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Vorsicht bei Gebrauchtkäufen: Gibt es eine "Rest-Garantie"?

Von Isabell Noé

"Noch zehn Monate Gewährleistung" verspricht der private Verkäufer bei Ebay. Doch falls der Käufer später tatsächlich reklamieren will, beißt er womöglich auf Granit. Denn wenn der Händler nicht mitspielt, hilft der Original-Beleg wenig.

Mit einem anonymen Kassenzettel sollte Reklamieren kein Problem sein.
Mit einem anonymen Kassenzettel sollte Reklamieren kein Problem sein.(Foto: imago stock&people)

Ob Smartphones, Haushaltsgeräte oder Kinderwagen – Ware aus zweiter Hand verkauft sich oft besser, wenn sie innerhalb der zweijährigen Gewährleistungsfrist  angeboten wird. Was die privaten Verkäufer und Verkäufer oft nicht wissen: Geht die Sache später tatsächlich kaputt, hilft der Original-Kaufbeleg womöglich wenig. Denn per Gesetz kann der Zweitbesitzer gar nicht reklamieren.

Die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche sind im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Demnach muss der Verkäufer dem Käufer die Ware mangelfrei übergeben. Das heißt unter anderem, dass sie sich für den vorgesehenen Verwendungszweck eignet. Löst sich beispielsweise bei einem Schuh schon nach zehn Kilometern die Sohle ab, dann ist das ein Zeichen dafür, dass er schon von vornherein mangelhaft war. Der Händler muss den Schuh dann entweder reparieren, umtauschen oder das Geld zurückzahlen. Geht eine Sache in den ersten sechs Monaten kaputt, wird in der Regel davon ausgegangen, dass sie von Anfang an mangelhaft war. Bei späteren Schäden muss der Käufer das beweisen.

Hersteller kann garantieren, was er will

Einfacher ist es, wenn der Hersteller garantiert, dass das Produkt über einen gewissen Zeitraum hinweg nicht kaputtgeht. Wie genau diese Garantie aussieht, wie lange sie dauert und welche Schäden sie umfasst, kann der Hersteller selbst festlegen. Denn anders als die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung ist die Garantie freiwillig.

In der freiwilligen Garantie darf der Hersteller auch bestimmen, ob sie nur für den Erstkäufer gelten soll oder auch für spätere Besitzer. Viele Produzenten haben diesbezüglich keine klaren Regeln. Bei Elektrogeräten läuft die Reklamation oft über die Seriennummer, da spielen die Käuferdaten keine große Rolle. Anders liegt der Fall beispielsweise bei Fahrradherstellern wie Cannondale oder Trek. Sie bieten sogar eine lebenslange Garantie auf den Rahmen – aber nur für den Erstbesitzer. Wird das Fahrrad verkauft, ist die Garantie weg.

Bei der gesetzlichen Gewährleistung ist die Sache im Grunde ganz einfach: Der gewerbliche Händler schließt mit dem privaten Käufer einen Vertrag und nur an den muss er sich halten. Veräußert der Erstbesitzer die Ware später weiter, gibt es einen neuen Vertrag zwischen ihm und dem Käufer. Will der neue Eigentümer reklamieren, ist der private Verkäufer der richtige Ansprechpartner, nicht der Händler. Oft schließen private Verkäufer aber jegliche Gewährleistungsansprüche aus und das dürfen sie auch. Dann ist der Zweitbesitzer im Falle eines Schadens der Gelackmeierte.

Rechte sind übertragbar

Sollte man also grundsätzlich von Gebrauchtware die Finger lassen? Nicht unbedingt. Denn es gibt durchaus Möglichkeiten, die Gewährleistungsfalle zu umgehen. Am einfachsten ist es, wenn der Kaufbeleg anonym ist. Wer im Elektromarkt an der Kasse bezahlt, muss dort normalerweise nicht seine Personalien hinterlassen. So lässt sich später auch nicht nachvollziehen, ob es der erste oder der zweite Käufer ist, der die Ware zurückbringt. Bei technischen Geräten, bei denen die Reklamation allein über die Seriennummer läuft, sind die Käuferdaten ohnehin zweitrangig.

Lautet die Rechnung auf den Namen des Verkäufers, kommt ein anderer Weg in Frage: Der Erstkäufer kann seine Gewährleistungsrechte abtreten. Eine Notiz im Kaufvertrag genügt. Dann kann sich der neue Käufer im Schadensfall an den Händler wenden. Das Problem: Nicht alle Händler machen das mit. Manchmal findet man in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) den Hinweis, dass eine Abtretung ausgeschlossen ist. Das Oberlandesgericht Hamm hat zwar 2010 im Fall eines Internethändlers entschieden, dass ein pauschales Abtretungsverbot ungültig ist (Az. 4 U 134/10). Ein höchstrichterliches Urteil gibt es dazu aber nicht und deshalb wird die Klausel auch weiterhin verwendet.

Vorwerk hat eingelenkt

Prominent ist das Beispiel von Vorwerk. Der Staubsauger- und Küchengerätehersteller verkauft seine Produkte im Direktvertrieb und schließt in seinen AGB die Abtretung von Gewährleistungsansprüchen aus. Das hat in den letzten Wochen für zusätzliche Verwirrung gesorgt, als Vorwerk seine Kunden mit einem Nachfolgemodell für die Thermomix-Küchenmaschine überrumpelte.

Viele "alte" Thermomixe landeten deshalb auf den einschlägigen Verkaufsplattformen, oft beworben mit der noch monatelang währenden "Restgarantie" oder Gewährleistung, die es laut Vorwerk aber gar nicht geben soll. Die Fan-Gemeinde tobte und bevor die Sache aus dem Ruder lief, hat die Firma eingelenkt. Die Gebraucht-Käufer bekommen nun die gleichen Rechte wie die Direktkunden.

So gut endet die Sache nicht immer. Ärger gibt es beispielsweise mitunter bei Handys oder Tablets aus Vertragsverlängerungen. Wer ein gebrauchtes Gerät ersteht und dann beim fremden Mobilfunkanbieter reklamiert, kann nicht unbedingt auf ein Entgegenkommen hoffen. Wenn auch über die Herstellergarantie nichts läuft, bleibt nur noch eine Lösung: Man wendet sich an den privaten Verkäufer und bittet ihn, die Ansprüche gegenüber dem Händler geltend zu machen.

Quelle: n-tv.de

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