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Tritt in der Challenger-Rennklasse an, die "aerodynamischen Meisterstücken" vorbehalten ist: der "Sonnenwagen", den Aachener Studenten gebaut haben.
Tritt in der Challenger-Rennklasse an, die "aerodynamischen Meisterstücken" vorbehalten ist: der "Sonnenwagen", den Aachener Studenten gebaut haben.(Foto: www.sonnenwagen.org)
Donnerstag, 05. Oktober 2017

Härtestes Solarrennen der Welt: Aachener Sonnenwagen rast durch Australien

Von Andrea Schorsch

Der Flitzer wiegt weniger als 200 Kilogramm und fährt bis zu 140 km/h schnell - allein mit der Kraft der Sonne: Zwei Jahre lang haben Studenten aus Aachen an ihrem Solarauto gebaut. Jetzt wagen sie damit ein Rennen durch Australien.

Es gilt als das härteste Solarautorennen der Welt: Wer bei der World Solar Challenge startet, hat 3022 Kilometer durchs australische Outback vor sich. Tritt der Wagen dann auch noch in der schwierigsten Klasse an, muss er die Strecke allein mit der Kraft der Sonne zurücklegen. Nachladen an der Steckdose? Verboten.

Die Tour beginnt im tropischen Klima Darwins und führt quer durch die Wüste nach Adelaide. An Bord des Autos ist allein der Fahrer. Er wird schwitzen, eine Klimaanlage hat das Cockpit nicht zu bieten. Tempo und Effizienz gehen vor.

27 Teams treten in diesem Jahr in der hochanspruchsvollen Challenger Class an, am 8. Oktober geht es los. Mit dabei: 40 Studenten von der RWTH und der Fachhochschule Aachen. Zwei Jahre lang haben sie an ihrem Solar-Rennwagen gebaut - "neben der Uni, in unserer Freizeit, oft auch in Nachtschichten", wie Jan Mertens, einer der Beteiligten, n-tv.de erzählt.

Mit der Leistung eines Föns durchs Outback

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Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der "Sonnenwagen" wiegt weniger als 200 Kilogramm und kann eine Spitzengeschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde erreichen. Rund 260 Solarzellen bedecken vier Quadratmeter seiner Oberfläche. Die 20-Kilo-Batterie des Flitzers hat eine Kapazität von fünf Kilowattstunden, mehr ist nicht erlaubt. Den Radnabenmotor mit einer Leistung von etwa 1,4 Kilowatt - was der Leistung eines Föns entspricht - haben die Studenten selbst entwickelt.

"Wir wollten endlich mal selbst etwas auf die Beine stellen", sagt Mertens, der angehender Maschinenbauer ist. "Und da wir eine Leidenschaft für neue Technologien und nachhaltige Mobilitätskonzepte hegen, wollten wir die in die Praxis umsetzen." Als der so entstandene "Sonnenwagen" im Juli erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde, zeigte sich auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks beeindruckt. Mit beispielhaftem Engagement würden die Aachener Studenten demonstrieren, welches Potenzial im Solarstrom steckt, sagte sie und schrieb dem Projekt auch eine wirtschafts- und industriepolitische Komponente zu. "Die Autoindustrie hat nur eine Chance, wenn sie sich beherzt vom Fossilen verabschiedet."

Noch sind Solarautos nicht marktfähig. "Es ist noch eine Zukunftstechnologie", sagt Niklas Kaltz, zweiter Vorsitzender beim Verein "Sonnenwagen Aachen e.V.", im Gespräch mit n-tv.de. "Ein Verbrenner mit Solarenergie ergibt keinen Sinn. Es müssen also Elektroautos mit Solarzellen versehen werden – und die sind noch nicht weit verbreitet." Selbst Elon Musk habe noch kein Solarauto am Start. Bislang fehle die Nachfrage.

500 Kilometer am Tag mit 80 km/h

Die Aachener Studenten aber zeigen, dass nachhaltige Mobilität bereits heute möglich und machbar ist. "Bevor wir mit dem Projekt angefangen haben, hätten wir selbst nicht gedacht, dass man solarbetrieben so lange Strecken fahren kann", sagt Mertens. "Wir rechnen damit, dass wir bei dem Rennen etwa 500 Kilometer pro Tag schaffen." Voraussichtliche Durchschnittsgeschwindigkeit: 80 km/h.

Die Vorbereitung auf die World Solar Challenge war intensiv. "Wir haben uns mit Motorsport-Experten ausgetauscht und viele Szenarien überlegt, die beim Rennen auftreten könnten, damit wir im Fall der Fälle schnell reagieren können", erzählt Mertens. Auch die Abläufe, die das Rennen begleiten, haben die Studenten geübt: Reparaturen am Auto, Kochen für 40 Personen, Auf- und Abbau des Camps.

Denn jeden Morgen geht es um 8 Uhr los ins Rennen, an regelmäßigen Checkpoints kann der Fahrer gewechselt werden, die vorgeschriebene Zwei-Liter-Wasserflasche im Cockpit wird aufgefüllt und um 17 Uhr ist dann – so gibt es das Regelwerk vor – Schluss für den Tag. "An der Stelle, an der das Auto dann steht, wird das Zeltlager aufgebaut, die Solarzellen werden in die Sonne geklappt, um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen, und – falls nötig – wird das Auto repariert", skizziert Mertens das Abendprogramm.

Derzeit testet das Team den "Sonnenwagen" in Darwin unter Rennbedingungen. Am Sonntag ist es dann so weit. "Wir sind aufgeregt", sagt Mertens, "aber vor allem freuen wir uns, dass jetzt das Rennen startet, auf das wir zwei Jahre lang hingearbeitet haben." Dass sie die 3022 Kilometer gut schaffen, da sind die Studenten zuversichtlich. "Schon das würden wir als neues Team als sehr großen Erfolg feiern", sagt Mertens. "Aber unser Ziel ist ein anderes: von Anfang an vorne dabei zu sein."

Einmal durch Australien - von Darwin nach Adelaide: Das ist die Rennstrecke der World Solar Challenge.
Einmal durch Australien - von Darwin nach Adelaide: Das ist die Rennstrecke der World Solar Challenge.(Foto: worldsolarchallenge.org)

Quelle: n-tv.de

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