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Aktien, Baugeld, Strafzins und Co.: Null Prozent - was Sparer wissen müssen

Von Axel Witte

Nada, null, zero. Egal wie man es nennt: In Europa ist der Zins bei 0,0 Prozent gelandet. Für die Geldinstitute werden die Parkgebühren für liquide Mittel weiter erhöht. Für Anleger, Sparer und Verbraucher hat diese Politik gravierende Folgen.

Mission complete? Der Leitzins im Euroraum sinkt auf 0,00 Prozent. Denn trotz Mikrozinsen, Strafzinsen für Bankeneinlagen und milliardenschwerer Anleihe-Kaufprogramme ist die Inflation im Euroraum nach wie vor weit von der angestrebten Zwei-Prozent-Marke entfernt. Und die Konjunktur lahmt weiter. Deshalb werden die Maßnahmen weiter verschärft.

Für Sparer hat diese Politik gravierende Folgen. Ein Überblick zeigt, ob und wo derzeit mit einer Rendite zu rechnen ist und ob Kredite noch preiswerter werden.

Sparbuch

Sparer werden weiter "leiden" müssen.
Sparer werden weiter "leiden" müssen.(Foto: imago/Bernd Friedel)

Die Zinsen werden weiter sinken. Um mangelnde Zinserträge zu kompensieren, werden Banken zunehmend Gebühren für ihre Dienstleistungen verlangen. Negative Zinsen für Sparer werden die Institute so möglichst lange vermeiden. Nicht zuletzt, um eine Abwanderung der Kundschaft zu den deutlich weniger kostenintensiven Direktbanken zu verhindern.

Fest- und Tagesgeld

Auch hier wird es noch weniger geld fürs Geld geben - zudem drohen auch hier Gebühren. Wollen Sparer wenigstens die besten Konditionen am Markt abgreifen, bleibt ihnen das sogenannte Zinshopping nicht erspart.

Fonds

Für kurzanlegende Geldmarkt- und Rentenfonds wird es bei steigenden Strafzinsen oder Nullzinsen schwieriger, Rendite zu erzielen. Auch diese Anlageform kann sich dem Nullzins nicht entziehen. Der Anteil der Fonds, welcher "bar gehalten" wird (etwa 3-5 Prozent des Gesamtvolumens) unterliegt bei einigen Instituten einer negativen Verzinsung - was ebenfalls an der Rendite knabbert.

Wer in einzelne Anleihen investiert, wird bei Kurzläufern - analog zu Fonds - ebenfalls keine Freude haben. Im Gegenteil, risikoreiche Anlagen mit hohem Ausfallrisiko werden noch mit Mini-Zinsen maskiert. Ältere Staatsanleihen mit deutlich höherer Verzinsung sollten hingegen gehalten werden. Hier kann mit Zins- und Kurseinnahmen überproportional verdient werden. Zumindest solange das Anleihe-Kaufprogramm der EZB läuft.    

Aktienfonds hingegen sind für Verbraucherschützer und Börsenexperten zumindest für die Langfristanlage die erste Wahl. Dennoch sollten Anleger vorsichtig sein und nicht alles Ersparte in den Markt investieren. Auch wenn die viele Liquidität in Ermangelung sicherer und lukrativer Anlagen für eine Investition in Aktien spricht, sind zum Teil gravierende Rückschläge jederzeit möglich. Langfristig droht einem vor allem durch billiges Geld gespeisten Aktienmarkt eine Blasenbildung.

Krankenkassen/Krankenversicherungen

Der Gesundheitsfonds, der für die gesetzlichen Krankenkassen sammelt und dann verteilt, musste im Jahr 2015 circa 1,8 Millionen Euro Strafzinsen zahlen. Dadurch schmilzt die  Liquiditätsreserve von rund 10 Milliarden Euro. Unmittelbar soll das laut Bundesversicherungsamt bisher aber keine Auswirkungen auf die Erhöhung der Zusatzbeiträge haben.

Anders sieht die Sache bei den privaten Krankenversicherungen aus. Da diese Rücklagen insbesondere für die Behandlungskosten von Ältereren bilden, schlägt die anhaltende Niedrigzinsphase hier voll durch. Es fällt den Versicherern zunehmend schwer, die nötigen Zinseinnahmen zu erwirtschaften. Die Folge: Beitragserhöhungen. 

Lebensversicherungen

Von Versicherungen und Pensionsfonds muss die "Parkgebühr" mitbezahlt werden. Im Zweifel wird dies über erhöhte Gebühren vom Kunden zurückgeholt. Neuabschlüsse haben ob der mickrigen Zinsen keinen Sinn mehr. Die Branche bietet ohnehin vermehrt neue Policen ohne Garantie an. Alte, hoch verzinste Verträge sollten analog zu älteren Staatsanleihen behalten werden. Der vergleichbar hohe Garantiezins verspricht auch weiterhin überproportionale Erträge.

Immobilienkredite/Immobilien

Die Konditionen für Darlehensnehmer könnten noch weiter sinken. Zumindest solange, wie die Europäische Zentralbank an ihrer derzeitigen Geldpolitik festhält. Zudem werden wohl weitere Banken ins Kreditgeschäft einsteigen, da sich ihnen hier bessere Erträge als im Zinsgeschäft bieten. Die neue Konkurrenz sollten die Konditionen für Verbraucher weiter verbessern.

Eine Anlage in Immobilien kann sich trotz rasant gestiegener Preise je nach Objekt und persönlichen Bedürfnissen immer noch lohnen. Vor allem wegen der günstigen Finanzierungsmöglichkeiten. Allerdings droht hier - genau wie am Aktienmarkt - langfristig eine Preisblase. Kritische Stimmen merken an, dass es bei reinen  Vermögenswerten wie Aktien und Immobilien schon jetzt eine Inflation gibt.

Wem der derzeitige Nullzins die Zornesröte ins Gesicht treibt, sollte allerdings wissen, dass der viel beschworene Negativzins historisch keine Seltenheit ist. Nach Berechnungen der Bundesbank waren die Zinsen für Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist in der Zeit von 1967 bis zuletzt in insgesamt 299 Monaten negativ - von insgesamt 504 Monaten, also bei mehr als der Hälfte des untersuchten Zeitraums. Dass die von der Europäischen Zentralbank festgelegten derzeitigen Nullzinsen eine derartige Aufregung verursachen, hat wohl auch psychologische Gründe. Treffen hier doch Euroskepsis und ein gefühltes Nichts an Zinsen aufeinander.

Wem auch dies kein Trost ist, hilft vielleicht die Philosophie. Hat doch schon der (schwerreiche) Seneca gewusst, dass nicht der arm ist, der wenig hat, sondern der, der nicht genug kriegen kann.

Tagesgeld im Vergleich

Festgeld im Vergleich

Quelle: n-tv.de

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