen geschraubt, sondern sitzen meist ganz woanders. Mit einfachen Regeln kann man den Energieverbrauch senken und ausrechnen, ob der Austausch alter Geräte lohnt.

Die Heizung ist der größte Energiefresser.
Die Heizung ist der größte Energiefresser.(Foto: Margot Kessler, pixelio.de)

Glühlampen werden Schritt für Schritt abgeschafft. Erst verschwanden die 100-Watt-Birnen aus den Läden, jetzt sind 75-Watt-Lampen offiziell nicht mehr zu bekommen und Glühlampen mit mattem Glas sind ebenfalls aus den Verkaufsregalen verbannt. Zu verdanken haben wir das der EU-Energie-Verordnung. Zweifelsohne ist der schrittweise Austausch der Glühlampen durch Energiespar- und LED-Lampen richtig. Doch die ausgedehnte Diskussion um die Glühbirnen lenkt etwas davon ab, wo im privaten Haushalt am meisten Energie verbraucht wird – und da steht die Beleuchtung nicht gerade an erster Stelle.

20 Grad Raumtemperatur reichen

Laut Bundesumweltamt verbrauchen wir über zwei Drittel der gesamten Energie im Haushalt mit der Heizung. Wer im Winter im T-Shirt in der Wohnung sitzt, braucht sich über hohe Heizkostenrechnungen nicht zu wundern. Der Jahreszeit entsprechende Kleidung ist also nicht nur draußen, sondern auch zuhause angesagt. Die Temperaturempfehlung des Bundesumweltamtes liegt für Wohnungs- und Arbeitsräume bei 20 Grad Celsius, für die Küche reichen 18 Grad, für das Schlafzimmer 17 und die Toilette 16 Grad.

Außerdem muss nicht rund um die Uhr voll geheizt werden. Während der Nachtstunden lässt sich die Zimmertemperatur absenken und wer mehrere Tage nicht zuhause ist, kann die Raumtemperatur auf zwölf Grad drosseln. Auch wenn Heizkörper in den Räumen manchmal im Weg sind, muss für ungehinderte Luftzirkulation gesorgt werden. Möbel haben vor den Heizkörpern nichts zu suchen. Gardinen und Vorhänge dürfen die Thermostatventile nicht verdecken.

Richtig lüften

Wer das Fenster aufmacht, lässt kalte Luft herein. Das ist nicht unbedingt angenehm, aber notwendig, nicht nur wegen des Raumklimas, sondern auch, um Schimmelbildung zu verhindern. Auch wenn fast alle modernen Fenster eine Kipp-Funktion haben, sollte man diese in der kalten Jahreszeit nicht nutzen. Durch das Dauerlüften geht viel Wärme und damit Energie verloren und der Luftaustausch verläuft nur schleppend. Besser ist es, die Fenster in mehreren Räumen für wenige Minuten gleichzeitig zu öffnen. Durch diese Stoßlüftung geht nur wenig Energie verloren und die Luft und die darin enthaltene Feuchtigkeit, die für die Schimmelbildung mit verantwortlich sind, werden ausgetauscht.

Stoßlüften sollte auch im Winter sein, um Schimmelbildung zu verhindern.
Stoßlüften sollte auch im Winter sein, um Schimmelbildung zu verhindern.(Foto: Thomas Max Müller, pixelio.de)

Auch wer zur Miete wohnt, kann mit ein paar Eingriffen den Energieverbrauch senken. Die Heizkörper sollten regelmäßig entlüftet werden. Statt der Standard-Thermostatventile gibt es auch elektronische, die sich automatisch abdrehen, wenn gelüftet wird. Sie sind tage- und stundenweise programmierbar. So muss beispielsweise im Bad nicht die ganze Nacht die Heizung voll aufgedreht sein, damit man es direkt nach dem Aufstehen warm hat.

In älteren Gebäuden sind die Heizungen oft noch in Nischen verbaut, damit sie im Raum nicht zu viel Platz wegnehmen. Daran lässt sich zwar wenig ändern, dafür kann man wenigstens etwas gegen die meist dünnen Außenwände unternehmen. Ein nachträgliches Anbringen von Dämmplatten kann helfen. Wenn dafür nicht genug Platz ist, empfiehlt das Umweltbundesamt eine dünne Dämmfolie mit Aluminiumkaschierung als Notlösung. Zudem sollte man undichte Fugen und Schlitze zum Beispiel bei Altbaufenstern abdichten.

Die Warmwasserversorgung trägt ebenfalls zu einem nicht unbeträchtlichen Posten auf der Energierechnung bei. In einem unsanierten Haushalt macht die Warmwasseraufbereitung rund zehn Prozent der Gasrechnung aus. Auch wenn sich die prozentualen Anteile im Vergleich zu einem Niedrigenergiehaus verschieben, so lässt sich hier im Wesentlichen nur durch Verzicht Geld einsparen. Duschen statt Vollbäder bringen da noch am meisten.

