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Das Foto zeigt eine "glühende Himmelsspinne", die ein Lufthansa-Pilot am 20.11.2009 über dem Nordatlantik bei Grönland morgens beobachtete und fotografierte.
Das Foto zeigt eine "glühende Himmelsspinne", die ein Lufthansa-Pilot am 20.11.2009 über dem Nordatlantik bei Grönland morgens beobachtete und fotografierte.(Foto: picture alliance / dpa)

Bundestag soll Geheimnis lüften: Berliner will "UFO-Akten" sehen

von Sebastian Schöbel

Forscht die Bundesregierung über unidentifizierte Flugobjekte? UFO-Fans sind davon überzeugt. Ein Berliner will es jetzt genau wissen und fordert Einsicht in eine bisher unbekannte UFO-Studie des Bundestages. Doch der weigert sich bisher.

"Ich habe noch nie ein UFO gesehen", sagt Frank Reitemeyer. Von ihrer Existenz ist der 48-Jährige Berliner aber trotzdem überzeugt - und er ist sich sicher, dass die deutsche Politik schon lange von den unidentifizierten Flugobjekten weiß. Die Bundesregierung weist das kategorisch zurück. Doch Reitemeyer lässt nicht locker und hat jetzt den Bundestag verklagt: auf Herausgabe einer wissenschaftlichen UFO-Studie, die dieser einfach nicht öffentlich machen will.

Das Radioteleskop von Puerto Rico hilft bei der Suche nach Außerirdischen. Es hat einen Durchmesser von 305 Metern.
Das Radioteleskop von Puerto Rico hilft bei der Suche nach Außerirdischen. Es hat einen Durchmesser von 305 Metern.(Foto: picture-alliance / dpa)

Erstellt wurde sie vom wissenschaftlichen Dienst des Bundestages. Der Titel sagt eigentlich schon alles: "Die Suche nach außerirdischem Leben und die Umsetzung der VN-Resolution A/33/426 zur Beobachtung unidentifizierter Flugobjekte und extraterrestrischen Lebensformen". Die Tageszeitung "Die Welt" will die Studie bereits gesehen haben und berichtet, dass die Autoren ein Interesse der deutschen Regierung an UFOs zumindest für plausibel halten, vor allem mit Blick auf den Kalten Krieg. "Zumindest in militärischer Hinsicht könnte nach damaliger Interessenlage durchaus ein Bedürfnis bestanden haben, Berichten oder Erscheinungen von Ufos nachzugehen und diese zu untersuchen," zitiert die "Welt" aus der Studie.

Weiß die deutsche Politik von UFOs?

Von gesicherten Beweisen für eine deutsche UFO-Forschung ist freilich nicht die Rede. Und die Resolution der Vereinten Nationen, auf die schon im Titel der Studie Bezug genommen wird, lässt sich nur mit viel Wunschdenken als Verpflichtung zur staatlichen UFO-Suche interpretieren. Die Rede ist vielmehr von einer "Einladung", an "interessierte Mitglieder" der UN. UFO-Fans, allen voran die Initiative "Exopolitics", sehen das anders und pochen auf die Freigabe der deutschen UFO-Akten. So wie es in Frankreich, Chile, Dänemark oder Italien bereits seit Jahren praktiziert wird: Hier sind Informationen über UFO-Sichtungen vollständig oder in Teilen frei zugänglich.

Eine angebliche fliegende Untertasse, aufgenommen von einem 13-jährigen Jungen am 15. Februar 1954 in Coniston in Großbritannien. Das Foto wurde 1960 auf einem  Internationalen Kongress der Ufo-Forscher in Wiesbaden gezeigt.
Eine angebliche fliegende Untertasse, aufgenommen von einem 13-jährigen Jungen am 15. Februar 1954 in Coniston in Großbritannien. Das Foto wurde 1960 auf einem Internationalen Kongress der Ufo-Forscher in Wiesbaden gezeigt.(Foto: picture alliance / dpa)

Das will Frank Reitemeyer nun auf dem Rechtsweg auch in Deutschland erreichen. Hinweise gebe es ja genug, zum Beispiel vom ehemaligen Lufthansa-Piloten Werner Utter, der nach seiner Pensionierung erzählte, er habe regelmäßig UFOs von seinem Cockpit aus gesehen. Ein wirrer UFO-Spinner, der Verschwörungstheorien nachjagt, sei er aber nicht. "Ich spreche von dem realen UFO-Phänomen, über das qualifizierte Leute ausgesagt haben, also Militärs, Generäle, Piloten, die ein geschultes Auge dafür haben." Die UFO-Studie des Bundestages sei ohnehin nur der erste Schritt für ihn. "Das sind noch nicht die UFO-Akten selber, nach denen ich seit zwei Jahren suche und forsche." Beim Verteidigungsministerium habe er auch schon angefragt, sei dort bisher aber abgeblitzt.

Bundestag beharrt auf Copyright

Vier in Formation fliegende "Objekte" über der Stadt Salem im US-Bundesstaat Massachusetts wurden von einem Kameramann der US-Küstenwache am 16. Juli 1952 um 9.35 Uhr beobachtet.
Vier in Formation fliegende "Objekte" über der Stadt Salem im US-Bundesstaat Massachusetts wurden von einem Kameramann der US-Küstenwache am 16. Juli 1952 um 9.35 Uhr beobachtet.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Bundestag vertritt die Ansicht, dass Studien des wissenschaftlichen Dienstes "mandatsbezogene Information der Abgeordneten" seien. Außerdem gelte das Urheberrecht: "Das Erstveröffentlichungsrecht steht dem Deutschen Bundestag zu", schreibt ein Sprecher des Parlaments auf Anfrage von n-tv. Den Verweis auf den Copyright-Sünder Karl-Theodor zu Guttenberg, der für seine Dissertation auf Texte des wissenschaftlichen Dienstes verwendet hatte, verkneift er sich.

Frank Reitemeyer aber will dieses Argument nicht gelten lassen. Erstens sei er Steuerzahler und zweitens sei ja laut Politik sowieso nichts an der UFO-Theorie dran. "Dann gibt es also auch keinen Grund, diese Akten geheim zu halten."

Kampf um mehr Transparenz

Es wird wohl voll werden im Saal 1103 des Berliner Verwaltungsgerichtes, laut Reitemeyer hätten sich eine ganze Menge Journalisten angekündigt. Denen dürfte es neben all dem Gerede von extraterrestrischen Besuchern auch um die rein terrestrischen Aspekte dieses Falles gehen. Denn Reitemeyer klagt mit Bezug auf das Informationsfreiheitsgesetz. "Es geht darum festzustellen, ob jeder Bürger nach dem Informationsfreiheitsgesetz das Recht hat, in Behördenunterlagen einzusehen", sagt er.

Falls Reitemeyer gewinnt könnte also auch neuer Schwung in die Transparenzdebatte kommen. Prozesskostenhilfe hat der arbeitslose Hobby-Forscher schon mal bewilligt bekommen, und so sieht er sich also gewappnet – auch für den Fall, dass sein der juristische Kampf mit dem Bundestag in die nächste Instanz gehen sollte.

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Quelle: n-tv.de

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