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Das ging in die Hose: Kein Klo? Kein Geld!

Die Blase drückt und die einzige Toilette im Zug ist defekt? Blöde Situation. Vor allem dann, wenn am Ende der zweistündigen Marter der Harndrang nicht mehr unterdrückt werden kann. Zur nassen Hose gesellt sich nun noch eine Niederlage vor Gericht.

(Foto: imago stock&people)

Die Deutsche Bahn muss einer Reisenden, die wegen einer defekten Zugtoilette in die Hose gemacht hat, kein Schmerzensgeld zahlen. Dies entschied das Landgericht Trier. Es revidierte damit ein Urteil des Amtsgerichts Trier, das der Frau 200 Euro zugesprochen hatte. Die Begründung damals: Die Fahrt eines Nahverkehrs-Zuges ohne eine einzige funktionierende Toilette sei eine Pflichtverletzung der Bahn. Diese Ansicht der ersten Instanz teilte das Landgericht nicht.

Die Bahn hatte argumentiert, es gebe keinen Rechtsanspruch auf eine Toilette in solchen Zügen. Die Frau hatte die Bahn auf Schmerzensgeld in Höhe von 400 Euro verklagt, weil in einer Regionalbahn von Koblenz nach Trier die einzige Toilette im Zug defekt war. Fast zwei Stunden lang habe sie bei der Fahrt im Oktober 2014 ihren Harndrang unterdrücken müssen, was ihr Schmerzen verursacht habe. Nach Ankunft am Trierer Bahnhof sei "alles in die Hose gegangen". Das Landgericht entschied, "eigenverantwortliches Handeln" der Frau hätte das Geschehene verhindern können.

Das Amtsgericht Trier hatte die Deutsche Bahn Regio AG im Juli vergangenen Jahres zu 200 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Sie habe sich einer Pflichtverletzung schuldig gemacht, hieß es im Urteil. Die Bahn hatte Berufung eingelegt, weil sie der Ansicht ist, dass es keinen Rechtsanspruch auf eine funktionierende Toilette in einem Nahverkehrszug gibt. Zudem zielte sie auf die Eigenverantwortung der Bahnreisenden ab. Jeder müsse seinen Toilettengang im Griff haben, sagte Richter Thomas Henrichs über die Position der Bahn. Aus dem Beförderungsauftrag der Bahn ergebe sich keine Pflichtverletzung, sagte der Richter weiter.

Der Fahrgastverband Pro-Bahn bemängelt hingegen die Versorgung mit Toiletten in den Zügen der Deutschen Bahn. Gerade in einer Gesellschaft mit immer mehr älteren Menschen sei es wichtig, ausreichend Toiletten zur Verfügung zu stellen. Diese müssten oft häufiger aufs Klo. Es brauche aber auch an mehr Bahnhöfen stille Örtchen - und in den Zügen Personal, das Reisenden in dringlichen Situationen helfe. 

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Quelle: n-tv.de

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