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Bärtierchen sind kaum einen Millimeter groß und wahre Überlebenskünstler. Über ihr Paarungsverhalten war bislang wenig bekannt.
Bärtierchen sind kaum einen Millimeter groß und wahre Überlebenskünstler. Über ihr Paarungsverhalten war bislang wenig bekannt.(Foto: Schokraie E. et al: PLoS ONE 7(9): e45682. doi:10.1371/journal.pone.0045682 / Wikipedia/ CC BY 2.5)

Langes Vorspiel und viel Ausdauer: Bärtierchen sind beim Sex unermüdlich

Sie sind winzig, tapsig, überaus zäh und offenbar Meister des Liebesspiels: Erstmals gelingt es Forschern, Bärtierchen beim Sex zuzuschauen. Die Wissenschaftler werden Zeuge eines Paarungsaktes, der menschliche Ausdauer in den Schatten stellt.

Menschlicher Sex ist oft ein recht kurzes Vergnügen. Der Geschlechtsakt selbst dauert durchschnittlich gerade einmal 5,4 Minuten - sagt eine noch heute viel zitierte Studie aus dem Jahr 2005. Manche Paare widmen der schönsten Nebensache der Welt demnach nur 33 Sekunden am Stück, andere immerhin genießen sie 44 Minuten lang. Das Alter spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle: Mit den Jahren nimmt die Ausdauer ab.

So ist das bei Homo sapiens. Wie die Paarung bei Bärtierchen aussieht, darüber wusste man bislang wenig. Forscher vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz und der Universität Stuttgart haben das Sexualverhalten der Bärtierchen-Art Isohypsibius dastychi nun untersucht - und kamen zu unerwarteten Ergebnissen. Die Fortpflanzung der kaum einen Millimeter großen Tierchen läuft komplexer ab als vermutet.

Vorspiel bei Bärtierchen: Das Männchen (rechts) legt sich um den Kopf des Weibchens und lässt sich anstupsen.
Vorspiel bei Bärtierchen: Das Männchen (rechts) legt sich um den Kopf des Weibchens und lässt sich anstupsen.(Foto: dpa)

"Für uns überraschend war das Vorspiel, das zwischen den Bärtierchenpaaren stattfand", sagt Jana Bingemer von der Universität Stuttgart. "Die Partner stimulieren sich wechselseitig: Das Männchen legt sich um den Kopf des Weibchens und hält sich dort mit seinem ersten Beinpaar fest". Dann stupst das Weibchen seinen Partner so lange mit den Mundwerkzeugen an, bis dieser seinen Samen ejakuliert. Dieser Vorgang, sagt Bingemer, wiederhole sich mehrfach. Die Bärtierchen nehmen sich Zeit für Sex: Bis zu eine Stunde lang sind sie damit beschäftigt.

Sex vor laufender Kamera

Bei der Paarung legt das Weibchen Eier ab, und zwar in sein Häutungshemd - eine alte Haut, die den Körper des Weibchens lose umhüllt. Denn wenn die Bärtierchen-Weibchen geschlechtsreif sind, stehen sie kurz vor der Häutung. Zum Abschluss der Paarung steigt das Weibchen aus seiner alten Hauthülle aus. In der Hülle, also außerhalb des Körpers, erfolgt dann die Befruchtung; dort treffen Eier und Samen aufeinander. Taucht zum passenden Zeitpunkt kein Männchen auf, häutet sich das Weibchen, ohne die Eier abzulegen. Die verbleiben dann im Körper. "Die aktuelle Studie zeigt uns, dass sich die Bärtierchen auch in ihrem Fortpflanzungsverhalten extrem effektiv verhalten – Energie wird nur aufgewandt, wenn es sich auch lohnt", schlussfolgert Karin Hohberg, Bodenzoologin am Senckenberg Museum.

Wie die Forscher das alles herausgefunden haben? Es war Sex vor laufender Kamera. Bei mehr als 30 Bärtierchen-Paaren trennten die Wissenschaftler zunächst Weibchen und Männchen voneinander, um sie dann gezielt und unter Beobachtung wieder zusammenzuführen. Was nun geschah, hielten die Forscher im Film fest. So wurde die Fortpflanzung der winzigen Achtbeiner erstmals dokumentiert.

Bärtierchen faszinieren die Wissenschaft schon seit 245 Jahren. Sie gelten als unzerstörbar, denn Trockenperioden und Kälteeinbrüche können sie ebenso überstehen wie zum Beispiel Sauerstoffmangel, hohen Druck oder Strahlung. Bärtierchen gibt es sowohl im Himalaya als auch in der Tiefsee und der Antarktis. Und nicht einmal die harschen Bedingungen des Weltraums können ihnen etwas anhaben: Bärtierchen überleben sogar im Vakuum des Alls. Aktiv jedoch sind sie nur, wenn sie mit einem Wasserfilm bedeckt sind - unabdingbare Voraussetzung für ausdauernden Bärtierchen-Sex.

Quelle: n-tv.de

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