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Die rote Linie zeigt die mittlere Eisausdehnung in den Jahren von 1992 bis 2006. Die Eisfläche ist hier, auf einer Darstellung vom 6. August 2012, noch 4,1 Millionen Quadratkilometer groß. Jetzt ist sie noch weiter geschrumpft.
Die rote Linie zeigt die mittlere Eisausdehnung in den Jahren von 1992 bis 2006. Die Eisfläche ist hier, auf einer Darstellung vom 6. August 2012, noch 4,1 Millionen Quadratkilometer groß. Jetzt ist sie noch weiter geschrumpft.(Foto: picture alliance / dpa)

Gefährliche Schmelze am Nordpol: Arktiseis zur Hälfte verschwunden

3,37 Millionen Quadratkilometer Eis werden zurzeit in der Arktis gemessen. Zwischen 1979 und 2000 waren es durchschnittlich doppelt so viele. Nur der menschengemachte Klimawandel könne diesen Rückgang erklären, sagen Forscher. Die Auswirkungen sind womöglich auch in Europa zu spüren.

Das Meereis rund um den Nordpol kann sich offenbar nicht mehr von der globalen Erwärmung erholen: In diesem Sommer ist es so stark abgeschmolzen wie nie seit dem Beginn zuverlässiger Messungen im Jahr 1973. Dies berichten Klimaexperten des Netzwerks KlimaCampus. Sie warnen vor gefährlichen Folgen für Natur und Mensch. "Extreme Winter könnten in Europa häufiger werden", erklärt Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI). Den Eisrückgang kann er nur durch den menschengemachten Klimawandel erklären.

Den Wissenschaftlern zufolge waren Mitte September nur noch 3,37 Millionen Quadratkilometer Fläche mit Eis bedeckt, gegenüber durchschnittlich 7,5 Millionen Quadratkilometer in den Jahren von 1979 bis 2000. In den vergangenen 30 Jahren ist die Eisdecke damit um mehr als die Hälfte geschrumpft. Anderen Schätzungen zufolge sei dies sogar der geringste Wert seit etwa 1500 Jahren, erklären die Klimaforscher. Neueste Klimasimulationen gingen zudem davon aus, dass die Arktis bis Mitte dieses Jahrhunderts im Sommer komplett eisfrei sein könnte.

Ökosystem verändert sich rasant

Die Wissenschaftler sind vor allem besorgt, mit welcher Geschwindigkeit sich die vom Eis abhängigen Ökosysteme ändern: Wegen der Eisalgen, die am Beginn der Nahrungskette stehen, seien unter den Eisflächen "viel mehr wohl genährte Meerestiere zu sehen" als in den seit zwei Monaten eisfreien Bereichen, erklärt Antje Boetius vom AWI. Klimaforscher warnen zudem davor, dass der Eisrückgang den Wärmeaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre beschleunige und großräumige Windfelder beeinflusse. Dies könne zu mehr extrem kalten oder schneereichen Wintern in Europa führen.

Der Rückgang des arktischen Meereises gilt als Folge des globalen Klimawandels, der das Abschmelzen im Sommer beschleunigt und die Neubildung im Winter verlangsamt. Der Prozess wird von Forschern auch als ein möglicher "Kipp-Punkt" betrachtet - eine der sich selbst beschleunigenden Entwicklungen, die den Klimawandel und seine Folgen unumkehrbar machen könnten. Das liegt daran, dass eisfreies dunkles Wasser sich durch Sonneneinstrahlung stärker erwärmt als durch Eis bedecktes. Die schneller steigende Wassertemperatur beschleunigt wiederum die Eisschmelze. Von Vorteil ist dies den Experten zufolge für die Schifffahrt und die Nutzung von Bodenschätzen in der Arktis.

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Quelle: n-tv.de

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