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Altpapier: Ein gefundenes Fressen für den nützlichen Clostridien-Stamm TU-103.
Altpapier: Ein gefundenes Fressen für den nützlichen Clostridien-Stamm TU-103.(Foto: picture alliance / dpa)

Bakterien machen's möglich: Biosprit aus Altpapier

Ein kürzlich entdeckter Bakterienstamm produziert Biosprit aus alten Zeitungen. Es sind nach Angaben der Tulane-Universität in New Orleans die ersten natürlichen Bakterien, die direkt aus Zellulose Butanol herstellen. Butanol ist demnach als Treibstoff dem häufig produzierten Ethanol überlegen, weil es ohne Modifikationen des Motors getankt werden kann, mehr Energie enthält, geringeres Korrosionspotenzial besitzt und durch bestehende Pipelines transportiert werden kann.

Forscher um David Mullin waren in Tierdung auf den nützlichen Clostridien-Stamm TU-103 gestoßen. Sie kultivierten ihn im Labor und experimentierten mit den alten Ausgaben einer Tageszeitung. Dabei gewannen die Forscher 12 bis 23 Gramm Butanol pro 100 Gramm Zellulose, die von den Bakterien verstoffwechselt wurden. Die Wissenschaftler hoffen, diese Ausbeute noch zu erhöhen, und haben ein Patent auf den Prozess angemeldet. Eine Fach-Publikation steht noch aus.

Klappt auch mit Pflanzenabfällen

Die Mikroorganismen können nicht nur aus Altpapier Butanol herstellen, sondern aus jeder Sorte zellulosehaltigem Material. "Zellulose findet sich in allen grünen Pflanzen und ist das häufigste organische Material auf der Erde", betont Teammitglied Harshad. Mit Zellulose als Rohstoff könnte Biosprit auch aus pflanzlichen Abfällen produziert werden, es müssten nicht extra Energiepflanzen kultiviert werden, was oft zulasten der Nahrungsmittelproduktion geht. Allein in den USA fallen jährlich mindestens 323 Millionen Tonnen nutzbarer Zelluloseabfall an, betonen die Forscher. Wie viel Biosprit daraus produziert werden könnte, können sie aber noch nicht sagen.

Die Wissenschaftler heben jedoch hervor, dass TU-103 auch in Anwesenheit von Sauerstoff gedeiht, der andere butanolproduzierende Bakterien tötet. Das vermeide die Kosten der aufwendigeren sauerstofffreien Butanolproduktion. "Diese Entdeckung kann die Kosten für die Produktion von Bio-Butanol senken", meint Mullin. Und das wäre auch gut für die Umwelt: "Bio-Butanol aus Zellulose würde die Kohlendioxid- und Smogemissionen im Vergleich zu Benzin drastisch senken und hat positive Auswirkungen auf den Umfang von Mülldeponien."

Quelle: n-tv.de

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