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Auch bei einem missglückten Wechsel bricht die Stromversorgung nicht ab. Dann übernimmt vorübergehend der Grundversorger.
Auch bei einem missglückten Wechsel bricht die Stromversorgung nicht ab. Dann übernimmt vorübergehend der Grundversorger.(Foto: dapd)

Zehn Prozent mehr für Strom: Wie man trotzdem sparen kann

Von Isabell Noé

Stromkunden steht im kommenden Jahr ein deutlicher Preissprung ins Haus. Betroffen sind auch jene, die einen Tarif mit Preisfixierung haben, denn Steuern und EEG-Umlage sind von der Garantie ausgenommen. Doch die Konkurrenz auf dem Strommarkt bleibt groß und wer die Chance zum Wechsel nutzt, zahlt bald vielleicht sogar weniger als bisher.

An Meldungen über  steigende Strompreise sind Verbraucher in Deutschland längst gewöhnt. Doch das, was im kommenden Jahr auf Stromkunden zukommen soll, klingt dann doch besorgniserregend: Um zehn Prozent oder mehr dürften die Preise steigen, wenn  die Stromanbieter die Mehrkosten für EEG-Umlage und Netzentgelt weitergeben. Zahlt ein Durchschnittshaushalt bislang rund 900 Euro im Jahr, wären es in Zukunft also knappe 1000.

Die Erhöhungen werden den Großteil der Privatkunden treffen, auch diejenigen, die einen Tarif mit Preisfixierung haben.  Meistens bezieht sich die Garantie nämlich nur auf den reinen Strompreis, nicht aber auf Steuern und Abgaben. Die höhere EEG-Umlage kann also trotzdem auf die Kunden abgewälzt werden. Nur wenige Versorger nehmen die Abgaben auf die eigene Kappe. Im Preisvergleich von n-tv.de erkennt man sie an der "Nettopreisgarantie". Dabei wird nur die Mehrwertsteuer auf die Umlage weitergegeben.

Neben der höheren EEG-Umlage drohen den Verbrauchern auch Mehrkosten durch steigende Netzentgelte. Hier ist die Preisgarantie auf jeden Fall hilfreich, denn die Kosten für die Netzentgelte sind dann allein die Sache des Anbieters, für die Kunden gilt der vereinbarte Festpreis.

Sonderkündigungsrecht nutzen

Egal ob der Stromanbieter einfach nur die EEG-Umlage eins zu eins weitergibt oder ob er die Gelegenheit nutzt, um die Preise weiter nach oben zu setzen: Wird der Tarif teurer, haben die Kunden ein Sonderkündigungsrecht. Das ist insbesondere für diejenigen interessant, die sich längerfristig gebunden haben. Vertragslaufzeiten zwischen zwölf und 24 Monaten sind nicht unüblich, doch sie können bei Preiserhöhungen außer Kraft gesetzt werden. Viel Bedenkzeit bleibt allerdings nicht: Die Kündigungsfrist wird vom Anbieter festgelegt, oft bleiben nur zwei Wochen ab dem Tag, an dem das Schreiben mit der Preiserhöhung eingegangen ist.

Mit dem Wechsel des Versorgers kann man sich dann aber noch etwas Zeit lassen: Die Strompreiserhöhung muss mindestens sechs Wochen vorher angekündigt werden. Wer bis dahin keinen neuen Anbieter gefunden hat, wird vom örtlichen Grundversorger beliefert – allerdings zu relativ hohen Preisen. Haushalte, die ihren Anbieter noch nie gewechselt haben, sind ohnehin noch beim Grundversorger. Für sie lohnt sich an Anbieterwechsel auf jeden Fall, wie die folgenden Beispiele zeigen:

Eine Familie mit Einfamilienhaus in München zahlt für einen Verbrauch von 6000 Kilowattstunden in der Grundversorgung bei den Stadtwerken München rund 1450 Euro im Jahr. Wechselt sie zum RhönStrom Tarif der Überlandwerke Fulda, kann sie gut 200 Euro sparen. Und selbst der Ökostromtarif "RhönStromÖko" ist noch 175 Euro günstiger. Das alles bei einer vertretbaren Vertragslaufzeit von zwölf Monaten und einer Preisfixierung bis zum Ende dieses Jahres.

Vorsicht beim Neukundenbonus

Noch deutlich günstiger kommt die Familie weg, wenn zusätzlich auch noch Tarife mit Neukundenbonus berücksichtigt werden. Almado Energy beispielsweise schreibt Kunden nach dem ersten Jahr 25 Prozent der Gesamtrechnung gut. Bei gleichbleibendem Verbrauch kämen die Beispielkunden auf knapp 1010 Euro. Aber Vorsicht: Beim monatlichen Abschlag wird  der Bonus noch nicht angerechnet, das zu viel gezahlte Geld gibt es erst nach einem Jahr zurück. Mit diesem Modell der Bonus-Verrechnung ist Almado nicht allein: Die meisten Anbieter berücksichtigen die Gutschrift – egal ob prozentual oder als Festbetrag – erst in der  Jahresabrechnung nach zwölf Monaten. Wer eher aus dem Vertrag heraus will, geht leer aus.

Nicht nur für private Großverbraucher kann sich ein Wechsel auszahlen: Ein Single mit 1500 Kilowattstunden Verbrauch etwa zahlt dafür beim Berliner Grundversorger Vattenfall Sales 434 Euro im Jahr. Bei den Stadtwerken Flensburg wären es nur 385 Euro – und der Preis ist, anders als beim Grundversorger, bis zum 31. Januar 2014 garantiert. Die EEG-Umlage kann der Anbieter aber dennoch weitergeben. Das gleiche gilt für Grünwelt Energie, die Ökostrom-Marke der Stromio GmbH. Für zwölf Monate ist der Preis hier auf 392 Euro fixiert. Wird auch noch der Neukunden-Bonus von Grünwelt berücksichtigt, kommt der Muster-Kunde auf gerade mal 305 Euro.

Noch weiter lassen sich die Stromkosten drücken, wenn man ein paar andere Stellschrauben verändert. Längere Laufzeiten, Tarife mit Vorkasse oder Kaution sowie Pakettarife, bei denen eine bestimmte Abnahmemenge vorgeschrieben ist, stehen in Preisvergleichen – bei entsprechender Voreinstellung – ganz oben. Zu empfehlen sind sie trotzdem nicht, denn die Risiken für die Verbraucher sind hoch. Einmal überwiesenes Geld ist schwer zurückzuholen. Pfuscht der Anbieter bei der Abrechnung, sind oft langwierige Auseinandersetzungen die Folge. Geht der Anbieter Pleite, was keinesfalls unmöglich ist, wie der Fall Teldafax beweist, ist das Geld auf jeden Fall verloren. 

Zum Strompreisvergleich

Quelle: n-tv.de

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