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Immer mehr ältere Menschen fühlen sich fit.
Immer mehr ältere Menschen fühlen sich fit.(Foto: picture alliance / dpa)
Samstag, 10. August 2013

Biomarkern auf der Spur: Das Altern ist nicht aufzuhalten

Von Jana Zeh

Fasten, Hormone oder blutige Eingriffe: Um möglichst langsam zu altern, nehmen Menschen einiges auf sich. Der Markt mit Anti-Aging-Angeboten blüht. Auch Forscher sind daran interessiert, zu verstehen, welche Mechanismen beim Altern im Körper ablaufen und finden Biomarker, die Antworten liefern könnten.

Der Traum von der ewigen Jugend ist so alt wie die Menschheit selbst. Den meisten geht es heute jedoch nicht darum, unter allen Umständen ewig zu leben, sondern vielmehr fit, gesund und zufrieden ein möglichst hohes Alter zu erreichen. Doch wie lässt sich diese Vorstellung umsetzen und kann man wirklich selbst Einfluss darauf nehmen?

An diesen Fragen zur Altersforschung arbeiten hunderte Forscher weltweit auf verschiedenen Gebieten und kommen zu immer neuen Erkenntnissen. Einer von ihnen ist Professor Karl Lenhard Rudolph, Leiter des Leibniz-Instituts für Altersforschung in Jena. Der Stammzellforscher geht dem Prozess des Alterns in den kleinsten menschlichen Teilen auf den Grund. Er konnte beweisen, dass sich die sogenannten Telomere, die Endstücke der Chromosomen, die sich bei jeder Zellteilung um einen Bruchteil verkürzen, zur Alterung von Geweben und Organen beitragen. Rudolph geht aufgrund seiner Erkenntnisse davon aus, dass die Länge der Telomere im direkten Zusammenhang mit dem biologischen Alter steht.

Telomere

Telomere sind die Endstücke der Chromosomen, die auch als "Zündschnüre des Todes" bezeichnet werden. Ihre Länge hängt mit der Möglichkeit der Zellteilung zusammen. Im Laufe des Lebens werden die Telomere von Zellteilung zu Zellteilung immer kürzer. Ist kaum noch etwas von ihnen übrig, muss die Zelle aufhören, sich zu teilen, denn sonst steht die Erbinformation völlig ungeschützt da und Fehler schleichen sich ein, die zu Krebs und anderen schwerwiegenden Fehlern führen können. 

"Anhand von verschiedenen Biomarkern kann man versuchen, das biologische Alter von Körpersystemen zu bestimmen", erklärt Rudolph in einem Gespräch mit n-tv.de. Zu diesen Biomarkern gehören die Telomere. "Bei Untersuchungen von Blutspendern konnte festgestellt werden, dass die Länge der Telomere im direkten Zusammenhang mit der tatsächlichen Lebenserwartung steht", erklärt Rudolph weiter. "Je kürzer also die Telomere waren, umso kürzer war auch das Leben der Spender." Eine genaue Jahreszahl oder Voraussagen zur konkreten Lebenserwartung konnten die Forscher anhand der Telomerenlänge aber nicht machen. Sie konnten aber feststellen, dass kurze Chromosomenden auch mit der Entstehung von lebensverkürzenden Krankheiten wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängen.

Gibt es ein Unsterblichkeitsenzym?

Die Frage, die sich für Menschen mit ausgeprägten Anti-Aging-Interessen jetzt stellt, lautet: Wie kann ich denn die Länge meiner Telomeren beeinflussen? "Gar nicht", sagt Rudolph knapp. Auch für die Meinung von Kollegen, dass man mit einem gesunden Lebensstil die Länge der Telomeren wieder erhöhen könne, gebe es keinen Beweis. Die Länge der Telomere hängt mit einer Reihe von aktuellen und lebenslangen Faktoren zusammen. Dennoch ist Rudolph einem Enzym auf der Spur, das die Verkürzung der Telomere in Stammzellen einschränkt, so dass ein Embryo mit langen Telomeren sein Leben beginnen kann. Das Enzym, die sogenannte Telomerase, wirkt jedoch nicht in den Körperzellen."Dieses Enzym in somatischen Zellen einzusetzen, birgt eine große Gefahr", erklärt der Stammzellforscher. "Denn Zellen, die sich immer wieder teilen können, tragen das große Risiko Mutationen anzuhäufen. So kann Krebs entstehen".

Dennoch bleibt die Forschung den Fragen des Alterns auf der Spur. So könnte die Bestimmung des biologischen Alters beispielsweise dazu beitragen, altersbedingte Erkrankungen vorzubeugen oder besser zu behandeln. "Wenn man weiß, welche biologischen Vorgänge Alterung bestimmen, dann kann man neue Therapien entwickeln." Das ist besonders vor dem Hintergrund interessant, dass immer mehr Menschen immer älter werden, allerdings auch immer häufiger unter zahlreichen altersbedingten Erkrankungen leiden.

"Heute kommt es immer wieder dazu, dass sich einige ältere Menschen nach einem schweren Eingriff nicht mehr erholen", weiß Rudolph. Aus diesem Grund könnte es in Zukunft beispielsweise von großem Interesse sein, vor einem invasiven Eingriff anhand von Biomarkern zu bestimmen, ob ein älterer Mensch noch genug Reserven zur Regeneration hat, denn nur dann kann er auch von dem Eingriff profitieren. Mit Hilfe von vielen Biomarkern, an denen sich verschiedene Alterungsprozesse ablesen lassen, kann für die jeweilige Person die beste Therapie ausgewählt werden.

Länge der Telomere bestimmbar

Es gibt derzeit zwei Firmen in der Welt, die die Vermessung der Telomeren anbieten. So wird beispielsweise bei Life Length aus Spanien damit geworben, dass das Wissen um die Länge der Telomeren eine gute Möglichkeit sei, das wahre Alter, also das biologische Alter einzuschätzen. Das wiederum sei ein "exzellenter Indikator für die allgemeine Gesundheit". Zudem lasse das Wissen um das eigene biologische Alter den Zusammenhang zwischen Lebensstil und dessen Auswirkungen auf Gesundheit und Alter besser erkennen und bei Bedarf korrigieren.

Wie sinnvoll eine solche Vermessung für Privatpersonen wirklich sein kann, ist unter Altersforscher umstritten. Es scheint jedoch ein reges Interesse daran zu geben. Bei allen Anti-Aging-Angeboten und Forschungsergebnissen bleibt jedoch eines klar: Das Alter kommt mit Sicherheit und es wird auch in Zukunft keine Formel und keinen Biomarker geben, um sicher voraussagen zu können, wie lange ein Mensch noch zu leben hat. Aber wer will das schon so genau wissen?

Quelle: n-tv.de

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