Technik
Das Surface Book kleidet sich in ein edles Magnesium-Gehäuse.
Das Surface Book kleidet sich in ein edles Magnesium-Gehäuse.(Foto: jwa)

Adieu, Macbook Pro?: Surface Book ist Microsofts Meisterstück

Von Johannes Wallat

Microsofts Laptop-Erstling soll ein dickes Ausrufezeichen setzen. Das leistungsstarke Notebook spielt auf Profiniveau und wird auf Wunsch zum Tablet mit Stift. Kann Microsoft seine Vorreiterrolle als Innovator behaupten oder scheitert das Surface Book an seinen Ambitionen?

Als das Surface Book ganz am Ende des Windows-Events in New York ziemlich überraschend präsentiert wurde, überschlugen sich die Kommentare im Netz. Microsoft schien mit seinem "One More Thing" ein großer Wurf geglückt zu sein, darin waren sich unmittelbar nach der Vorstellung fast alle einig. Ein Notebook, das toll aussieht, erstklassig verarbeitet ist und feinste Technik beherbergt - und das kurzerhand in ein Tablet umgewandelt werden soll. Geht's noch besser?

Inzwischen sind einige Wochen vergangen, die Testgeräte sind in den Redaktionen der Fachpresse eingetrudelt, Vorbestellungen konnten seit Anfang 2016 abgegeben werden, ab sofort wird das Surface Book auch in Deutschland ausgeliefert. Und die Begeisterung? Die ist immer noch da. Die meisten Tester sind sich einig: Microsoft hat sehr viel richtig gemacht. Wer einige Tage mit dem Surface Book verbringt, wird das nur bestätigen können. Klar wird im Test aber auch: Nicht alles an dem teuren Schmuckstück ist perfekt, ganz ohne Macken kommt das Surface Book nicht aus.

Ein Fest für Ästheten

Tablet-Modus: Das Display lässt sich auch umgekehrt aufsetzen.
Tablet-Modus: Das Display lässt sich auch umgekehrt aufsetzen.(Foto: jwa)

Einer dieser kleinen Makel zeigt sich schon beim ersten Aufklappen: Lässig mit einer Hand lässt sich das Surface Book nur mit etwas Mühe und Übung öffnen. Das liegt an der Bauweise, Tastatur-Dock und Displayeinheit sind nahezu gleich dick, unten ist das sogenannte Clipboard sogar etwas dicker. Kein Wunder, schließlich steckt fast die gesamte Hardware darin, und für Lüftungsschlitze muss auch Platz bleiben. Umso schöner ist dafür der Effekt beim Zuklappen: Auf dem letzten Zentimeter sinkt das Clipboard sanft von selbst hinab, während man durch den frei bleibenden Spalt am Scharnier sieht, wie das Licht ausgeht.

Man könnte nun sagen, das seien Kleinigkeiten, ästhetische Details, die nichts über das Produkt selbst aussagen. Aber das ist natürlich falsch: Ein Gerät wie das Surface Book will schön gefunden werden, es will gestreichelt und geliebt werden, es soll, ähnlich wie auch Apples Produkte, Begehrlichkeiten wecken. Gelungen ist Microsoft das ohne Zweifel. Das Magnesium-Gehäuse fühlt sich mit seiner matten Oberfläche toll an, jedes Detail passt hundertprozentig, die Verarbeitung ist perfekt.

Arbeitstier mit kleinen Macken

Die wichtigsten technischen Daten
  • System: Windows 10 Pro
  • Display: 13,5 Zoll, 3000 x 2000 Pixel, 267 ppi
  • Prozessor: Intel Core i5/i7 (6. Generation)
  • Arbeitsspeicher: 8/16 GB
  • Grafik: Intel HD-Grafik 520 (i5)/Nvidia GeForce (i5/i7)
  • Speicher: 128/256/512 GB SSD
  • Anschlüsse: 2 x USB 3.0, SD-Kartenleser, Displayport
  • Bluetooth 4.0, WLAN ac
  • Kameras: 8 MP Rückkamera, 5 MP Front
  • Biometrische Kamera für Windows Hello
  • Stereo-Lautsprecher
  • Maße: 312,3 x 232,1 x 13-22,8 mm
  • Gewicht: ab 1516 g

Freude bereiten auch Tastatur, Touchpad und Display. Die Tasten klappern nicht, haben einen guten Druckpunkt und sind hintergrundbeleuchtet. Das Touchpad reagiert auf Eingaben und Mehrfingergesten emfpindlich und exakt so wie es soll - volle Punktzahl dafür. Auch das 13,5-Zoll-Display ist hervorragend, schön hell und mit 3000 x 2000 Pixeln ausreichend scharf (267 ppi). Leider spiegelt der Bildschirm recht stark. Kleiner Minuspunkt zudem: Auf der Tastatur gibt es zwar Tasten zur dreistufigen Regelung der Tastenbeleuchtung, aber keine für die viel wichtigere Displayhelligkeit. Die lässt sich nur über die Einstellungskacheln im Windows-10-Info-Center regeln. Immerhin: Die automatische Helligkeitsanpassung funktioniert beim Testgerät gut.

