Ratgeber

Risiko Berufsunfähigkeit: Mini-Renten bringen nichts

von Isabell Noé

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist sinnvoll - aber teuer. Nach dem Motto "lieber wenig als gar nichts" vereinbaren viele Versicherte deshalb Mini-Renten um die 500 Euro oder noch weniger. Wenn es dumm läuft, nützt ihnen das im Ernstfall gar nichts. Dann freut sich nur einer: der Staat, der sich die Grundsicherung spart.

BU-Renten unter Grundsicherungsniveau sind in vielen Fällen sinnlos.
BU-Renten unter Grundsicherungsniveau sind in vielen Fällen sinnlos.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung, so war es auch an dieser Stelle schon mehrfach zu lesen, gehört zu den wichtigsten Policen überhaupt. Sie hat nur einen Haken: Sie ist ziemlich teuer. Der Preis wird maßgeblich durch Eintrittsalter, Beruf und Vorerkrankungen bestimmt und so gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit, die Kosten zu drücken: Man wählt die Rente möglichst niedrig.

"Lieber eine kleine Zusatzrente als gar kein Geld", scheinen viele Versicherungskunden zu denken und vereinbaren Mini-Renten von wenigen hundert Euro, weil sie glauben, zur Not auch damit über die Runden zu kommen. Was sie dabei übersehen: Im schlechtesten Fall nützt die Mini-Rente nicht ihnen selbst, sondern nur dem Staat. Der spart sich dann nämlich die Transferleistungen. Die private Zusatzrente wird zwar nicht auf die staatliche Erwerbsminderungsrente angerechnet, wohl aber auf die Grundsicherung bei Erwerbsunfähigkeit.

Vom Staat gibt's nicht viel

Das klingt erstmal verwirrend. Deshalb sollte sich jeder, der eine BU-Versicherung abschließen möchte, zunächst klarmachen, was ihn überhaupt im erwartet, wenn er tatsächlich berufsunfähig wird. In der Regel ist das nicht viel. Alle, die ab 1961 geboren wurden, haben nur noch Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente, und die wird auch nur voll gezahlt, wenn man grundsätzlich keine drei Stunden täglich mehr arbeiten kann, egal in welchem Beruf. Zudem muss man zuvor fünf Jahre gesetzlich rentenversichert gewesen sein (Die weit verbreitete Annahme, dass junge Menschen damit per se ausgeschlossen sind, ist aber falsch. Für Berufsanfänger gelten Sonderregelungen.) Die Chancen auf eine Erwerbsminderungsrente sind allerdings nicht allzu groß, rund 40 Prozent der Anträge werden abgelehnt. Im Schnitt zahlt die Versicherung derzeit rund 600 Euro, Tendenz sinkend.

Weil das kaum reicht, um den Lebensunterhalt zu sichern, zahlt der Staat seit 2003 eine Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung – eine Art ALG II für jene, die keine Arbeit mehr suchen. Zum Regelsatz von derzeit 364 Euro kommen noch andere Posten wie Miete und Heizkosten, so dass man insgesamt mit 700 bis 750 Euro für die Grundsicherung rechnen kann. Liegt die gesetzliche Erwerbsminderungsrente unter diesem Satz, wird sie auf das Existenzminimum aufgestockt.

Allerdings gilt für die Grundsicherung bei Erwerbsminderung das Gleiche wie für Leistungen aus Hartz IV: Vermögen und andere Einkünfte werden verrechnet. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente gehört ebenso dazu wie private Berufsunfähigkeitsrenten. Und das wird all jenen zum Verhängnis, die keine oder nur wenig Rente vom Staat bekommen und nur eine kleine Privatrente beziehen. "Es gibt viele Fälle, bei denen die gesetzliche Absicherung gegen Erwerbsminderung nicht greift", so der Honorarberater Wladimir Simonov. "Deshalb sollte die Höhe der BU-Rente von vornherein auskömmlich gewählt werden."

Nicht unter 750 Euro

Konkret heißt das: Berufsunfähigkeitsrenten sollten über Grundsicherungsniveau liegen, also nicht unter 750 Euro im Monat, möglichst mit einer Beitragsdynamik zum Inflationsausgleich. In der Praxis scheint sich diese Erkenntnis aber noch nicht durchgesetzt zu haben. Die durchschnittlich versicherten Rentenhöhen im Bestand der Versicherer liegen bei rund 500 Euro, wie eine Analyse von Morgen & Morgen zeigt. Es scheint, als würden viele Absicherungswillige in der Flut der Konditions- und Preisvergleiche die Frage der Rentenhöhe aus den Augen verlieren. Doch eine BU-Versicherung mit Top-Konditionen nutzt wenig, wenn man mit einer Kleinrente lediglich die Sozialkassen entlastet.       

Und noch etwas wird oft übersehen: Mit Eintritt ins offizielle Rentenalter endet die Zahlung der privaten BU-Rente. Wer jahrelang keine Rentenbeiträge gezahlt hat, droht geradewegs in die Altersarmut zu schlittern. Die BU-Rente sollte also im Idealfall so hoch sein, dass man davon auch noch in eine private Altersvorsorge investieren kann. Das alles ist natürlich teuer. Das weiß auch Finanzberater Simonov: "Wenn ich die Gesamtsituation mancher Kunden realistisch betrachtet, lautet meine Empfehlung manchmal auch, keine Verträge abzuschließen." Denn wer durch BU-Beiträge und Altersvorsorge schon heute unter das Existenzminimum rutschen würde, der kann sich die Absicherung für den Ernstfall auch sparen. 

Berufsunfähigkeitspolicen im Vergleich

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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