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Langsames Schwinden durch Erosion: Aus Saturn-Ringen regnet es

Britische Forscher machen eine bedeutende Entdeckung: Aus den Ringen des Saturn regnet es. Die Erkenntnis trägt möglicherweise dazu bei, das jahrzehntealte Rätsel über das Alter des Ringsystems zu lösen.

Die Geschichte der Saturn-Ringe ist noch immer ungeklärt.
Die Geschichte der Saturn-Ringe ist noch immer ungeklärt.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Aus den Ringen des Saturns regnet es Wasser in die Atmosphäre des Riesenplaneten. Dieser "Ring-Regen" hinterlässt messbare Spuren in der Saturnatmosphäre, wie Forscher um James O’Donoghue von der Universität Leicester (Großbritannien) im Fachblatt "Nature" berichten. Die Entdeckung lege nahe, dass die majestätischen Ringe durch den Regen langsam abgetragen werden, heißt es in einem Begleitkommentar in "Nature".

Die Saturnringe bestehen fast ausschließlich aus Wassereis – in Stücken aller Größen, vom staubkornkleinen Partikel bis zu kilometergroßen Brocken. Werden kleine Eispartikel beispielsweise durch Sonnenstrahlung elektrisch aufgeladen, können sie entlang der Magnetfeldlinien des Saturns aus den Ringen herausgezogen werden. Die Forscher nennen diesen Prozess elektromagnetische Erosion.

Charakteristischer Abdruck in der Gashülle

Da die Magnetfeldachse des Saturns mit seiner Rotationsachse übereinstimmt, führen die Feldlinien aus einem bestimmten Ring immer in dieselbe geographische Breite der Saturnatmosphäre. Auf diese Weise hinterlässt der "Ring-Regen" einen charakteristischen Abdruck in der Gashülle des Planeten.

Das Team um O’Donoghue hatte die Saturnatmosphäre mit dem Keck-Teleskop auf Hawaii im Infrarotlicht untersucht. Dabei konnten die Forscher den Regen nicht direkt messen, aber Emissionen von Wasserstoffionen (H3 +), die als Indikator für den Niederschlag dienen. Wo es viel regnet, finden sich weniger Wasserstoffionen in der Atmosphäre. Regionen geringen Niederschlags lassen sich demnach beispielsweise mit solchen Lücken zwischen den Ringen identifizieren.

Die Geschichte der Saturnringe ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Es ist unbekannt, ob sie sich bereits bei der Entstehung des Sonnensystems vor 4,5 Milliarden Jahren formten oder vor – kosmisch gesehen – relativ kurzer Zeit von 100 Millionen Jahren. Die jetzt in "Nature" veröffentlichten Beobachtungen zeigen eine deutliche Wasserzufuhr in die Ionosphäre des Saturns und legen damit nahe, dass durch diesen Regen die Ringe langsam ausgedünnt werden. Die Geschwindigkeit dieser Erosion lässt sich noch nicht abschätzen. Zumindest dürften die Ringe jedoch in ihrer heutigen Erscheinung kaum noch ihrer ursprünglichen Form ähneln, schreibt Jack Connerney vom Goddard Space Flight Center der US-Raumfahrtbehörde Nasa in seinem "Nature"-Begleitkommentar. Wie unser ganzes Sonnensystem seien die Saturnringe einer ständigen Entwicklung unterworfen.

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Quelle: n-tv.de

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