Als Arbeitstier macht das Surface Book eine gute Figur: Die von n-tv.de getestete stärkste Konfiguration mit Intel-Core-i7-Prozessor mit 2,6 GHz Taktrate und 16 Gigabyte Arbeitsspeicher ist blitzschnell und kommt auch bei anspruchsvolleren Aufgaben wie Bildbearbeitung oder Videoschnitt nicht ins Schwitzen, die diskrete Nvidia-Grafikeinheit im Tastaturdock bringt einen Leistungsschub. Bei aufwändigen Computerspielen gerät das Surface Book an seine Grenzen, doch für leidenschaftliche Gamer ist die Notebook-Tablet-Kombination ohnehin nicht gedacht. Unter Last wird die Displayeinheit spürbar warm, aber nicht zu heiß, die Lüftung ist auch im Dauereinsatz kaum zu hören. 

Spitzen-Stift

Der beiliegende und magnetisch am Displayteil anhaftende Eingabestift ist eine gute Zugabe mit cleveren Zusatzfunktionen: Der "Radiergummi" am oberen Ende lässt sich wie bei einem Kugelschreiber klicken. Einmal Klicken öffnet die Notiz-App OneNote, zweimal Klicken macht einen Screenshot, der direkt in OneNote bearbeitet werden kann. Handschrifteingabe funktioniert flott und ohne spürbare Latenz, die Handschrifterkennung ist gut, auch Zeichnen macht mit dem Stift Spaß, das PixelSense-Display setzt Eingaben sehr exakt um. Nützlich ist er auch in Zusammenarbeit mit den Funktionen von Edge, um zum Beispiel Webseiten zu markieren und mit Anmerkungen zu versehen.

Abgekoppelt: Tastaturdock und Displayeinheit trennen sich auf Knopfdruck.
Abgekoppelt: Tastaturdock und Displayeinheit trennen sich auf Knopfdruck.(Foto: jwa)

Zum Einsatz kommt er aber wohl vor allem, wenn das Clipboard abgekoppelt ist oder im Tablet-Modus umgekehrt auf dem Tastenblock aufliegt, denn sonst wird's schnell wackelig. Das Scharnier ist gut, perfekt ausbalanciert zwischen stabil und elastisch, gibt aber bei Stifteingaben leicht nach. Leider kann das Display nicht so weit wie bei vielen anderen Notebooks nach hinten geklappt werden. Für einen größeren Winkel muss das Display abgekoppelt und umgedreht wieder angesteckt werden. Dafür gibt's eine eigene Taste und einen Button in der Taskleiste. Koppeln und Entkoppeln liefen im Test zuverlässig und problemlos - freilich nur im eingeschalteten Zustand. Sonst ist das Displaydock bombenfest an seine Basis gefesselt, eine etwas umständliche, aber stabile Lösung.

Für ausreichend Akku-Power sorgen insgesamt 70 Wattstunden (Wh). Basis und Display teilen sich dabei die Leistung, wobei im Display der deutlich schwächere Akku steckt (18 Wh). Das ist schade, denn gerade die mobilen Fähigkeiten im Tablet-Modus werden so künstlich begrenzt. Die Bauweise erlaubte aus Gleichgewichtsgründen aber keinen größeren Akku. So geht dem Clipboard recht schnell die Puste aus, es kann aber separat vom Tastendock geladen werden. Im Notebook-Modus erreicht das Surface Book sehr respektable Laufzeiten, die von Microsoft angepeilten 12 Stunden waren im Test aber nicht ganz drin, die Laufzeit lag im Schnitt bei 10 Stunden. Wissenswert: In ausführlichen Akkutests ermittelte "Anandtech" längere Laufzeiten für die schwächere, dadurch aber auch genügsamere Core-i5-Version.

Vielseitiges Notebook mit Extras

Beide Modelle eignen sich mit ihren langen Laufzeiten auch gut für Serienmarathons auf der heimischen Couch. Die integrierten, beinah unsichtbaren Lautsprecher sind dabei ausreichend stark und strahlen guten und klaren Klang nach vorne ab. Ein Kopfhörerausgang sitzt oben links im Clipboard, direkt neben Powertaste und Lautstärkewippe. Am Tastaturdock gibt es einen Displayport, zwei USB-3.0-Eingänge sowie einen SD-Kartenleser. Front- und Rückkamera sind nicht weiter erwähnenswert, beide tun ihren Dienst, können aber nicht beeindrucken. Nützlich ist die Authentifizierung mit Windows Hello über eine Infrarot-Kamera. Im Test erkannte die Kamera das Testergesicht fast immer sehr zügig und entsperrte den Computer wie von Zauberhand - ein cooles Feature, das mit PIN-Eingabe umgangen werden kann, wenn es mal streikt.   

Mit dem Surface Book hat Microsoft einen waschechten Windows-10-Konkurrenten für Apples MacBook Pro geschaffen und damit eine willkommene Alternative für Nutzer, die zwar Apples "Look & Feel" schätzen, aber nicht auf Windows verzichten können oder wollen. Gemein mit Apples Premium-Notebooks hat das Surface Book aber auch den Preis - bei 1649 Euro geht's los, die getestete Variante mit i7-Prozessor und Nvidia-dGPU kostet ab 2319 Euro aufwärts. Konkurrenz im eigenen Haus ist die Surface-Pro-Reihe: Wer lieber ein Tablet möchte, das sich zwischendurch als Notebook-Ersatz nutzen lässt, greift zu den Pro-Modellen mit Zusatztastatur. Wer aber ein kompaktes und leistungsstarkes Notebook möchte, das zusätzlich einen Touchscreen hat und bei Bedarf auch als Profi-Tablet herhält, kommt nicht am Surface Book vorbei - zumindest, bis die Konkurrenz das Konzept adaptiert.

Quelle: n-tv.de

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