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Sonntag, 24. Juni 2012

Das Wasser steigt: 2 Grad bringen 1,5 bis 4 Meter

Hier kommt der Autor hin

Das offizielle Klimaziel der Regierungen ist es, die globale Erwärmung auf 2 Grad zu begrenzen. Eine neue Studie ergibt, dass eine "Zwei-Grad-Welt" keineswegs gemütlich wäre: Der Anstieg des Meeresspiegels könnte auf lange Sicht 2,7 Meter betragen.

Überschwemmung in Bangladesch (Archivbild).
Überschwemmung in Bangladesch (Archivbild).(Foto: picture-alliance/ dpa)

Selbst bei einer auf 2 Grad Celsius begrenzten globalen Erwärmung muss weltweit mit einem erheblichen Meeresspiegel-Anstieg von 1,5 bis 4 Metern bis zum Jahr 2300 gerechnet werden. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie eines deutsch-niederländisch-australischen Forscherteams, wie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) mitteilte.

Als wahrscheinlichsten Schätzwert errechneten die Experten für dieses Klimawandel-Szenario einen Meeresspiegelanstieg von 2,7 Metern. Die Folgen für Küstenstädte und -gebiete wären erheblich, sagte der PIK-Forscher und Studien-Mitautor Stefan Rahmstorf. "Für New York City zum Beispiel wurde gezeigt, dass ein Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter die Häufigkeit schwerer Überflutungen von einmal pro Jahrhundert auf einmal alle drei Jahre steigern könnte." Auch niedrig liegende Länder wie Bangladesch wären betroffen.

Nach Angaben der Verfasser handelt es sich bei der Studie, die nun in der Fachzeitschrift "Nature Climate Change" veröffentlicht wurde, um die erste realistische Projektion des klimabedingten Meeresspiegelanstiegs über einen derart langen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten. Sie stützt sich dabei auf Beobachtungen im vergangenen Jahrtausend und überträgt diese auf Szenarien für die künftige Entwicklung der Treibhausgasemissionen.

Schmelzendes Eis berücksichtigt

Wesentlicher Fortschritt gegenüber älteren Studie sei die Einbeziehung der Effekte der abschmelzenden Eismassen etwa an den Polen, erklärte das PIK. Bislang hätten diese nur die wärmebedingte Volumenausdehnung des Meerwassers berücksichtigt. An diesem Punkt aber sei die Forschung inzwischen weiter. Die neue Untersuchung biete daher plausible Schätzungen für eine Risiko-Analyse.

Der Meeresspiegelanstieg gilt als potenziell besonders verheerende Begleiterscheinung des Klimawandels. Weltweit leben viele hundert Millionen Menschen in niedrigen küstennahen Gebieten. Betroffen wären neben vielen armen Staaten auch wichtige weltwirtschaftliche Zentren, etwa in Asien. Sollten sie unbewohnbar werden, drohen immense ökonomische Schäden und Flüchtlingskatastrophen.

Das von den Forschern als Bezugspunkt gewählte Zwei-Grad-Ziel ist die Grenze, auf die die internationale Staatengemeinschaft den Temperaturanstieg möglichst begrenzen will. In dieser Größenordnung gelten die Folgen noch als halbwegs beherrschbar. Experten bezweifeln angesichts der weiter schleppenden Klimaschutz-Fortschritte allerdings zunehmend, dass das Ziel eingehalten werden kann.

Bei einer stärkeren Temperaturerhöhung um 3 Grad würde der Meeresspiegel entsprechend stärker steigen, errechneten die Forscher. Dann wären es voraussichtlich 2 bis 5 Meter, als bester Schätzwert gelte dann ein Wert von 3,5. Andersherum würde der Anstieg des Meeres bei einer Begrenzung der Temperatursteigerung auf unter 1,5 Grad auch deutlich niedriger ausfallen.

Hauptautor der Untersuchung ist der niederländische Klimaforscher Michiel Schaeffer, ebenfalls beteiligt war der australische Wissenschaftler Bill Hare. Beide arbeiten bei der in Berlin angesiedelten nicht-kommerziellen Organisation "Climate Analytics", die Klima-Analysen erstellt und mit dem PIK kooperiert.

Quelle: n-tv.de

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