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Der Bigfoot: Legende oder tatsächlich existierendes Wesen?
Der Bigfoot: Legende oder tatsächlich existierendes Wesen?(Foto: Jean-no/Wikipedia/ Free Art License 1.3)
Montag, 30. Dezember 2013

Kryptozoologie - die Suche nach verborgenen Tieren: Auf der Jagd nach dem Bigfoot

Nessie, Yeti, Bigfoot: Existieren solche Wesen wirklich? Kryptozoologen lassen zumindest die Möglichkeit offen - und suchen fieberhaft nach Belegen für diese mysteriösen Tiere. Und bei der Suche nach dem Bigfoot gibt es vielleicht neue Erkenntnisse.

Kryptozoologie ist per Definition die "Studie der verborgenen Tiere". Kryptozoologen suchen nach Tieren, von denen in Augenzeugen-Berichten, Fabeln oder Sagen berichtet wird. Tiere, die bislang noch nicht bekannt sind. Die Forscher beginnen dort, wo die etablierte Wissenschaft aufhört. Bigfoot, Yeti und Nessie sind nur die bekanntesten Beispiele einer Forschungsrichtung, der viele mit Misstrauen begegnen. n-tv.de spricht mit dem Kryptozoologen Hans-Jörg Vogel über die Glaubwürdigkeitsprobleme seiner Disziplin, fragt nach, was er überhaupt tut und wie der aktuelle Stand der Bigfoot-Diskussion aussieht.

n-tv.de: Herr Vogel, haben Sie den "Bigfoot" schon gefunden?

Hans-Jörg Vogel: Nein. Es ist eine komplizierte Sache. Es gibt in der letzten Zeit wieder mehr Sichtungen und Filme, und kürzlich hat eine amerikanische Wissenschaftlerin, Dr. Melba Ketchum, Haare und Blut auf DNA-Spuren untersucht. Sie hat in ihren Analysen festgestellt, dass es Anzeichen auf eine bislang unbekannte Primatenart gibt - das wäre natürlich eine Sensation. Das Problem dabei ist, dass in der Endphase der Untersuchung wohl gravierende Fehler gemacht wurden, sodass das Ergebnis wissenschaftlich nicht anerkannt wird. Das ist ein herber Rückschlag, da das wirklich eine vielversprechende Untersuchung war.

Hat sie die Ergebnisse vielleicht manipuliert?

Das ist der Eindruck, der durch das fehlerhafte Arbeiten entstehen könnte. Wissenschaftliche Zeitschriften wollten ihre Ergebnisse nicht publizieren, da hat die Wissenschaftlerin kurzerhand ihre eigene Zeitschrift gegründet, um ihre Ergebnisse zu veröffentlichen. Und das ist ein Problem. Die etablierte Wissenschaft nimmt das natürlich als Gelegenheit, die Forschung um Bigfoot und auch die ganze Kryptozoologie wieder einmal in Frage zu stellen.

Für die Existenz des "Bigfoot" lässt sich daraus schließen …

… dass es offenbar interessante Ergebnisse gibt. Sie deuten darauf hin, dass hier eine Kreatur existieren könnte, die der Wissenschaft noch nicht bekannt ist. Aufgrund der Fehler heißt es aber offiziell nach wie vor: Der Bigfoot ist eine mythologische Figur und existiert nicht.

Die meisten Menschen assoziieren mit Kryptozoologie nur solche Dinge wie den "Bigfoot", den "Yeti" oder "Nessie". Das ist aber nicht alles, oder?

Kryptozoologie ist mehr als die Suche nach Bigfoot, Yeti oder Nessie. Es geht darum, dort die Suche zu forcieren, wo die "normale" Zoologie eine Grenze setzt. Es gibt Sichtungen, Augenzeugenberichte und Fotos von Lebewesen, die von der Wissenschaft als nicht existent angesehen werden. Das ist der Knackpunkt, an dem wir ansetzen. Egal, wie das Ergebnis nachher aussieht. Entweder: Ja, es ist möglich, dass ein solches Wesen existiert. Oder: Es ist nicht möglich, die Wahrscheinlichkeit geht gegen Null - und es hat keinen Sinn, weiterzusuchen.