Hungrige Kühl- und Gefriergeräte

Ein weiterer großer Posten ist die Stromrechnung. Ganz oben unter den größten Verbrauchern stehen Geräte, die quasi rund um die Uhr laufen: Kühl- und Gefrierschränke. Hier hat sich in den vergangenen zehn Jahren viel in Sachen Energieeffizienz getan. Wer vergleichen möchte, kann dies auf der Internetseite stromeffizienz.de tun, die von der Deutschen Energie-Agentur (dena) betreut wird.

Wer Ordnung im Kühlschrank hält, kann die Tür schneller wieder schließen.
Wer Ordnung im Kühlschrank hält, kann die Tür schneller wieder schließen.

Legt man einen Strompreis von 24 Cent pro Kilowattstunde zugrunde, verbrauchte die beliebte Kühl-Gefrier-Kombination vor zehn Jahren Strom für rund 86 Euro pro Jahr. Die heute erhältlichen sparsamsten Geräte kommen mit weniger als der Hälfte aus.

Energie-Label manchmal verwirrend

Das Energie-Label soll bei diesen Geräten helfen, besonders sparsame Geräte von den weniger sparsamen zu unterscheiden. In der Vergangenheit war Verwirrung allerdings programmiert, denn das Spektrum reichte zunächst von A (grün) bis G (rot). In den vergangenen Jahren kamen dann reihenweise Geräte auf den Markt, die sparsamer als die Einstufung A waren. Deshalb wurden die Klassen A+ und A++ hinzugefügt. Hersteller und Händler haben für Geräte mit dem Energielabel A (grün) als energiesparend geworben, obwohl es inzwischen viel effizientere Geräte gab.

Seit dem 20. Dezember des vergangenen Jahres gilt nun europaweit ein neues EU-Label zur Kennzeichnung des Stromverbrauchs von Elektrogeräten. Kühl- und Gefriergeräte, Geschirrspüler und Waschmaschinen erhalten A+++ als höchste Energieeffizienzklasse. Grün sind jetzt nur noch die Energieeffizienzklassen A+++, A++ und A+. Geräte, die nur ein einfaches A erhalten, werden bereits gelb gekennzeichnet.

Das neue Enegielabel für Kühlschränke: A allein ist nicht sparsam.
Das neue Enegielabel für Kühlschränke: A allein ist nicht sparsam.

Momentan ist allerdings noch besondere Obacht geboten, denn Händler dürfen während einer Übergangsfrist bis Ende November bei Kühl- und Gefriergeräten und bis Ende Dezember dieses Jahres bei Waschmaschinen und Geschirrspülern das alte Label weiterverwenden. Daher sollte man sich weniger an den Farbbalken, sondern eher an der Kennzeichnung mit den Buchstaben und A+++ als Maßstab für besondere Energieeffizienz orientieren.

Bei den neu hinzugekommen Fernsehgeräten, Wäsche- und Waschtrocknern, Haushaltslampen, Elektroherden und Raumklimageräten ist die beste Klassifizierung weiterhin das A. Schrittweise werden aber bis 2020 auch hier die Klassen A+, A++ und A+++ eingeführt.

Neu kaufen kann sich lohnen

Sehr hoch ist der Stromverbrauch auch bei Wäschetrocknern. Wer kann, sollte ganz auf einen Wäschetrockner verzichten. Ansonsten lohnt auch hier ein Vergleich. Laut dena hat ein typischer Wäschetrockner vor zehn Jahren noch Stromkosten von über 160 Euro pro Jahr verursacht. Aktuelle Geräte verbrauchen rund 60 Prozent weniger Strom.

Wäsche lässt man am besten an der Luft trocknen.
Wäsche lässt man am besten an der Luft trocknen.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Wer bereits energiesparende Kühl- und Gefriergeräte einsetzt, kann aus diesen Höchstleistungen herauskitzeln, wenn ein paar Regeln beachtet werden. Generell gilt, dass die Umgebungstemperatur so gering wie möglich sein sollte. Reine Gefriergeräte sind deshalb im Keller am besten aufgehoben. Der Kühlschrank sollte keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein. Ordnung in den Fächern verkürzt die Zeiten, in denen die Tür geöffnet sein muss. Außerdem sollte man den Kühlschrank nicht neben einen Herd stellen. Apropos Herd: Gasherde sind wesentlich sparsamer als Elektroherde.

Wer genau wissen möchte, wie viel Strom die alten Gerätschaften zuhause verbrauchen, kann das leicht herausfinden. Strommessgeräte gibt es im Handel für zehn bis 15 Euro. Mit ihrer Hilfe kann beispielsweise der Stromverbrauch des gewünschten Geräts eine Woche lang gemessen werden. Hochgerechnet auf das Jahr hat man dann einen guten Vergleichswert zu aktuellen Geräten und kann durchkalkulieren, ob sich ein Austausch lohnt.

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Quelle: n-tv.de

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