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Lebensversicherung noch sinnvoll?: Garantiezins auf dem Prüfstand

Millionen Lebensversicherungen bestehen in Deutschland. Seit Generationen entscheiden sich viele Verbraucher für diesen Klassiker der Altersvorsorge. Doch seit Jahren sinkt der Garantiezins - und es könnte bald weiter abwärts gehen.

Seit 2000 geht es mit dem Zinssatz bergab.
Seit 2000 geht es mit dem Zinssatz bergab.(Foto: dpa)

Der Garantiezins für neu abgeschlossene Lebensversicherungen könnte erneut sinken. Das Bundesfinanzministerium prüft eine entsprechende Anregung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Was Versicherungsnehmer deshalb wissen sollten:

Wie funktioniert eine Lebensversicherung?

Es gibt verschiedene Arten von Lebensversicherungen. Eine Risikolebensversicherung dient allein der finanziellen Absicherung von Hinterbliebenen bei Todesfällen. Die Kapitallebensversicherung dient dagegen zugleich auch der Altersvorsorge. Es gibt eine Anspar- und eine Auszahlungsphase. Wird Letztere erreicht, schüttet der Versicherer die vorher vom Kunden regelmäßig eingezahlten Beiträge plus Zinsen aus. Für die meisten Kapitallebensversicherungen werden nach Ende der Ansparphase eine bestimmte Summe oder optional bestimmte regelmäßige Zahlungen garantiert.

Was ist der Garantiezins?

Viele Verbraucher entscheiden sich traditionell auch deshalb für Kapitallebensversicherungen, weil die Anbieter für das eingezahlte Kapital praktisch eine Art von Mindestverzinsung garantieren: den sogenannten Höchstrechnungszins, umgangssprachlich Garantiezins genannt. Dieser wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Aktuell beläuft er sich auf 1,75 Prozent. Früher lag der Satz deutlich höher. Wer etwa in den 90er Jahren eine Lebensversicherung abschloss, erhielt teils vier Prozent.

Warum sinkt der Garantiezins?

Seit 2000 geht es mit dem Zinssatz bergab. Der Grund: Versicherer müssen Teile der Kundengelder in krisensicheren Anlageformen, etwa Anleihen von Staaten mit sehr hoher Bonität, anlegen. Die Renditen dafür sind seit Jahren aber extrem niedrig. Die Unternehmen haben Probleme, so die Zinsen zu erwirtschaften. Allerdings hätten die Versicherer laut der gesetzlichen Statuten auch die Möglichkeit, 35 Prozent ihrer Investitionen in sogenanntes Risikokapital anzulegen. Hierzu gehören neben Aktien auch Beteiligungen und High-Yield-Anlagen. Darüber hinaus ist auch eine Anlage am Immobilienmarkt möglich. Tatsächlich schöpfen die Versicherungen in der Breite diese Möglichkeit aber nicht aus. Nach Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft liegt die Quote an festverzinslichen Anlagen im Durchschnitt bei nahezu 90 Prozent. In Aktien und Immobilien ist die Branche mit nur 2,8 bzw. 3,8 Prozent investiert. Bekanntermaßen konnten Anleger besonders mit diesen beiden Anlageformen in den letzten Jahren punkten.

Da aber hauptsächlich in festverzinslichen Wertpapieren angelegt wird, regt der DAV, ein Zusammenschluss von Versicherungsmathematikern, nun an, den Garantiezins ab 2015 weiter zu senken - auf 1,25 Prozent. Ob es so kommt, ist aber unklar. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hält den Schritt für "übereilt". Entscheiden muss das Bundesfinanzministerium.

Was bedeutet das niedrige Zinsniveau konkret für Lebensversicherungen?

Bei Lebensversicherungen mit Garantiezins bildet dieser nur einen Teil der Gesamtverzinsung, welche die Versicherer zahlen. Dazu kommen noch zusätzliche Renditen, wenn Versicherer das Geld der Versicherten besonders gut anlegen. Da die Zinsen für Anleihen krisenfester Staaten aber zurückgehen, schrumpfen seit Jahren sowohl Garantiezins als auch Überschussbeteiligungen.

Zu beachten ist außerdem, dass Bestandskunden von Senkungen des Garantiezinses nicht betroffen sind. Maßgeblich sind die bei Vertragsabschluss gültigen Konditionen, sie gelten für die gesamte Laufzeit. Eine Ausnahme bildet nach Angaben des Bunds der Versicherten (BdV) ein spezielles Produkt der Allianz namens "Perspektive". Es erlaubt aufgrund der Ausgestaltung der Vertragsbedingungen eine Senkung.

Sind Lebensversicherungen für Verbraucher noch attraktiv?

Versicherer sagen ja: Weil sie durch niedrigere Garantiezinsen weniger Geld zur Sicherung von Beitragsgarantien und für eine Mindestverzinsung zurücklegen müssen, könnten sie höhere Risiken eingehen - und damit auch für die Versicherten höhere Gesamt-Renditen erwirtschaften. Verbraucherschützer aber stehen klassischen Lebensversicherungen inzwischen skeptisch gegenüber. Ihrer Meinung nach fließt mittlerweile zu viel Geld in Abschluss- und Verwaltungskosten sowie den Risikoanteil, sodass der Sparanteil auf der Strecke bleibt. Für den BdV wäre eine neuerliche Garantiezinssenkung sogar das Ende des derzeitigen Systems.

Ist es sinnvoll, alte Verträge zu kündigen?

In vielen Fällen nicht. Eventuelle zukünftige Garantiezinssenkungen betreffen, wie erwähnt, bei klassischen Versicherungen zunächst nur Neuverträge. Zudem ist besonders bei Altverträgen, die schon vor 2005 abgeschlossen wurden, zu beachten, dass sie bei der Auszahlung im Alter noch steuerfrei sind, sofern der Vertrag mindestens zwölf Jahre bestanden hat. Kunden sollten auch bedenken, dass die Kündigung eines laufenden Vertrags fast immer mit Verlusten verbunden ist.

Quelle: n-tv.de

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