Nach welchen Methoden gehen Sie vor, wie läuft eine solche Forschung ab?

Fabelhafte Wesen: Was Kryptozoologen beschäftigt

Der Chupacabra ist ein Wesen, das circa 1 bis 1,5 Meter hoch sein soll. Es soll Stacheln auf dem Rücken tragen und seine Farbe ändern können. Beschreibungen des Wesens widersprechen sich. Es soll Berichten zufolge Ziegen, Schafen und anderem Kleinvieh die Kehle aufritzen und das Blut aussagen - ähnlich einem Vampir.

Der Tatzelwurm soll vor allem im Alpenraum vorkommen. Es gibt circa 80 Augenzeugenberichte zu dem Wesen, das einen reptilienartigen Körper haben und zwischen 50 und 200 Zentimetern lang sein soll.

Der Bigfoot wird Kanada auch Sasquatch genannt. Bis in die 1850er Jahre zurück reichen die ersten Berichte von Sichtungen des mysteriösen Wesens, die bis heute andauern. Die meisten halten ihn für eine Legende, aber viele Menschen suchen nach ihm. Stichhaltige Beweise für seine Existenz gibt es bislang keine.

Prinzipiell hat man einige klassische Ansatzpunkte für eine Suche: In Berichten und Überlieferungen, wo von Tieren berichtet wird, die die Wissenschaft heute nicht kennt. Das können zum Beispiel alte Texte, Erzählungen, bildliche Darstellungen oder Skulpturen sein. Andere klassische Quellen sind Augenzeugenberichte, Fotos, oder Filmaufnahmen, die irgendwas zeigen, was in dem Moment nicht erklär- oder identifizierbar ist. Dann gibt es natürlich noch die physischen Indizien: Fußabdrücke oder Haar- und Fellreste wie aktuell beim Bigfoot. Bei diesen Dingen beginnen wir mit den Nachforschungen.

Wird Kryptozoologie nur von Laien betrieben?

Kryptozoologie ist keine Wissenschaft, die man erlernen kann - insofern sind wir alle Laien. Aber wir haben natürlich auch ausgebildete Wissenschaftler in unseren Reihen, zum Beispiel Biologen. Das ist sehr wichtig, denn um in unserer Forschung anerkannt zu werden, müssen wir versuchen, wissenschaftlich korrekt zu arbeiten. Und da ist es entscheidend, dass man entsprechende Hinweise bekommt, wo man eventuell noch sauberer arbeiten muss, und wo man Fehler gemacht hat.

Wenn man im Internet nach den einschlägigen Stichwörtern sucht, stößt man auf sehr viele Dinge, die äußerst unseriös wirken.

Das ist im Bereich der Kryptozoologie ein großes Problem. Es gibt viele, die sich dafür interessieren, die dann auch versuchen, laienhaft zu forschen. Allerdings fehlt dort das Grundhandwerkszeug. Und bei so einer Sache ist es wichtig, dass das, was man veröffentlicht, Hand und Fuß hat. Sonst wird man ausgelacht - und das völlig zu Recht. Wenn man sich mit Themen wie zum Beispiel dem Chupacabras beschäftigt, ist es wichtig, entsprechende biologische Hintergrundinformationen zu haben. Denn es gibt gewisse Dinge, die aus biologischer Sicht nicht existieren können. Dann muss man das auch einsehen und sagen: Okay, das ist ein mythologisches Wesen und keines aus Fleisch und Blut.

Solche Diskussionen schaden also dem Ansehen der Kryptozoologie?

