Ratgeber

Mehr als man glaubt: Was Krankenkassen zahlen

von Isabell Noé

Zahnersatz, Homöopathie oder Yoga-Kurse - bezahlen müssen das die gesetzlichen Krankenkassen nicht. Viele tun es trotzdem. Das Problem: oft wissen das die Versicherten gar nicht. Wer sich über die Zusatzleistungen informiert, spart bares Geld. Das zeigt ein Vergleich der Stiftung Warentest.

Viele Patienten bezahlen selbst für Leistungen, die auch die Kasse übernehmen würde.
Viele Patienten bezahlen selbst für Leistungen, die auch die Kasse übernehmen würde.(Foto: picture alliance / dpa)

Ihre Gesundheit lassen sich die Deutschen etwas kosten. Zusätzlich zum Kassenbeitrag hat jeder im vergangenen Jahr rund 600 Euro investiert, etwa für Zahnersatz, Vorsorgeuntersuchungen oder alternative Heilmethoden. Einige Ausgaben hätten sich die Versicherten sparen können, wenn sie bei ihrer Krankenkasse angeklopft hätten. Schließlich übernehmen die Kassen auch Leistungen, die über das gesetzlich Vorgeschriebene hinausgehen. Man muss nur wissen, welche.

Die Stiftung Warentest hat für die Juni-Ausgabe von "Finanztest" 93 gesetzliche Kassen verglichen und festgestellt: Viele bieten mehr als man denkt. Insbesondere Angebote für schwer oder chronisch Kranke werden nicht an die große Glocke gehängt, selbst dann nicht, wenn sie vorbildlich sind. Kein Wunder, schließlich wollen Kassen lieber gesunde Neukunden anlocken als kranke. Aber auch andere Leistungen ihrer Kassen kennen viele Versicherte gar nicht. Dazu gehört beispielsweise die Haushaltshilfe, die bei schwerer Krankheit zur Hand geht. Gesetzlich vorgeschrieben ist diese Leistung nur für Versicherte mit kleinen Kindern. Die Hälfte der Kassen im Test bezahlt aber auch kinderlosen Patienten, die sich nicht selbst versorgen können, eine Haushaltshilfe.

Von Homöopathie bis Zahnersatz

Homöopathie müssen die Kassen eigentlich gar nicht übernehmen. Drei von vier Kassen tun es aber dennoch und bezahlen zumindest das ausführliche Erstgespräch zur Erfassung der Krankheitsgeschichte. Versicherte dürfen dafür aber nicht zum Heilpraktiker gehen, sondern müssen sich von einem "richtigen" Arzt mit Zusatzausbildung behandeln lassen.

Beim Zahnersatz kommen Versicherte normalerweise nicht um eine Zuzahlung herum – es sei denn, die Kasse arbeitet mit Dienstleistern wie "dent-net" oder "dentaltrade" zusammen. Diese Netzwerke aus Zahnärzten und Zahnlaboren bieten Zahnersatz so günstig an, dass allein der Festzuschuss der Kasse reicht, um die Standardversorgung zu bezahlen. Wer höherwertige Kronen, Brücken oder Implantate wünscht, kommt bei den Dienstleistern ebenfalls meist wesentlich günstiger weg. Ein Problem kann es bei der Sache aber geben: Möglicherweise muss der Patient den Zahnarzt wechseln. Auch bei der professionellen Zahnreinigung kooperieren viele Kassen mit den Netzwerken. Wer sich die Zähne nicht beim eigenen Zahnarzt, sondern beim Kassen-Partner säubern lässt, spart bis zu 150 Euro im Jahr. 

Sponsoring für Yoga & Co.

Homöopathie wird oft übernommen, wenn der Arzt auch schulmedizinisch ausgebildet ist.
Homöopathie wird oft übernommen, wenn der Arzt auch schulmedizinisch ausgebildet ist.(Foto: picture alliance / dpa)

Am billigsten sind Kunden, die gar nicht erst krank werden. Kurse und Seminare, etwa zur Rauchentwöhnung, Ernährungsberatung oder Stressbewältigung, bieten manche Kassen selbst an. Fast alle sponsern aber auch externe Angebote. So schießen einige Versicherungen bis zu 400 Euro im Jahr zu, wenn Versicherte etwa Yoga-Kurse belegen oder Rückentraining betreiben.

Auch Impfungen dienen der Vorsorge. Reiseimpfungen gehören allerdings zu den individuellen Gesundheitsleistungen, die Kassenpatienten normalerweise selbst zahlen müssen – es sei denn, sie sind bei der richtige Versicherung. Die Mehrzahl der Kassen übernimmt zumindest die Impfberatung, viele auch die Schutzimpfungen selbst. Es lohnt sich auf jeden Fall, nachzufragen, denn Reiseimpfungen sind nicht billig:  Allein die Gelbfieberimpfung kostet um die 50 Euro, die Immunisierung gegen Hepatitis A und B schlägt mit mehr als 300 Euro zu Buche.

Erst schlau machen, dann wechseln

Wer seine Kasse nach individuellen Bedürfnissen auswählt, kann also bares Geld sparen. Alle 18 Monate können Versicherte sich einen neuen Anbieter suchen. Wird ein Zusatzbeitrag erhoben, gilt ein Sonderkündigungsrecht. Von einem leichtfertigen Wechsel rät die Stiftung Warentest aber ab – zumindest, wenn man bereits krank ist und sich bei seiner Kasse gut aufgehoben fühlt. Ein Ansprechpartner, der sich mit der bisherigen Krankheitsgeschichte auskennt, kann in solchen Fällen Gold wert sein. Um eine Kasse mit maßgeschneiderten Angeboten zu finden, bietet Warentest einen Produktfinder im Netz an. Anders als die üblichen Krankenkassenvergleiche kostet der zwar etwas Geld, nämlich drei Euro für vier Wochen, informiert dafür aber ausführlich über das gesamte Leistungsspektrum. Das kann sich auch für jene lohnen, die sich einfach nur ein Bild darüber machen wollen, welche Leistungen eigentlich die eigene Kasse bietet. 

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Quelle: n-tv.de

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