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Das Bild zeigt einen Embryo im Alter von drei Wochen. So weit entwickelt sind die Embryonen, die sich die britischen Forscher vornehmen wollen, noch nicht.
Das Bild zeigt einen Embryo im Alter von drei Wochen. So weit entwickelt sind die Embryonen, die sich die britischen Forscher vornehmen wollen, noch nicht.(Foto: imago/Science Photo Library)

Forschung betritt Neuland: Briten erlauben Genmanipulation an Embryos

Die Entscheidung dürfte die ethische Debatte weiter anheizen: Eine Behörde in Großbritannien gibt grünes Licht für Genmanipulationen an Embryos. Forscher wollen herausfinden, welche Gene für die gesunde Entwicklung von Embryos nötig sind.

Im Rahmen eines Forschungsprogramms zu Frühgeburten ist in Großbritannien erstmals die Genmanipulation an Embryos erlaubt worden. Der entsprechende Antrag von Dr. Kathy Niakan vom Francis Crick Institute auf eine Ausweitung der Forschungslizenz sei genehmigt worden, teilte die zuständige Behörde für menschliche Befruchtung und Embryologie (HFEA) mit. Damit wollen die Wissenschaftler die Erfolgsrate künstlicher Befruchtungen steigern.

Ziel der Forschung ist es, die Gene zu verstehen, die menschliche Embryonen erfolgreich ausbilden müssen, um gesund zu sein. Dem Institut zufolge dürfen Niakan und ihr Team aber ausschließlich die ersten sieben Tage eines befruchteten Eis unter die Lupe nehmen. In dieser Zeit schreitet die Entwicklung von einer Zelle auf rund 250 Zellen rasant voran. Die Embryonen sollen von Paaren gespendet werden, die nach einer künstlicher Befruchtung nicht alle befruchteten Eizellen benötigen. Die Erlaubnis der Behörde gilt aber ausschließlich für Forschungszwecke. Veränderte Embryonen dürften keiner Frau eingepflanzt werden.

Konkret zielt die Genehmigung auf das Verfahren mit der Gen-Schere CRISPR/Cas9 ab. Damit können Forscher wesentlich präziser als bisher Teile der DNA ausschneiden oder einsetzen. Die Embryonalentwicklung erforschten Mitarbeiter des Instituts bereits seit längerem, betonte ein Sprecher des Francis Crick Institute. Das aktive Verändern der menschlichen DNA ist aber äußerst umstritten und in vielen Ländern - auch in Deutschland - verboten. Kritiker fürchten, dass sogenannte Designerbabys geschaffen werden könnten.

Beginn in wenigen Monaten?

Selbst die Miterfinderin der Gen-Schere CRISPR/Cas9, Emmanuelle Charpentier, forderte bereits im vergangenen Jahr ein Verbot von Keimbahn-Experimenten - also Versuchen an Zellen, die sich später zu Spermien oder Eizellen entwickeln. "Ich finde das nicht gut. Welchen Zweck hat es, menschliche Keimbahnzellen zu manipulieren?", fragte die Forscherin, die jetzt in Berlin arbeitet. Es sei besser, Keimbahn-Experimente zu untersagen als umständlich einzuschränken. Auch der deutsche Experte Prof. Hans Schöler bewertet die Entwicklung mit Skepsis. "Diese Forschung hat eine neue Qualität. Sie öffnet eine Tür, gezielt in die Keimbahn eines menschlichen Embryos einzugreifen", sagte der Leiter des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin in Münster. "Dass solche Eingriffe nicht durchgeführt werden, war bislang internationaler Konsens."

Mehrere britische Wissenschaftler begrüßten dagegen die Entscheidung der Behörde. Damit würden neue Einblicke in grundlegende Gen-Mechanismen gewonnen, sagte der Gynäkologe Peter Braude vom Londoner King's College. Der Biotechnologe Bruce Whitelaw vom Roslin Institute der Universität Edinburgh sagte, mit Hilfe des Projekts könnten Wege ausgelotet werden, unfruchtbaren Paaren zu helfen.

Bevor das Team um Dr. Kathy Niakan mit der Arbeit starten kann, muss noch eine britische Ethikkommission zustimmen. Deren Sprecherin sagte, die Entscheidung falle normalerweise nach 30 Tagen, höchstens aber nach 60 Tagen. Nach der ethischen Genehmigung soll das auf Genmanipulation basierende Forschungsprogramm innerhalb der nächsten Monate beginnen.

Quelle: n-tv.de

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