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Plastikmüll am Strand der Azoren.
Plastikmüll am Strand der Azoren.(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Freitag, 20. August 2010

Wo bleibt der Plastikmüll?: Abfall im Atlantik verschwindet

In akribischer Feinarbeit untersuchen Forscher über mehrere Jahre hinweg engmaschige Netze, die sie durch den Atlantik ziehen. Normalerweise müssten sie dabei auf eine ansteigende Zahl von Plastikteilen stoßen, da es auch immer mehr Plastikmüll im Ozean gibt. Die Ergebnisse bestätigen diese Vermutung jedoch nicht.

Die Menge des im Atlantik vor Amerika treibenden Plastikmülls nimmt nicht zu, obwohl immer mehr Plastik ins Meer gelangt. Von diesem Rätsel berichten Forscher um Kara Lavender Law von der Sea Education Association in Woods Hole (US-Staat Massachusetts). Ihr Bericht ist im Journal "Science" veröffentlicht. Die Studie wertet zahlreiche "Fischzüge" mit Planktonnetzen aus, die von Forschungsbooten in der Zeit von 1986 bis 2008 durch den Westen des Nordatlantik gezogen wurden. Das Untersuchungsgebiet umfasst – grob betrachtet – das Seegebiet zwischen der Nordküste Südamerikas bis zur kanadischen Westküste. In 60 Prozent der 6136 durch die oberen Wasserschichten gezogenen Netze fand sich Plastikmüll, berichten die Autoren.

Um Zahl und Zusammensetzung des Planktons zu bestimmen, ziehen Forscher engmaschige Netze durchs Wasser. Darin bleiben auch viele millimetergroße Plastikteile hängen, die von zerbrochenen und sich langsam zersetzenden größeren Teilen stammen. Forscher und Studenten pflücken den Inhalt der Netze dann akribisch mit der Pinzette auseinander. Der Erwartung nach müsste die Menge des so an Bord geholten Mülls über die Jahre steigen, weil die Plastikproduktion und -entsorgung in diesem Zeitraum zugenommen habe, schreiben die Autoren. Ein solcher Trend lässt sich aus den Fangprotokollen aber nicht herauslesen.

Teile sind kleiner als gedacht

Die meisten Plastikteile fanden sich in der Mitte einer gedachten Linie zwischen der kanadischen Küste und dem Norden Südamerikas, weitab vom Land. Die Kombination der Messdaten mit einem Computermodell der Meeresströmungen ergab, dass in diesem Seegebiet viele vom Wind getriebene Strömungen zusammenkommen.

Plastikmüll gibt es auch am Strand der Vogelschutzinsel Memmert.
Plastikmüll gibt es auch am Strand der Vogelschutzinsel Memmert.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Womöglich zerbrechen die Plastikreste nach und nach in so kleine Teile, dass sie selbst durch die feinen Maschen der Planktonnetze gelangen. Zudem könnten sich Algen und andere Organismen ans Plastik heften und so das Gewicht des Abfalls erhöhen, bis dieser herabsinke, ergänzt das Team.

Aus anderen Untersuchungen ist bekannt, dass größere Tiere wie Albatrosse nach der vermeintlichen Beute schnappen – und ihre Küken daher mit Verschlüssen, alten Feuerzeugen, kleinen Hautcremedosen und vielem mehr füttern. Besonders in dem riesigen Seegebiet zwischen Asien und Nordamerika kreisen große Mengen Plastik. Die Region gilt den Forschern zufolge als größte Müllkippe der Welt. Im Nordpazifik sind seit langer Zeit zwei riesige zirkulierende Abfallströme bekannt: Einer im westlichen Teil des Ozeans vor Japan, und einer im östlichen Teil, zwischen Hawaii und der kalifornischen Küste. In beiden sammeln sich Plastikreste, die von Schiffen oder auch von Land ins Meer geraten.

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Quelle: n-tv.de

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