Ratgeber

Hoaxes, Spam und Trojaner: Facebook-Fakes und Fallen

Von Isabell Noé

Erst denken, dann klicken! Das möchte man zumindest den wohlmeindenden Facebook-Nutzern auf den Bildschirm gravieren, die ungeprüft Bilder kranker Kinder oder obskure Vermisstenanzeigen teilen. Das ist Spam, aber immerhin meist harmlos. Von anderen Facebook-Inhalten kann man das nicht behaupten.

Gesunder Menschenverstand hilft auch bei Facebook.
Gesunder Menschenverstand hilft auch bei Facebook.

Das Foto in den Facebook-Meldungen ist schaurig: Zu sehen ist ein Baby, auf dessen rechter Gesichtshälfte ein riesiges rotes Geschwür wuchert. Die Bildunterschrift "Dieses Baby hat Krebs. Facebook zahlt für jedes geteilte Foto 3 Cent für die Behandlung." Wer naiv ist, verbreitet das Bild nun über die eigene Pinnwand. Helfen kann ja so einfach sein. Wer den Verstand einschaltet, fragt sich: Warum sollte Facebook das tun? Zu Recht, denn in Wirklichkeit zahlt Facebook natürlich keinen Cent. Es wäre auch völlig unnötig: Das Kind auf dem Bild ist mittlerweile sieben Jahre alt, der Blutschwamm, der fälschlicherweise als Krebsgeschwür dargestellt wird, ist längst operiert. Die Details sind bei Hoax-Slayer nachzulesen, einer Seite, die sich der Aufklärung von Falschmeldungen im Internet verschrieben hat.

Hoaxes, fragwürdige Geschichten unbekannten Ursprungs, sind kein neues Phänomen. Gerüchte erzählte man sich schon vor Jahrhunderten und es kommen immer wieder moderne Mythen hinzu. In den 1970er und 80er Jahren sammelten Menschen etwa Alufolien aus Zigarettenschachteln oder Strichcodes von Lebensmittelpackungen, weil angeblich irgendein Konzern einem Behinderten einen Rollstuhl finanzieren würde. Auch Kettenbriefe gibt es nicht erst seit gestern, nur wurden sie früher eben per Post verschickt statt per E-Mail. Neu ist allerdings die Geschwindigkeit, mit der sich Legenden im Internetzeitalter verbreiten: Ein paar Klicks reichen, um viele andere Nutzer zu erreichen. Und kaum eine Plattform eignet sich dafür so gut wie Facebook. Zum einen, weil täglich tausende unbedarfter neuer Nutzer hinzukommen, die sinnlose Inhalte willig teilen. Und zu anderen, weil Facebook selbst wenig unternimmt, um das Treiben zu stoppen. Bilder, die als Spam gemeldet würden, blieben dennoch lange im Netz, kritisieren die Macher von Aufklärungsseiten wie Mimikama.at.

Die Masche mit dem Mitleid

Die meisten Facebook-Fakes fallen in die Kategorie "lästig, aber harmlos". Das gilt etwa für die Bilder kranker oder misshandelter Kinder, die mit einem Klick auf "Teilen" weitergegeben werden sollen. "Klick hier, wenn du gegen Kindesmissbrauch bist" heißt es dann etwa, oder "das Bild muss 1000 Mal geteilt werden, damit das Baby eine OP bekommt". Die rührseligen Geschichten sind in aller Regel frei erfunden, zudem kann man davon ausgehen, dass die abgebildeten Kinder oder deren Eltern nie gefragt wurden, ob die Fotos verwendet werden dürfen. Wer sie ins Internet stellt, tut das in der Regel nur aus einem Grund: um Aufmerksamkeit zu bekommen und gegebenenfalls, um "Likes" für die eigene Seite zu generieren.

Vermisstenanzeigen

Eine andere Art, das Helfersyndrom bei Facebook auszuleben, sind Vermisstenanzeigen. Oft handelt es sich nicht einmal um Fakes, allerdings unterschätzen viele Eltern, die via Facebook nach ausgebüxten Kindern fahnden, die Eigendynamik, die solche Anzeigen entwickeln können. Wenn der Nachwuchs wieder da ist, lassen sich Suchaufrufe nicht einfach löschen, sondern geistern zum Teil auch noch Wochen später durchs Netz. Auch der Polizei ist durch die Facebook-Fahndungen nicht unbedingt geholfen. Das Gegenteil kann der Fall sein, wenn der öffentliche Druck die Arbeit der Polizei ausbremst. Nur offizielle Vermisstenanzeigen der Polizei können bedenkenlos geteilt werden, auf jeden Fall sollte man zuerst die Hintergründe überprüfen.

