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Gesunde Korallen-Kolonie im Great Barrier Reef.
Gesunde Korallen-Kolonie im Great Barrier Reef.(Foto: Ken Caldeira/Nature/dpa)

Qualität wie vor 200 Jahren: Besseres Wasser lässt Korallen wachsen

Saures Meerwasser kann Korallen schädigen. In einer Lagune des besonders gefährdeten Great Barrier Reefs haben Forscher nun die Wasserqualität von vor 200 Jahren wieder hergestellt - mit deutlichen Folgen für die Korallen.

Geschädigte Korallen wachsen wieder besser, sobald die Wasserqualität auf vorindustrielle Werte steigt. Das hat ein Forscherteam zumindest für die Versauerung des Meerwassers gezeigt. Für eine Studie im Fachjournal "Nature" hatten die US-Wissenschaftler eine Lagune im Great Barrier Reef entsäuert und so eine Wasserqualität geschaffen, wie es sie vor mehr als zweihundert Jahren gab. Innerhalb von drei Wochen, so die Berechnungen der Wissenschaftler, wuchsen die Korallen um etwa sieben Prozent.

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"Die Versauerung der Meere fordert bereits seinen Tribut von den Korallenriffen. Das ist nicht länger eine Zukunftsangst; das ist die heutige Realität", sagte Studienleiterin Rebecca Albright von der Carnegie Institution for Science in Stanford. Zugleich bestätigt eine weitere Studie, die im Fachjournal "Nature Communications" veröffentlicht wurde, die Gefährdung der Korallen durch die weltweite Versauerung der Meere. Australische Forscher hatten errechnet, dass die Auswirkungen am australischen Great Barrier Reef wahrscheinlich stärker sind, als bisher angenommen. Es ist das größte Korallenriff der Erde.

Ozeane nehmen CO2 auf

Die Versauerung der Meere greift nachweislich die Korallenriffe an. Wenn Kohlendioxid aus der Luft in das Meer gelangt, steigt der Säuregrad des Wassers. Etwa ein Viertel des menschengemachten Kohlendioxids werde derzeit jährlich von weltweiten Ozeanen aufgenommen, schreiben die US-Forscher. Im sauren Wasser kommen weniger Karbonat-Ionen vor, die zum Aufbau der Kalkskelette der Meerestiere nötig sind. Gesondert ließ sich die Auswirkung der Versauerung in freier Natur aber bisher nicht beobachten, weil zu viele Faktoren ineinandergreifen.

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Dem US-Team um Rebecca Albright ist dies nun gelungen. Für ihre Studie wählten die Forscher die Lagunen des One Tree Reefs, die im südlichen Great Barrier Reef liegen. Diese sind während der Ebbe vom offenen Meer getrennt; das Wasser fließt dann lediglich von einer höher gelegenen Lagune in eine niedrigere. Die Forscher gaben alkalisch wirkendes Natriumhydroxid und ein Färbemittel in das Wasser der ersten Lagune und entsäuerten es so künstlich auf vorindustrielles Niveau. Alle anderen Faktoren, wie Wassertemperatur oder Nährstoffe blieben gleich.

"Können die Zeit nicht zurückdrehen"

Nachdem das gefärbte Wasser in die zweite Lagune geflossen war, prüften die Wissenschaftler die verbliebene Alkalität. Anhand der Differenz errechneten die Forscher, dass sich der Kalkaufbau an den Korallenriffen innerhalb von 21 Tagen durchschnittlich um etwa sieben Prozent erhöht hatte. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Korallen seit dem Beginn der Industrialisierung bereits stark unter der Versauerung der Meere gelitten haben müssen.

In einem gesonderten "Nature"-Kommentar würdigte die australische Meeresforscherin Janice Lough (James Cook University, Townsville) die Arbeit der Forscher und prophezeite, dass die Schäden an den Korallenriffen auch mit den neu gesetzten Klimazielen der UN-Klimakonferenz in Paris nicht zu beheben sein werden: "Wir können die Zeit für die Ökosysteme der tropischen Korallenriffe dieser Welt nicht zurückdrehen; wir haben sie bereits einer wärmeren und saureren Zukunft überlassen."

Stärker gefährdet als angenommen

Das australische Team um Mathieu Mongin (CSIRO Oceans and Atmosphere, Hobart) untersuchte unterdessen verschiedene Bereiche des Great Barrier Reefs. Die Gruppe berechnete die lokale Aragonit-Sättigung des Wassers, die durch Versauerung gesenkt wird. Aragonit ist ein spezielles Kalziumkarbonat, das zum Aufbau von Korallen dient - es wird durch Säure zersetzt. Der Wert gibt daher einen sehr guten Aufschluss darüber, ob die chemischen Voraussetzungen zum Kalkaufbau der Korallen gegeben sind.

Die Forscher bestimmten die Werte an 22 Orten des Riffs und fügten diese mit Modellberechnungen der Gegebenheiten von 3581 Einzelriffen zusammen. Ergebnis: Die Aragonit-Sättigung variierte innerhalb des Great Barrier Reef sehr stark, die Werte lagen aber im Durchschnitt unter denen des offenen Meers vor dem Riff. Besonders gefährdet sind demnach die zum Festland gewandte Seite des Riffs und der südliche Teil. Insgesamt, so die Forscher, sei das Riff künftig wohl stärker durch Versauerung gefährdet, als in den Berichten des Weltklimarates angenommen.

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Quelle: n-tv.de

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