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Bleiben Dortmunder: Mittelfeldspieler Sven Bender und Innenverteidiger Neven Subotic.
Bleiben Dortmunder: Mittelfeldspieler Sven Bender und Innenverteidiger Neven Subotic.(Foto: dapd)

Neue Verträge und Sahin-Gerüchte: BVB lässt die Muskeln spielen

Von Christoph Wolf

Auch wenn der FC Bayern jetzt verstärkt um deutsche Talente buhlt: In Dortmund holt sich der Rekordmeister eine blutige Nase. Der BVB bindet seine Stars langfristig. Zudem könnte das beste Argument gegen einen Abschied bald wieder das BVB-Trikot tragen.

Als sich das Mainzer Fußballtalent Jan Kirchhoff am vergangenen Freitag dem FC Bayern versprach, durfte das auch als Zeichen verstanden werden. In München, das war die Botschaft, wird man sich künftig wieder verstärkt auf dem Markt für deutsche Fußballtalente betätigen. Den hatten in den vergangenen Jahren Vereine wie Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund weitgehend ungestört untereinander aufgeteilt. Zuletzt hatten die Borussen den Münchnern das Juwel Marco Reus weggeschnappt und waren mit ihrem begeisternden Jugendstil ganz nebenbei zu zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg gestürmt. Höchste Zeit für den Rekordmeister, nicht nur mit exorbitanten Transfers gegenzuhalten.

Die Vereinstreue vieler BVB-Stars erleichtert Coach Jürgen Klopp die Arbeit.
Die Vereinstreue vieler BVB-Stars erleichtert Coach Jürgen Klopp die Arbeit.(Foto: dpa)

Am Wochenende hat Dortmund zurückgefunkt. Die Botschaft, die von den Vertragsverlängerungen mit Neven Subotic und Sven Bender ausgeht, ist unmissverständlich. Das Werben um Kirchhoff hat man zwar verloren. Die eigenen Hochbegabten aber will sich der BVB auch künftig nicht abwerben lassen. Nicht von den Bayern, nicht von internationalen Topklubs wie Manchester United, mit dem Bender noch am Tag seiner Vertragsverlängerung in Verbindung gebracht worden war.

"Warum sollte ich gehen?"

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 Gerade Innenverteidiger Subotic, bekennender Fan der Premier League, galt als besonders anfällig für die Verlockungen aus England. Stattdessen verlängerte er seinen Vertrag bis 2016 und stellte klar: "Wir haben eine tolle Mannschaft, die in ähnlicher Konstellation zusammenbleibt. Ich wüsste nicht, warum ich einen solchen Verein verlassen sollte."

Zumal sich die Unterschrift auch finanziell auszahlt. Die Zeiten, in denen dem noch 2005 von der Insolvenz bedrohten Revierclub mit einem vergleichsweise preiswerten Kader die Rückkehr in die nationale Spitze gelang, sind vorbei. Die Bundesliga-Konkurrenz darf getrost davon ausgehen, dass sich auch die BVB-Stars nicht ohne erhöhte Bezüge halten lassen.

Auf drei Millionen Euro wird das neue Jahresgehalt von Subotic und Nationalspieler Bender (Vertrag bis 2017) taxiert. Vor ihnen hatten sich bereits Mario Götze, Mats Hummels und Lukasz Pisczek langfristig dem BVB-Projekt verpflichtet. Die Verlängerung mit Nationalverteidiger Marcel Schmelzer, Kapitän Sebastian Kehl und Torwart Roman Weidenfeller ist dem Vernehmen nach nur noch Formsache.

Kommt Sahin schon im Winter?

Nicht nur bei Real Madrid, auch beim FC Liverpool konnte Nuri Sahin nach seinem Abschied aus Dortmund nicht Fuß fassen.
Nicht nur bei Real Madrid, auch beim FC Liverpool konnte Nuri Sahin nach seinem Abschied aus Dortmund nicht Fuß fassen.(Foto: picture alliance / dpa)

Das beste Argument, warum sich ein überstürzter Abschied aus Dortmund für Jungstars nicht unbedingt lohnt, könnte derweil schon bald wieder für den BVB auflaufen. Spielmacher Nuri Sahin, im ersten Meisterjahr 2011 der Kopf des Teams und anschließend bei Real Madrid und dem FC Liverpool gescheitert,  steht angeblich vor einer Rückkehr zu seinem Heimatverein. Die englische "Daily Mail" will erfahren haben, dass BVB-Coach Jürgen Klopp seinen Musterschüler schon im Winter zurückholen möchte. Liverpool wiederum, dessen Ersatzbank die Real-Leihgabe derzeit ziert, möchte den teuren Edelreservisten gern loswerden. Und Dortmund wartet bekanntlich nur auf Signale.

Sportlich würde der Transfer Sinn machen. Die erste Saisonhälfte hat gezeigt, dass der BVB mit seiner Topbesetzung in Bundesliga und Champions League absolut konkurrenzfähig ist. Die anderen Teams können trotz üppiger Starensembles schließlich auch nur elf Spieler gleichzeitig aufs Feld schicken. Doch während sich beim FC Bayern die Nationalspieler auf der Bank stapeln, ist die Personaldecke beim BVB für den Tanz auf drei Hochzeiten zu dünn. Die Meisterschaft haben sie in Dortmund schon zur Hinrunde abgeschrieben.

Stars halten, Stars kaufen

Die einfachste Lösung dieses Problems lautet: eigene Stars halten und neue dazukaufen, eventuell schon im Winter. Bedenken, der BVB könnte sich im Bestreben um personelle Nachhaltigkeit und gleichzeitige Erhöhung der Qualität finanziell erneut übernehmen, zerstreut Sportdirektor Michael Zorc: "Wir machen keine verrückten Sachen, das passt schon alles. Unsere Einnahmesituation hat sich jährlich verbessert."

Die Zahlen bieten bislang keinen Anlass zur Sorge. Ein in der Bundesliga-Geschichte einmaliger Gewinn von 34,28 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr, werthaltige Sponsorenverträge mit einem jährlichen Sockelbetrag von 20 Millionen Euro, der jüngste, gut acht Millionen Euro bringende Verkauf von Ivan Perisic zum VfL Wolfsburg und sprudelnde Champions-League-Einnahmen von 35 Millionen Euro erhöhen den finanziellen Spielraum. Selbst eine Ablösesumme von 15 Millionen Euro für Sahin, wie sie in der "Daily Mail" kolportiert wird, wäre für den BVB zu stemmen.

Bei Torjäger Robert Lewandowski stehen die Zeichen trotzdem auf Trennung. Der bis 2014 gebundene polnische Nationalspieler liebäugelt im Sommer mit einem Wechsel zu Manchester United und ist bisher nicht auf das fürstliche Angebot der Dortmunder eingegangen. Mit internationalen Topklubs kann auch der kerngesunde BVB nicht mithalten. In weiser Voraussicht sondiert die Vereinsführung den Markt. Ein Kandidat soll nach Informationen französischer Zeitungen der 26-jährige Marseille-Stürmer Loic Rémy sein.

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Quelle: n-tv.de

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