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8,3 Milliarden Tonnen Plastik entsprechen dem Gewicht von 822.000 Eiffeltürmen.
8,3 Milliarden Tonnen Plastik entsprechen dem Gewicht von 822.000 Eiffeltürmen.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 19. Juli 2017

Schwer wie 822.000 Eiffeltürme: Acht Milliarden Tonnen Plastik gibt es bereits

Es ist überall: Die Menschheit hat ein Plastik-Problem - und das wird Jahr für Jahr größer. Schon heute befinden sich Milliarden Tonnen des Materials in der Umwelt und die Produktionsmengen wachsen weiter, weltweit. Das meiste wird: Müll. Kommt man noch dagegen an?

Seit der Entwicklung von Plastik in den frühen 1950er-Jahren hat die Menschheit nach einer Hochrechnung weltweit etwa 8,3 Milliarden Tonnen des Materials produziert. Das allermeiste davon befinde sich heute als Müll in der Umwelt, bestenfalls noch auf Deponien, berichten US-Forscher im Fachblatt "Science Advances". 8,3 Milliarden Tonnen entsprechen dem Gewicht von 822.000 Eiffeltürmen. Bis zum Jahr 2050 werde sich die Menge an Plastikmüll vermutlich auf etwa zwölf Milliarden Tonnen vergrößern.

2015 hatten die Forscher um Roland Geyer von der University of California und Jenna Lambeck von der University of Georgia bereits errechnet, wie viel des weltweit produzierten Plastiks im Meer landet. Sie kamen allein für das Jahr 2010 auf eine Menge zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen. In der aktuellen Studie ermittelten die Wissenschaftler, wie viel Plastik insgesamt bisher weltweit produziert wurde. Sie werteten dazu Produktionsstatistiken verschiedener Industriezweige aus, die Polymerharze, synthetische Fasern oder Zusatzstoffe, so genannte Kunststoff-Additive, herstellen.

79 Prozent in der Umwelt oder auf Deponien

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Ausgangsjahr ihrer Berechnungen war 1950. Damals wurden noch überschaubare zwei Millionen Tonnen Plastik hergestellt. Seitdem hat die Plastik-Produktion ordentlich Fahrt aufgenommen: Im Jahr 2015 belief sich die jährliche Produktion demnach auf 380 Millionen Tonnen – eine durchschnittliche Wachstumsrate von 8,4 Prozent. 30 Prozent des insgesamt produzierten Plastiks sei derzeit in Gebrauch. Bis zum Jahr 2015 seien 6300 Millionen Tonnen Plastik-Müll angefallen. Davon seien nur etwa neun Prozent wiederverwertet worden und zwölf Prozent verbrannt. Der überwältigende Teil – 79 Prozent – befinde sich in der Umwelt oder auf Deponien.

"Die allermeisten Kunststoffe bauen sich biologisch nicht ab, der Plastik-Müll, den die Menschheit produziert hat, könnte deshalb hunderte oder sogar tausende Jahre bei uns sein", sagt Jambeck. "Unsere Schätzungen unterstreichen die Notwendigkeit, kritisch darüber nachzudenken, welche Materialien wir nutzen und wie wir mit dem Abfall umgehen." Recycling sei nicht zwangsläufig die Lösung des Plastik-Problems, schreiben die Forscher: Zunächst verzögere eine Wiederverwertung der Kunststoffe nur den Zeitpunkt, an dem das Material zu Müll wird. Es reduziere die künftige Müllmenge nur dann, wenn es die Primärproduktion von Plastik verringere.

Großer Anteil der Kunststoffe wird zu Müll

Kunststoffe gehörten mittlerweile zu den am meisten vom Menschen hergestellten Materialien – mit Ausnahme von etwa Stahl oder Zement. "Etwa die Hälfte des produzierten Stahls geht in Bauwerke, wird also für Jahrzehnte genutzt – mit Plastik ist es das Gegenteil", erläutert Geyer. "Die Hälfte der Kunststoffe wird nach vier oder weniger Jahren zu Müll." Vor allem Verpackungsmaterialien blieben sehr kurz in der Nutzung: Die meisten werden noch im Jahr ihrer Herstellung zu Müll.

Es gehe nicht darum, vollständig auf Kunststoffe zu verzichten, aber angesichts ihrer Langlebigkeit müsse man sich mehr Gedanken über den Verbleib der Stoffe machen. Ansonsten führe die Menschheit ein einmaliges, unkontrolliertes globales Experiment durch, bei dem sich Milliarden Tonnen Material in allen zentralen Ökosystemen des Planeten ansammeln, schreiben die Wissenschaftler. "Es leben noch Menschen, die sich an eine Welt ohne Plastik erinnern können", sagt Jambeck. "Aber das Material ist heute so allgegenwärtig, dass man nirgendwo hingehen kann, ohne Plastik in seiner Umwelt zu finden, auch in unseren Ozeanen."

Plastik zerfällt unter Einwirkung des Sonnenlichts in immer kleinere Teilchen. Vor allem über die biologischen Auswirkungen dieser Mikro-Partikel ist bisher wenig bekannt. Sie finden sich in vielen marinen Organismen wie Muscheln, Fischen und Fischlarven, aber auch in Seevögeln und anderen Meeresbewohnern.

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Quelle: n-tv.de

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