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Nur ein einziges Gen ausgeschaltetEierstöcke in Hoden verwandelt

11.12.2009, 11:01 Uhr

Durch das Ausschalten nur eines Gens lassen sich bei Mäusen die ausgereiften Eierstöcke in Hoden verwandeln. Diese produzieren zwar keine Samen, wohl aber das männliche Geschlechtshormon Testosteron.

Penis
(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Durch das Ausschalten nur eines Gens lassen sich bei Mäusen die ausgereiften Eierstöcke in Hoden verwandeln. Diese produzieren zwar keine Samen, wohl aber das männliche Geschlechtshormon Testosteron, berichten Wissenschaftler um Henriette Uhlenhaut vom European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg. Ihre Untersuchung zeige, dass Eierstöcke während des gesamten Lebens aktiv daran wirken, Eierstöcke zu bleiben. Möglicherweise könnten die Erkenntnisse bei der Behandlung der vorzeitigen Menopause und bei bestimmten Sexualentwicklungsstörungen von Kindern helfen.

Hoden und Eierstöcke entwickeln sich beim Embryo aus den zunächst neutralen Keimdrüsen. Bei männlichen Embryos schaltet ein SRY genanntes Gen auf dem Y-Chromosom ein weiteres Gen namens Sox9 an, wodurch dann die Entwicklung der Keimdrüsen in Hoden eingeleitet wird. Fehlen SRY oder Sox9, entwickeln sich die Keimdrüsen zu einem Eierstock. Soweit die bisherige Erkenntnis. Uhlenhaut und ihre Mitarbeiter zeigten nun, dass bei weiblichen Mäusen Sox9 dauerhaft unterdrückt werden muss, um eine Verwandlung in Hoden zu verhindern.

Gene wie Yin und Yang

Verantwortlich für diese Unterdrückung von Sox9 ist ein Gen namens FOXL2. Schalteten die Forscher FOXL2 bei ausgewachsenen Mäusen aus, wurde schlagartig das auch bei weiblichen Tieren vorkommende Sox9-Gen aktiv. Eierstock-spezifische Zellen verwandelten sich in Hoden-typische Zellen und begannen Testosteron zu produzieren. Die Testosteron-Konzentration war in etwa so hoch wie bei normalen männlichen Mäusen. Wie Yin und Yang stehen sich die Wirkungen von FOXL2 und SOX9 gegenüber; gemeinsam sorgen sie dafür, das die jeweiligen weiblichen und männlichen Zelltypen gebildet und aufrechterhalten werden, schreiben die Forscher.

Quelle: dpa