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Plötzliches hohes Fieber, das ist typisch für eine Grippe.
Plötzliches hohes Fieber, das ist typisch für eine Grippe.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

"Auch im März noch im Land": Deutschland kämpft mit der Grippe

Von Andrea Schorsch

Es ist - so beurteilen es Experten - eine starke Grippewelle, die Deutschland da gerade erfasst. Und sie erreicht offenbar allmählich ihren Höhepunkt. Kann eine Impfung jetzt noch helfen? Wie schützt man sich am besten vor einer Ansteckung? Und ist der Infekt, mit dem man sich gerade zur Arbeit schleppt, wirklich nur eine Erkältung? n-tv.de beantwortet die Fragen zur Grippe.

"Wir können nun von einer bundesweit starken Grippewelle sprechen", sagt Günther Dettweiler, Sprecher des Robert Koch-Instituts, angesichts der neuesten Grippezahlen. Immer mehr Grippefälle in Deutschland werden bekannt. Auch in den Süden der Republik ist die Influenza nun vorgedrungen.

Bundesweit sind seit Beginn der Saison im Spätherbst 21.200 Grippe-Erkrankungen gemeldet worden. Knapp die Hälfte davon geht auf das Konto des Schweinegrippe-Virus H1N1. Seit etwa 14 Tagen ist ein hohes Niveau mit mehr als 6000 Neuerkrankungen pro Woche erreicht. Ein allgemeines Abflachen der diesjährigen Grippewelle ist noch nicht in Sicht.

Ist es jetzt, auf dem Höhepunkt der Grippewelle, schon zu spät für eine Impfung?

Menschen mit Grunderkrankungen könnten eine Grippeimpfung auch jetzt noch mit ihrem Arzt besprechen.
Menschen mit Grunderkrankungen könnten eine Grippeimpfung auch jetzt noch mit ihrem Arzt besprechen.(Foto: picture alliance / dpa)

"Der beste Zeitpunkt für die Impfung war im Oktober und November letzten Jahres", sagt Dettweiler gegenüber n-tv.de. "Es dauert rund 14 Tage, bis sich ein Impfschutz aufgebaut hat." Doch denjenigen, die zu den Risikogruppen gehören und die durch Grunderkrankungen, etwa des Herz-Kreislauf-Systems oder des Immunsystems, besonders gefährdet sind, empfiehlt der Experte, eine Impfung auch jetzt noch mit dem Arzt zu besprechen. Denn, so Dettweiler: "Wir müssen schon damit rechnen, dass die Grippe auch noch im März im Land ist."

Für wen ist eine Grippeschutzimpfung besonders angeraten?

Das Robert Koch-Institut empfiehlt die Impfung besonders Schwangeren, chronisch Kranken sowie Menschen, die älter sind als 60 Jahre. Denn bei diesen Gruppen besteht das Risiko, dass die Grippe mit Komplikationen einhergeht - etwa mit einer Lungenentzündung.

Bietet eine Impfung hundertprozentigen Schutz?

Nein. Gerade ältere Menschen, deren Immunsystem generell weniger gut auf Impfungen anspricht, können trotz Impfung an Influenza erkranken. Allerdings nimmt die Grippe dann möglicherweise einen milderen Verlauf.

Wie lässt sich das Immunsystem stärken, sodass die Grippe möglicherweise abgewendet werden kann?

"Eine gesunde Lebensweise mit Sport und bewusster Ernährung ist immer gut, kann aber eine Infektion natürlich nicht verhindern", sagt Dettweiler. Grundsätzlich sei "die Impfung das Mittel der Wahl."

Wie steckt man sich mit Grippe an? Und wie verhindert man das?

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Um eine Ansteckung zu verhindern, sind bestimmte Hygienemaßnahmen wichtig, denn das Grippevirus wird über eine Tröpfcheninfektion übertragen. "Solche Maßnahmen sind insbesondere häufiges Händewaschen (das Virus befindet sich auch auf Gegenständen und Türklinken) und sich von Infizierten fernhalten", so Dettweiler. "Wenn man infiziert ist, sollte man Kontakte zu Menschen möglichst vermeiden, niemanden anniesen oder anhusten und nicht in die Hand, sondern in den Ellenbogen niesen und husten. Auch für Infizierte gilt: Häufiges Händewaschen ist eine wichtige Maßnahme."

Woran merkt man, dass man nicht bloß erkältet ist, sondern eine Grippe hat?

Eine Grippe verläuft schwerer als ein grippaler Infekt. Die Influenza beginnt typischerweise mit einem ausgeprägten Krankheitsgefühl. Nachmittags fühlt man sich vielleicht schon etwas angeschlagen, abends aber ist man dann so schlapp, dass man kaum mehr die Treppe zur Wohnung hochkommt. Auch hohes Fieber setzt plötzlich ein. Hinzu kommen trockener Reizhusten, Halsschmerzen, Muskelschmerzen, Kopfweh. Weitere Symptome können Schweißausbrüche, Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfall sein. Der Körper signalisiert vor allem eines: Jetzt ist Bettruhe angesagt.

Wie lange hat man – einmal erkrankt – mit der Grippe zu kämpfen?

Verläuft sie ohne Komplikationen, halten sich Fieber und Husten etwa eine Woche lang. Danach kann es noch weitere zwei bis drei Wochen dauern, bis man wieder zu Kräften kommt.

Ist eine Grippe wirklich so schlimm?

"Die echte Grippe ist eine schwere Erkrankung", sagt Dettweiler. Grippewellen verlaufen von Jahr zu Jahr unterschiedlich stark. In dieser Saison sprechen Experten von einer starken Grippewelle, wohingegen die im Winter 2011/12 ungewöhnlich mild ausfiel. Wie schwer eine Grippewelle verlaufen wird, lässt sie nie vorhersagen. Das individuelle Risiko, schwer an Influenza zu erkranken, wird davon aber auch nicht beeinflusst. Viele Menschen unterschätzen die Auswirkungen der Grippe. Allein in Deutschland sterben jährlich 5000 bis 8000 Patienten an Influenza.

Quelle: n-tv.de

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