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Das Original: Heiß begehrt und nun auch kopiert.
Das Original: Heiß begehrt und nun auch kopiert.(Foto: picture alliance / dpa)

Thermomix-Ersatz von Aldi und Lidl: Was taugen die Discount-Küchenmaschinen?

Von Isabell Noé

Braucht man einen Thermomix? Unbedingt, sagen die, die schon einen haben. Leider ist der multifunktionale Küchenhelfer unverschämt teuer. Aldi Süd und Lidl bieten Alternativen zum Bruchteil des Preises an. Aber können die auch was?

Vorbei sind die Zeiten, als Küchenmaschinen nur kneten, häckseln und reiben können mussten. Vorwerk hat mit seinem "Thermomix" das Produktsegment neu definiert. Der Alleskönner kann nicht nur beim Kochen helfen – er kocht auch selbst. Das Schnitzel muss man sich zwar selber in der Pfanne braten, den dazugehörigen Kartoffelsalat kann man aber bequem im Thermomix herstellen – inklusive der dazugehörigen Mayonnaise. In Portugal steht der Thermomix bereits in 40 Prozent aller Haushalte. In Deutschland verkaufte sich das neueste Modell, der TM5, binnen eines Jahres schon weit über eine Million Mal. Und das trotz aktuell zwei Monaten Wartezeit und vor allem trotz des üppigen Preises von genau 1109 Euro.

Screenshot: Die Studio-Küchenmaschine gibt es nur bei Aldi Süd.
Screenshot: Die Studio-Küchenmaschine gibt es nur bei Aldi Süd.

Geht's nicht eine Nummer kleiner? Ja, sagen Lidl und Aldi Süd und präsentieren ihre Interpretationen der kochfähigen Küchenmaschine. Bei Aldi Süd ist seit heute ein Thermomix-Klon der Eigenmarke Studio zu haben. Und Lidl schickte schon am Montag den Silvercrest Monsieur Cuisine SKMH 1100 A1 ins Rennen, online ist das Gerät bereits ausverkauft. Muss man das bedauern oder ist die Discount-Variante ohnehin ihr Geld nicht wert? 199 Euro rufen Aldi Süd und Lidl für ihre Maschinen auf, das sind 910 Euro weniger als der TM5 kostet. Aber Elektroschrott möchte man für diesen Preis auch nicht in die Küche stellen.

Drei Jahre Garantie

Handfeste Praxistests der beiden Geräte gibt es bislang noch nicht. Ob die Billig-Maschinen robust sind, lässt sich also noch nicht sagen. Allzu große Risiken wird man beim Kauf wohl nicht eingehen, denn Aldi und Lidl geben jeweils drei Jahre Garantie. Vorwerk beschränkt sich auf die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung von zwei Jahren.

Im Funktionsumfang nehmen sich die Geräte erstmal nicht besonders viel. Mit allen kann man kochen, dampfgaren, dünsten, mixen, zerkleinern, rühren und pürieren. Das Aldi-Modell kann wie der Thermomix auch emulgieren. Alle kommen mit den nötigen Einsätzen, Aufsätzen und Spateln. Beim TM 5 umfasst der Mixbehälter 2,2 Liter, die Geräte von Aldi und Lidl haben mit jeweils zwei Litern etwas weniger Kapazität.

Screenshot: Lidls Silvercrest ist online bereits ausverkauft.
Screenshot: Lidls Silvercrest ist online bereits ausverkauft.

Optisch unterscheiden sich die Discountermaschinen - bis auf die Farbgebung – deutlich vom TM5. Beim Silvercrest ist der Edelstahltopf seitlich neben dem Display angebracht, beim Aldi Studio fällt vor allem die Waage rechts neben dem Behälter ins Auge. Für sie braucht man allerdings noch ein Extra Gefäß. Beim Thermomix ist die Waage so ins Gerät integriert, dass man die Zutaten direkt in den Topf werfen kann. Das spart Zeit und Abwasch. Das Lidl-Modell hat keine eigene Waage.

Thermomix ist am bequemsten

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Das Novum des TM5 ist sein Touchscreen. Über ihn lassen sich nicht nur Kochzeit, Temperatur und Drehzahl regulieren, sondern auch Rezepte anzeigen. Bei der sogenannten Guided-Cooking-Funktion werden die nötigen Einstellungen dann auch ganz automatisch vorgenommen. Das ist bequem, zeitsparend und natürlich idiotensicher. Die Küchenmaschinen von Aldi und Lidl bieten diesen Luxus nicht. Hier muss man für die einzelnen Schritte Schalter und Knöpfe betätigen. Immerhin gibt es ein blaues Display, das Kochzeit, Temperatur und Geschwindigkeit anzeigt.

Auch bei den übrigen Funktionen muss man gewisse Abstriche machen. Eine extra Knetstufe, mit der beispielsweise Brotteig in Profiqualität gelingt, findet man bei den Discountervarianten nicht. Außerdem fehlt bei den Maschinen von Aldi und Lidl ein Messer-Rückwärtslauf. Das integrierte Messer dreht sich also, anders als beim TM5, nur ein eine Richtung und zerkleinert so beim Rühren weiter. Das ist ungünstig, wenn beispielsweise ein Nudelgericht oder ein Risotto vor sich hinköchelt und nur noch bewegt werden muss.

Bei den reinen Leistungsdaten nehmen sich der Thermomix und der Silvercrest nichts. Sie kochen mit 1000 Watt und mixen mit 500 Watt. Aldis Studio kommt beim Kochen nur auf 700 Watt, ist dafür aber in einem anderen Bereich im Vorteil: Sein Temperaturspektrum variiert zwischen 30 und 120 Grad. Damit ist er dem TM 5 ebenbürtig. Die Lidl-Maschine kocht dagegen nur mit bis zu 100 Grad. Es dauert also länger, bis Gerichte fertig sind. Beim Dampfgaren sollen aber 120 Grad erreicht werden. Trotz der längeren Kochzeit ist der Timer knapper bemessen. Er läuft bei den beiden Discountermodellen nur maximal 60 Minuten, beim Thermomix lassen sich Garzeiten bis zu 99 Minuten einstellen. Was Putzmuffel interessieren dürfte: Der Mixtopf des Thermomix ist spülmaschinenfest. Die Edelstahlbehälter bei Aldi und Lidl müssen per Hand gereinigt werden.

Fazit: Wer täglich kocht und die Maschine dabei gerne auch mal länger aus den Augen lässt, ist mit dem teuren Thermomix wahrscheinlich doch am besten beraten. Auch wenn es schnell gehen soll, ist das Vorwerk-Produkt erste Wahl. Als Einsteigergeräte und für gelegentliche Nutzung dürften die Küchenhelfer vom Discounter aber ihren Zweck gut erfüllen – und das zu einem Bruchteil des Preises. Das Modell von Aldi Süd kommt beim Leistungsumfang etwas näher an das Original heran. 

Quelle: n-tv.de

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