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Mit dem Dienstrad muss man nicht zwangsläufig zur Arbeit fahren.
Mit dem Dienstrad muss man nicht zwangsläufig zur Arbeit fahren.(Foto: imago/Westend61)
Mittwoch, 14. Juni 2017

Tenhagens Tipps: Neues Fahrrad auf Firmenkosten

Führungskräfte und Außendienstler lassen sich ihren Job gern mit einem Dienstwagen versüßen. Wer will, kann sich von der Firma aber auch das neue Fahrrad sponsern lassen. Ob E-Bike, Reise- oder Rennrad spielt dabei keine Rolle. Finanztip-Chef Tenhagen erklärt, wie das geht.

n-tv.de: Dienstwagen kennt man ja schon lange, seit 2012 kann man sich auch das Rad vom Arbeitgeber sponsern lassen. Wie funktioniert das?

Hermann-Josef Tenhagen: Im Idealfall - also aus der Sicht des Arbeitnehmers - kauft der Arbeitgeber das Fahrrad und stellt es dem Mitarbeiter zur Verfügung. Die Kosten kann er als Betriebsausgaben absetzen. Der Mitarbeiter muss dann ein Prozent des Brutto-Listenpreises als zusätzlichen Teil des Einkommens versteuern.

Wenn er zum Beispiel ein Pedelec für 2500 Euro nimmt, wären das 25 Euro extra im Monat, auf die er Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen muss. Je nach Einkommen wären das so etwa zwischen 6 und maximal 15 Euro.

Klingt für den Arbeitnehmer nach einem guten Geschäft. Aber was hat der Arbeitgeber davon?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Zunächst mal tut er was für sein Image. Wenn zum Beispiel die hippe Firma eine Firmenflotte für die Mitarbeiter aufbaut, hat das ja auch einen Werbeeffekt. Zumal, wenn das Firmenlogo auf den Rahmen kommt. Wenn sie gleich in einen ganzen Fuhrpark investiert, bekommt sie die Räder oft auch günstiger als im Einzelverkauf. Außerdem ist ein Dienstrad eine Investition in die Gesundheit der Angestellten. Es gibt ja Studien darüber, dass Angestellte, die mit dem Rad zur Arbeit fahren, seltener krank sind.

Wenn der Arbeitgeber das Rad nicht selbst kaufen will, kann er es leasen. Die Leasingraten und die Versicherungskosten setzt er dann als Betriebskosten ab. Er kann mit dem Mitarbeiter auch eine sogenannte Barlohnumwandlung vereinbaren. Der Arbeitnehmer verzichtet auf einen Teil des Gehalts und bekommt dafür das Rad zur privaten Nutzung. Der Vorteil: Weil die Berechnungsgrundlage sinkt, zahlt der Arbeitnehmer weniger Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge. Und der Arbeitgeber spart bei der Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Das Dienstrad kann insbesondere in verkehrsgeplagten Metropolen ein wirkungsvolles Mitarbeiterbindungsinstrument sein - und kann möglicherweise eine geforderte Gehaltserhöhung ersetzen, wird zuweilen sogar als wertvoller eingeschätzt.

Beim Leasing gehört das Rad am Ende aber immer noch der Leasingfirma.

Genau. Der Vertrag läuft in der Regel über 36 Monate. Und wenn man das Rad dann gerne behalten möchte, weil es passt und so gut eingefahren ist, dann zahlt man eine Schlussrate und kann es übernehmen. Normalerweise ist das sehr günstig möglich und man bekommt somit das Rad am Ende deutlich billiger als wenn man es direkt gekauft hätte. Oft kann der Arbeitnehmer nach drei Jahren das Fahrrad für zehn Prozent des Werts kaufen. Falls es aber immer noch die Hälfte wert wäre, müsste er auf die 40 Prozent Wertunterschied Steuern zahlen. Wenn der Leasingvertrag gar keine Kaufoption enthält, entfällt die Nachversteuerung.

Was, wenn man während der Laufzeit den Job wechselt?

Wenn der Arbeitgeber das Rad geleast hat, dann behält er es. Bei der Barlohnumwandlung kommt es darauf an, was im Leasingvertrag vereinbart ist. Vielleicht kann man das Leasingkonzept beim neuen Arbeitgeber fortsetzen, vielleicht muss man das Rad aber auch übernehmen.

Welche Räder kommen denn überhaupt als Dienstrad infrage?

Grundsätzlich alle. Wenn der Arbeitgeber mitspielt, könnte man sich also auch ein neues Rennrad sponsern lassen, das man nur in der Freizeit nutzt. Sinnvoll ist das Modell auch bei teuren E-Bikes. Die schnellen S-Pedelecs, die mehr als 25 km/h erreichen, werden steuerlich allerdings wie Kraftfahrzeuge behandelt. Da muss man als geldwerten Vorteil zusätzlich zum 1 Prozent auf den Bruttolistenpreis noch 0,03 Prozent Aufschlag für jeden Entfernungskilometer zur Arbeit versteuern.

Unabhängig davon können natürlich alle Radfahrer die Entfernungspauschale von 30 Cent je Kilometer in der Steuererklärung geltend machen. Das gilt für Diensträder genauso wie für private - sogar für Fußgänger.

Angenommen, man hat schon einen Firmenwagen. Kann man dann noch ein Dienstrad dazunehmen?

Ja, das geht. Man zahlt dann eben etwas mehr Steuern, weil für Rad und Auto die Ein-Prozent-Regel angewendet wird.

Wer übernimmt die Wartung des Rads?

Das kommt darauf an. Wenn es geleast ist, kümmert sich die Leasingfirma darum. Kauft der Arbeitgeber dagegen eine Firmenflotte, dann wird er wahrscheinlich auch dafür sorgen, dass es regelmäßig gewartet wird. Solange das Rad dem Arbeitgeber gehört, muss er das auch bezahlen. Gehört es dem Arbeitnehmer, ist es seine Sache.

Wir reden ja jetzt die ganze Zeit von Arbeitgebern und Angestellten. Kommt das Dienstrad auch für Selbstständige infrage?

Ja. Wenn man zum Beispiel als Geschäftsführer bei der eigenen GmbH angestellt ist, läuft das wie bei allen anderen Angestellten. Aber auch Freiberufler profitieren. Wenn man das Rad zu mindestens zehn Prozent beruflich nutzt, kann man es dem Betriebsvermögen zuordnen. Der Vorteil: Man kann nicht nur die Anschaffungskosten von der Steuer absetzen, sondern auch die Reparaturen und die Versicherung. Für die private Nutzung gilt dann auch die Ein-Prozent-Regel.

Noch ein Tipp zum Schluss: Ab 2018 erhöht der Fiskus den Betrag eines geringwertigen Wirtschaftsguts deutlich von 410 Euro netto auf 800 Euro netto (952 Euro brutto). Falls das Rad nicht mehr kostet, kann es der Selbstständige sofort in einem Jahr abschreiben, was seinen zu versteuernden Gewinn dementsprechend reduziert. Wer sich als Selbstständiger mit solch einem eher günstigen Fahrrad begnügt, der sollte mit dem Kauf bis Januar 2018 warten. 2019 könnte er sich dann ja schon wieder ein Neues zulegen.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

Quelle: n-tv.de

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