Ratgeber

Rürup-Renten im Test: Nur fünf sind gut

von Isabell Noé

Wer selbstständig ist und auf Dauer gut verdient, fährt mit einer Rürup-Rente gut, so das Fazit der Zeitschrift "Finanztest", die klassische Basisrentenversicherungen unter die Lupe genommen hat. Schwierig könnte es allerdings werden, ein vernünftiges Angebot zu finden. Unter 31 Angeboten fanden die Tester gerade mal fünf, die überzeugten.

Beiträge zur Rürup-Rente lassen sich von der Steuer absetzen, bislang aber nicht komplett.
Beiträge zur Rürup-Rente lassen sich von der Steuer absetzen, bislang aber nicht komplett.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Selbständige bekommen bei ihrer Altersvorsorge Unterstützung vom Staat. Dann jedenfalls, wenn sie sich für eine zertifizierte Rürup-Rente entscheiden. 1,3 Millionen Deutsche haben das inzwischen getan. Sie zahlen bis zu 20.000 Euro im Jahr in einen zertifizierten Basisrentenvertrag und können einen Teil davon als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. In diesem Jahr akzeptiert das Finanzamt 72 Prozent, im nächsten Jahr sind es 74 Prozent und ab 2025 dann den kompletten Beitrag. Das Modell eignet sich auch für Besserverdienende, die viele Steuern zahlen.

Während es am Anfang nicht nur an Interesse an der Rürup-Rente mangelte, sondern auch an entsprechenden Produkten, haben die Sparwilligen sechs Jahre nach der Einführung der Förderung auch zahlreiche Produkte zur Auswahl – zumindest im Bereich von klassischen und fondsgebundenen Rentenversicherungen. Reine Fondssparpläne bieten bislang nur DWS und Deka, die zusammen auf gerade mal 5000 Verträge kommen. Bei den klassischen Rentenversicherungen ist die Übersicht schon schwieriger. 62 Angebote für Frauen und Männer hat jetzt die Zeitschrift "Finanztest" ausgewertet. Nur fünf von ihnen gehen mit dem Qualitätsurteil "gut" aus dem Test hervor.

Entscheidend ist, was hinten rauskommt

Vier Kriterien haben die Tester abgeklopft. Als wichtigste wurden die Rentenzusage und der bisherige Anlageerfolg gewertet. Jeweils mit 10 Prozent gingen Flexibilität und Transparenz in das Testergebnis ein. Für Rentenversicherungen, die noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, gilt auf jeden Fall noch der Garantiezins von 2,25 Prozent. Ab nächstes Jahr sind es nur noch 1,75 Prozent. Wer glaubt, der Garantiezins gelte für die gesamte eingezahlte Summe, ist aber auf dem Holzweg. Von den Beiträgen werden Abschluss- und Verwaltungskosten abgezogen, Zinsen gibt es nur für den Rest. Je höher die Kosten sind, desto niedriger fällt die garantierte Rente aus. Die Interrisk beispielsweise garantiert dem männlichen Beispielkunden, der jährlich 6000 Euro einzahlt, 787 Euro, bei der Sparkassen-Versicherung Sachsen hat er gut 100 Euro weniger sicher. Frauen bekommen – solange noch keine Unisex-Tarife eingeführt sind – weniger heraus als Männer. Zusatzleistungen wie Hinterbliebenenschutz mindern die Rente, man sollte sich auf jeden Fall ausrechnen lassen, was das ausmacht.

Eine maue Garantierente kann aufgebessert werden, wenn die Versicherung ordentliche Überschüsse erwirtschaftet. Finanztest hat die Geschäftsberichte der Versicherer gewälzt, um zu prüfen, wie gut sie in den vergangenen drei Jahren mit den Kundenguthaben gewirtschaftet haben und wie viele Erträge an die Kunden weitergegeben wurden. Auch wenn sich dadurch keine Voraussagen ableiten lassen, kann man wenigstens eine Tendenz erkennen. "Sehr gut" schnitten hier die Europa und die WWK ab. Dass Letztere in der Gesamtwertung nicht auf einem besseren Platz landete, liegt an einem anderen Punkt: mangelnder Flexibilität.

Flexibel sind nur wenige

Ein flexibler Vertrag ist gerade für Selbstständige wichtig, deren Einkünfte größeren Schwankungen unterliegen. Hier hilft es, wenn man Beiträge zinslos stunden kann, was aber nur neun Anbieter im Test zulassen. Größer ist die Bereitschaft, Sonderzahlungen zu akzeptieren, die gibt es immerhin bei 25 Anbietern. Beitragsfrei stellen kann man die Verträge überall, oft werden dann aber Stornokosten berechnet. Und wer im Laufe der Zeit zu einem anderen Anbieter wechseln möchte, muss ein zweites Mal Abschlusskosten zahlen. Das Gesetz sieht vor, dass Versicherte ihr Guthaben zu einem anderen Anbieter mitnehmen können. Das geht aber nur, wenn das im Vertrag geregelt ist. Und das ist nur bei gerade mal sechs Anbietern der Fall. Insgesamt bieten nur drei Versicherer so viel Flexibilität, wie man sich das wünschen würde. Auch bei den meisten Testsiegern hapert es bei dem Thema. Nur die Hannoversche schneidet hier sehr gut ab.

Insgesamt mit "gut" wurden neben der Hannoverschen noch vier weitere Anbieter bewertet:  " Die Debeka steht mit einer glatten Zwei auf der Spitzenposition, es folgen die Europa, die erwähnte Hannoversche, Huk24 und Huk Coburg. "Mangelhaft" schnitt der Rürup-Tarif der Generali ab, der in keinem der geprüften Punkte überzeugen konnte. 

Freibetrag schon ausgeschöpft?

Bevor es an die Produktauswahl geht, sollten Kunden aber überlegen, ob die Rürup-Police überhaupt die geeignete Altersvorsorge für sie ist. "Wer selbstständig ist und damit rechnen kann, dauerhaft gut zu verdienen, erzielt mit einer Rürup-Rente eine höhere Rendite als mit einer vergleichbaren, nicht geförderten Vorsorge", schreibt Finanztest. Aufpassen sollten aber alle jene, die bereits über die gesetzliche Rentenkasse oder die berufsständische Versorgung vorsorgen. Denn diese Beiträge mindern den absetzbaren Höchstbetrag. Ein Arzt dagegen, der 12.000 Euro in die Ärzteversorgung einzahlt, kann nur noch 8000 Euro für die Rürup-Rente investieren. Davon kann er 72 Prozent als Sonderausgaben geltend machen, also 5760 Euro. In diesem Fall würde sich die Sache also immer noch lohnen. Mehr als 8000 Euro einzuzahlen, hätte aber – zumindest steuerlich – keinen Sinn.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen