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In Hamburg und in Berlin hoffen Sportbegeisterte auf die Spiele. Doch es regt sich auch Widerstand.
In Hamburg und in Berlin hoffen Sportbegeisterte auf die Spiele. Doch es regt sich auch Widerstand.(Foto: dpa)

Gigantisch, teuer, umstritten: Was bringen die Olympischen Spiele?

Von Johannes Graf

Die PR-Maschinerie läuft auf Hochtouren, Hamburg und Berlin sind im Rennen für die Olympischen Spiele 2024 oder 2028. Doch was kostet das Großereignis überhaupt, und wer will das? Und wie viel Macht bekommt dann das IOC?

Berlin, Brandenburger Tor: Es ist Sommer. An Bierständen bilden sich Schlangen, die Luft flirrt über dem heißen Asphalt. Gebannt verfolgen Tausende, vielleicht sogar eine Million Menschen auf gigantischen Leinwänden das Geschehen. Deutschland - ein Sommermärchen. 2006? Wenn es nach dem Willen der Olympiabefürworter geht, ist das kein Rückblick, sondern die Zukunft. Berlin will ebenso wie Hamburg die Olympischen Sommerspiele ausrichten, am liebsten 2024, spätestens 2028.

Berlin fühlt sich wie der natürliche Sieger des Wettstreits. Doch entschieden ist noch nichts.
Berlin fühlt sich wie der natürliche Sieger des Wettstreits. Doch entschieden ist noch nichts.(Foto: dpa)

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Der Deutsche Olympische Sportbund muss am 21. März entscheiden, welcher der beiden deutschen Anwärter beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ins Rennen geschickt wird. Meinungsumfragen in den beiden Städten sollen die Wahl erleichtern - schließlich will das IOC die Spiele nur in einem Umfeld ausrichten, das der olympischen Idee gegenüber aufgeschlossen ist. Offizielle Bürgerbefragungen sollen folgen, ehe 2017 das IOC die Entscheidung fällt, wo die Spiele stattfinden. Dann treten weitere Städte an, Rom und Boston sind sicher, weitere Bewerberstädte wahrscheinlich.

Viele Bürger in Hamburg und Berlin wissen jedoch schlicht nicht, was sie von dem Großereignis vor der eigenen Haustüre halten sollen. Was sind die Vorteile, was die Nachteile? Ein Faktencheck der wichtigsten Argumente.

Olympia ist zu teuer.

Dieses Argument wird von Gegnern gerne vorgebracht, gepaart mit der Feststellung Hamburg und Berlin hätten dringendere Probleme, die es zu bewältigen gelte und für die das Geld dann fehle. Hamburg kalkuliert derzeit vorsichtig mit etwas über sechs Milliarden Euro. Berlin glaubt, die Spiele für rund zwei Milliarden Euro ausrichten zu können. Tatsächlich ist eine seriöse Schätzung darüber, wie viel Geld Olympia in Berlin oder Hamburg kostet, zu diesem Zeitpunkt kaum möglich. In der Vergangenheit sind Olympische Spiele aber eigentlich immer teurer geworden als anfangs geplant. Und: Schon die Bewerbung kostet Millionen.

Egal, wie "billig" Olympia zu haben ist: Das Geld ist an anderer Stelle nötiger.

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Vor allem in Berlin argumentieren Gegner: Die Hauptstadt hat 60 Milliarden Euro Schulden, Investitionen in die öffentliche Infrastruktur hätte die Stadt bitter nötig. Auf Einwände, im Umfeld von Olympischen Spielen würden genau diese Verbesserungen dann ja zwangsläufig umgesetzt, entgegnen sie: Das sei viel zu spät, das Geld müsse jetzt fließen. Außerdem würde für Olympia nur selektiv saniert. Stätten für den Breitensport blieben dagegen in marodem Zustand. Andererseits sehen Haushaltspolitiker in den Städten insgeheim die Chance, ohnehin anstehenden Investitionen aus fremden Töpfen finanzieren zu können. Der Bund würde sich schließlich an den Kosten für Olympia beteiligen. Steuergeld bleibt es aber, das da verwendet werden würde.

Olympia bringt aber auch wirtschaftlichen Nutzen.

Olympia bringt aber auch Geld in die Kasse - so zumindest die Theorie. Während der Spiele kommen Gäste in die Stadt, eine verbesserte Infrastruktur und ein positives Image könnten wichtige Impulse bringen. Auf der anderen Seite steigen Preise für Wohnraum und Lebenshaltung. All diese Effekte sind jedoch schwer zu berechnen. Im Nachhinein ist schwer auseinanderzuhalten, was ohne die Spiele passiert wäre. Überwiegen am Ende die Kosten nicht doch den Nutzen? Gutachten für beide Argumente, auch nicht von einer Interessengruppe beauftragte, gibt es für beide Thesen. Sicher ist: Eine positive Bilanz ist wahrscheinlicher, wenn nicht alle Sportstätten neu errichtet werden müssen. Berlin wäre da im Vorteil. Olympiagegner ermahnen dazu, genau hinzusehen: "Bei positiven Bilanzen ist immer die Frage: Welche Kassen sind gemeint? Die Städte selbst machen regelmäßig Miese, Gewinne erzielen allenfalls IOC und Sponsoren", sagt Nolympia-Aktivistin Judith Demba.

Olympia steigert das Ansehen der Stadt in der Welt.

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Auch hierfür lassen sich in der Vergangenheit positive und negative Beispiele finden. Nach München 1972 dachten viele an eine weltoffene Stadt in Bayern zurück, aber in die Geschichte ging vor allem die Geiselnahme ein. Nach Athen 2004 wurden die Olympischen Spiele das Symbol für die Wirtschaftskrise in Griechenland. Nach und vor den Spielen in Sydney im Jahr 2000 ergaben sich in Umfragen kaum Veränderungen in der internationalen Wahrnehmung. Beliebtes Gegenbeispiel ist die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006. Das "Sommermärchen" hat nicht nur die Deutschen gepackt. Es gelang, der Welt ein positiveres Deutschlandbild zu zeigen. Ob es langfristig Effekte für den Tourismus oder den Wirtschaftsstandort gab, ist zweifelhaft.

Mit Olympia übernimmt das IOC die Macht in der Stadt.

Das Internationale Olympische Komitee ist für Gegner der Inbegriff für Korruption, Intransparenz und Fremdbestimmung. Austragungsstädte müssten sich gängeln lassen, sie würden von einem undemokratischen Verband vieler demokratischer Rechte beraubt. Das IOC schraube die Kosten durch ihre Anforderungen in die Höhe, unsinnige Bauten entstünden. In der Vergangenheit traf das häufig zu. Doch das IOC gelobte bei einer Vollversammlung im Dezember 2014 Besserung und verabschiedete die IOC-Reformagenda. "Gigantismus, Undurchsichtigkeit, Knebelverträge und Sportstätten, die später nicht mehr verwendet werden - die IOC-Reform bringt hier viele Verbesserungen", sagt der sportpolitische Sprecher der Unionsfraktion und frühere Olympiateilnehmer Eberhard Gienger. Die Agenda des IOC habe einige Argumente der Gegner entkräftet. Olympiagegnerin Demba sieht das anders: "Da ist viel 'Hätte, Würde, Könnte' beschlossen worden. Es sind Selbstverständlichkeiten und Kleinigkeiten verabschiedet worden." Die wirklich heißen Eisen habe das demokratisch nicht legitimierte IOC nicht angetastet.

Zu wenige Menschen wollen die Spiele.

Das ist tatsächlich ein Problem - zumindest noch. In beiden Städten ist vom Olympiafieber bisher wenig zu spüren. In Umfragen sind bisher jeweils nur rund 50 Prozent der Bürger für die Spiele. Durch Werbekampagnen, die derzeit laufen, könnten sich diese Werte aber noch verbessern. 2024 ist noch lange hin. Wenn die Spiele erst einmal kurz bevorstehen, wird die Vorfreude schon noch steigen, so die Hoffnung der Olympiabefürworter. Allerdings könnte dann auch die Mobilisierung der Gegner zunehmen - gerade wenn es auf Bürgerbefragungen zuläuft. Und da gehen naturgemäß nur diejenigen in die Wahllokale, die eine klare Meinung zum Thema haben. Der Ausgang ist also vollkommen offen.

Quelle: n-tv.de

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