Ratgeber
Donnerstag, 01. September 2016

Neue Regeln zum Dispozins: Schneller aus den Miesen

Ein Gastbeitrag von Max Herbst

Viele Vorschriften sollen Bankkunden vor überhöhten Dispozinsen schützen. Das ist erfreulich. Wer langfristig aus den Miesen will, muss trotzdem mehr tun, als Konditionen zu vergleichen. Umschulden mit System.

Durch ein neues Gesetz sollen Bankkunden besser vor hohen Dispozinsen geschützt werden.
Durch ein neues Gesetz sollen Bankkunden besser vor hohen Dispozinsen geschützt werden.(Foto: dpa)

Transparenz im Kreditwesen ist eine feine Sache. Das gilt auch für die neue Vorgabe, dass Banken ihre Dispozinsen im Internet veröffentlichen müssen. Jeder Girokunde soll wissen, was seine Hausbank verlangt, auch und gerade dann, wenn er plant, seine Bank zu wechseln. Gehört der Kunde zu jenen, die am Ende des Monats deutlich zu wenig Geld übrighaben, sollte der Dispozins sogar eine maßgebliche Größe für den Girovergleich sein. Sonst wird aus "zu wenig Geld" schnell "viel zu wenig": Wer etwa eine Dispositionskredit von 3000 Euro jeden Monat ausschöpft, der zahlt bei einer sehr teuren Bank 12 Prozent Zinsen – für ein Jahr sind das 30 Euro pro Monat. Da lohnt es sich schon, zu verglichen – und gegebenenfalls zu wechseln. Eine Übersicht der Dispozinsen finden Sie im Giro-Vergleich.

Es gibt nur ein Problem: Wer bereits in den Miesen steckt, kann sich nicht einfach eine billigere oder fairere Bank aussuchen. Er muss vorher mit dem neuen Anbieter sprechen und klären, ob er den Dispo von Beginn an übertragen darf. Das erlauben längst nicht alle Banken – viele übernehmen erst nach drei Monaten Geldeingang. Für wechselwillige Disponutzer wird diese Geschäftspraxis schnell zum Problem. Ist die Zielbank zum Beispiel erst nach drei Monaten oder noch später bereit, das Negativguthaben zu übernehmen, ist Ärger programmiert: Zwar hat der Kunde bei der neuen Bank nun ein neues Konto mit geringen Kontoführungsgebühren, doch bei der alten gehen keine Gehälter mehr ein – obwohl der Dispo weiterbesteht. Die Folge: Diese Bank wird schon bald auf einen Kontoausgleich bestehen. Was also ist zu tun?

Vor- und Nachteile eines Ratenkredits

Eine Möglichkeit ist es, den Dispo vor einem Kontowechsel in einen Ratenkredit umzuwandeln. Die Banken dürfen Kunden diesen Wunsch nicht abschlagen - dank einer neuen EU-Richtlinie, die seit März auch in Deutschland gilt. Ihr zufolge müssen Banken einen Kunden zum Beispiel immer dann beraten, wenn er den eingeräumten Überziehungsrahmen über sechs Monate hinweg ununterbrochen zu durchschnittlich 75 Prozent ausschöpft.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.
Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Wichtig dabei ist, dass die Beratungspflicht der Banken nicht mit einer Verpflichtung des Kunden zum Abschluss des empfohlenen Ratenkredits korrespondiert. Aus gutem Grund: Denn um einen solchen Kredit zu bedienen, muss der finanzschwache Kunde vergleichsweise hohe monatliche Raten zahlen. Wer etwa den besagten Dispokredit, der pro Monat 30 Euro Zinsen kostet, in einen Ratenkredit umschulden will, muss selbst bei einer langsamen Rückzahlung innerhalb von 72 Monaten mit Raten zwischen 45 und 50 Euro rechnen. Um die 3000 Euro Betrag in 36 Monaten zurückzuzahlen, würden zwischen 87 und 90 Euro fällig. Das kann klamme Kunden überfordern. Es besteht die Gefahr, dass sie bald wieder den Dispo in Anspruch nehmen, um die Raten des Ratenkredites zu bezahlen: Statt zu sparen, würden sie also doppelt belastet.

Flexible Lösungen prüfen

Besser beraten sind Kunden in solchen Konstellationen mit einem Rahmenkredit. Hier können sie die vereinbarte Darlehenssumme nach Bedarf abrufen und zurückzahlen. Feste monatliche Raten gibt es nicht, sondern nur eine monatliche Mindestrate von ein bis drei Prozent des abgerufenen Kreditbetrags. Weiterer Vorteil: Der Kunde kann sich einen größeren Kreditrahmen genehmigen lassen, als er tatsächlich in Anspruch nimmt. Das schafft Flexibilität.

Derzeit gibt es für solche Produkte sehr interessante Angebote. Bundesweiter Spitzenreiter der monatlich erstellten FMH-Liste für Rahmenkredite ist derzeit die Volkswagenbank mit einem Effektivzins von 5,97 Prozent – über die gesamte Laufzeit. Ebenfalls empfehlenswert: Die ING-DiBa mit 5,99 und Bank 11 mit 7,44 Prozent. Die ABK Allgemeine Beamtenbank und Oyak Anker bieten etwas geringere Zinsen, schreiben dafür aber eine höhere Mindestrückzahlung vor, was viele Dispokunden wieder überfordern könnte.

Selbst wer den günstigen Rahmenkredit der Volkswagenbank in Höhe von 3000 Euro voll in Anspruch nimmt, aber lediglich die monatliche Mindestrate von 30 Euro bezahlt, senkt seine Schuldenlast binnen eines Jahres schon auf 2725 Euro. In Kombination mit günstigeren Girokonto-Konditionen bei der neuen Bank, ist das ein sehr deutlicher Vorteil im Vergleich zum Dispo.

Quelle: n-tv.de

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