Ja, es ist mehr Schaden als Hilfe. Es gibt leider viele, die sich auf eine Ebene begeben, auf der dann der Wunsch der Vater des Gedanken ist. Dann kommt natürlich, vollkommen berechtigt, der entsprechende Gegenwind aus den etablierten Wissenschaften. Seriöse Seiten gibt es nur wenige. Zum Beispiel im deutschsprachigen Bereich kryptozoologie-online.de, die Seiten zum Thema Kryptozoologie beim Twilight Line GbR-Verlag oder die Seiten der Zeitschrift "Der Kryptozoologie Report".

Gibt es denn stichhaltige Belege dafür, dass Tiere existieren, die von der normalen Wissenschaft als "nicht existent" angesehen wurden - gewissermaßen Erfolgsmeldungen der Kryptozoologie?

Das Okapi: Lange galt seine Existenz nicht für möglich, 1901 wurde es offiziell entdeckt.
Das Okapi: Lange galt seine Existenz nicht für möglich, 1901 wurde es offiziell entdeckt.(Foto: REUTERS)

Durchaus. Eines der bekanntesten ist das Okapi, das erst Anfang des 20 Jahrhunderts entdeckt wurde. Die Kurzhalsgiraffe war den Einheimischen dort bekannt, sie wurde auch häufiger beschrieben. Aber die Wissenschaft hat nicht akzeptiert, dass ein solches Tier existiert – erst, als man es gefangen und untersucht hatte. Auch vom Berggorilla wurde vor seiner offiziellen Entdeckung viel erzählt, aber bevor er nicht bei den Wissenschaftlern auf dem Seziertisch lag, galt er als nicht existent. In jüngster Vergangenheit sind immer wieder neue Tierarten entdeckt worden, auch größere. Bei der riesigen Fläche der Erde, die bislang noch weitgehend unerforscht ist, ist sicher noch mit weiteren Überraschungen zu rechnen. Und natürlich sind heutzutage die Ozeane besonders bedeutend. Wissenschaftler schätzen, dass rund 95% der biologischen Masse dort noch gar nicht entdeckt sind.

Hans-Jörg Vogel - hier unterwegs in Island, um sagenumwobene Orte genauer zu betrachten.
Hans-Jörg Vogel - hier unterwegs in Island, um sagenumwobene Orte genauer zu betrachten.(Foto: privat)

Grundsätzlich könnte man also sagen, sie sind als Kryptozoologe offener für das bislang Unbekannte als "gewöhnliche" Zoologen?

Ich denke, ja. Die meisten von uns gehen nicht so strikt ran und sagen: "Das kann es nicht geben". Wir räumen viele Möglichkeiten ein. Natürlich muss man sich aber im Rahmen der wissenschaftlichen Erkenntnisse bewegen. Eine Figur wie der schon erwähnte Chupacabra zum Beispiel kann aus wissenschaftlicher Sicht in dieser Form nicht existieren; es ist vielmehr eine Sache, die sich mit großer Wahrscheinlichkeit aus mehreren Faktoren zusammensetzt. Ein in dieser Form mythologisches Wesen. Solche Grenzen muss man akzeptieren, und das fehlt bei vielen Laienforschern. Es ist problematisch, wenn einige Personen in solchen Fällen dann immer weiter diskutieren, denn dann wird der Gegenwind der etablierten Wissenschaften nur stärker.

Für viele etablierte Wissenschaftler sind Kryptozoologen nicht ernst zu nehmen.

Ja, aus den oben genannten Gründen. Es gibt aber zahlreiche Fälle, in denen es Hinweise und Indizien auf bislang unerforschte Tiere gibt. Uns ist es wichtig, dass klar wird: Wir versuchen lediglich, offene Fragen zu klären, bei denen die Wissenschaft aber nicht weiterforscht, weil sie nicht relevant erscheinen. Hier wünschen wir uns mehr Mut und weitere Entwicklungen in der interdisziplinären Zusammenarbeit.

Mit Hans-Jörg Vogel sprach Fabian Maysenhölder

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Quelle: n-tv.de

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