Gut gemeinte Warnungen

Facebook ist nicht gerade für seine Transparenz bekannt. Wenn neue Funktionen eingeführt oder neue Voreinstellungen nötig werden, erfährt man das nicht unbedingt von Facebook selbst, sondern von andern Mitgliedern. Entsprechend groß ist die Bereitschaft, solche Hinweise weiterzugeben - leider oft völlig unkritisch. So macht seit gut einem Jahr eine Meldung unter der Überschrift "Bitte tut mir alle einen Gefallen" die Runde. Darin werden die Freunde aufgefordert, ein bestimmtes Häkchen zu entfernen, weil ansonsten bestimmte private Einträge öffentlich gemacht würden. Das ist blanker Unsinn - tatsächlich bewirkt man damit nur, dass man keine Updates des jeweiligen Kontaktes mehr zu sehen bekommt. Dennoch wird das Posting munter geteilt. Fast schon ein Klassiker ist die Geschichte von angeblichen Facebook-Gebühren. Immer wieder tauchen neue Gruppen unter dem Motto "Ich zahle nicht für Facebook" auf. Dabei ist auf der Anmeldeseite ausdrücklich der Satz zu lesen: "Facebook ist und bleibt kostenlos".

"Erst denken, dann klicken" empfiehlt sich auch bei vielen anderen Warnungen, die bei Facebook die Runde machen. Da geht es dann beispielsweise um Hundefänger oder Kindesentführer, die angeblich "in unserer Region" ihr Unwesen treiben. Konkretes erfährt man zwar nicht, das hindert viele Nutzer aber nicht, die Schauergeschichten weiterzugeben. Aktuell wird - vorgeblich im Namen der Polizei - von einer vermeintlichen Betrüger-Masche mit präparierten Schlüsselanhängern gewarnt. Tatsächliche Fälle dieser Art sind der Polizei allerdings nicht bekannt, zudem ließe sich der Trick technisch auch kaum realisieren.

Skandalvideos

Wer auf "Gefällt mir" klickt, oder einen Inhalt teilt, der macht das normalerweise mit Absicht. Richtig lästig wird es allerdings, wenn sich Inhalte unbeabsichtigt auf die eigene Pinnwand mogeln. So wundert man sich gelegentlich, wenn Freunde, die man eigentlich für seriös gehalten hat, bei Facebook Links auf Skandalvideos posten. Die Titel versprechen etwa schockierende Auftritte von Stars oder sie lassen auf Pornografie oder Gewaltdarstellungen schließen. Wer den entsprechenden Link aufruft, bekommt allerdings in aller Regel kein Video zu sehen, sondern muss eine Anwendung autorisieren. In manchen Fällen wird durch einen Klick auf den "Play"-Pfeil im Video der "Gefällt mir"-Button aktiviert. Auf diese Weise taucht der Link dann auf der Pinnwand des jeweiligen Nutzers auf. Meist handelt es sich einfach nur um lästigen Spam, der sich mit einem Klick auf "Entfernen" wieder löschen lässt. Doch wer Pech hat, handelt sich durch die unbedachten Klicks Schadprogramme ein.

Facebook-Individualisierungen

"Gefällt mir" gibt es bei Facebook, "gefällt mir nicht" ist dagegen nicht vorgesehen - zumindest nicht offiziell. Wer Missfallen per Mausklick ausdrücken will, hat aber diverse Browser-Addons zur Auswahl, die einen "Dislike"-Button auf Facebook zaubern. Allerdings ist die Sichtbarkeit der neuen Schaltfläche sehr eingeschränkt: Nur wer das Addon ebenfalls installiert hat, bekommt den "Daumen runter"-Button angezeigt. Häufig bezahlen die Nutzer die Facebook-Ergänzung mit vermehrten Werbeeinblendungen, fragwürdigen Quizfragen oder anderen Interaktionen. Im schlimmsten Fall können die Addons auch als Einfallstor für Viren und Trojaner missbraucht werden, warnt Mimikama.at. Das Gleiche gilt auch für Addons, mit denen sich das Facebook-Profil farblich gestalten lässt. Technisch ist das möglich, für Unbedarfte allerdings nicht unbedingt zu empfehlen.

Profil-Viewer-Apps

Ein sicherer Fake sind dagegen die sogenannten "Profil-Viewer" bei Facebook. Sie setzen auf die Neugier der Nutzer: "Wer hat mein Profil besucht und wie oft?" Hunderte Anwendungen versprechen eine Antwort auf diese Frage, doch keine kann sie geben. Das darf sie auch gar nicht: In Facebooks Richtlinien für Applikationen sind solche Anwendungen ausdrücklich verboten. Vermeintliche Spionage-Apps werden für die Nutzer zum Eigentor, weil sie weitreichende Zugriffsrechte auf die eigene Privatsphäre zulassen. In den meisten Fällen verbergen sich hinter den vermeintlichen Profil-Viewern dubiose Gewinnspiele oder Abofallen.

Fazit: Ein Mindestmaß an gesundem Menschenverstand ist auch bei Facebook nützlich. Bei fragwürdigen Meldungen oder Apps hilft oft auch schon eine Google-Anfrage weiter oder die Suche bei einschlägigen Warn-Portalen wie Mimikama oder dem Hoax-Info Service der TU Berlin. Auffällig ist es auf jeden Fall, wenn ein Beitrag mit Rechtschreibfehlern gespickt ist oder wenn deutschsprachige Freunde plötzlich untypisch auf Englisch posten.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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