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Über Jahrzehnte hinweg lagerten sich die Schadstoffe im Eis ab.
Über Jahrzehnte hinweg lagerten sich die Schadstoffe im Eis ab.(Foto: picture alliance / dpa)

Gefahr durch arktische Erwärmung: Eisschmelze setzt Gifte frei

In arktischen Eisschichten gespeicherte Schadstoffe gelangen durch die Erderwärmung wieder in die Atmosphäre. Dort hat die Konzentration von Giften in den letzten Jahren abgenommen. Doch das schmelzende Eis, das viele Schadstoffe gebunden hat, gibt diese nun allmählich wieder frei.

Als Folge des Klimawandels setzt das schmelzende Eis der Arktis giftige Chemikalien wieder frei, die dort über Jahrzehnte hinweg abgelagert wurden. Diesen Trend gibt es bereits seit etwa zwei Jahrzehnten, schreibt ein Team um Roland Kallenborn vom norwegischen Institut für Luftforschung in Kjeller im Journal "Nature Climate Change".

Im Fokus der Gruppe stehen langlebige organische Schadstoffe (POP, persistent organic pollutions). Diese künstlichen Kohlenstoffverbindungen enthalten häufig Chlor, werden in der Natur nicht abgebaut und sammeln sich daher an. Insektengifte und Industriechemikalien gehören dazu. Einmal in die Atmosphäre gelangt, werden sie weltweit verteilt. In der Arktis gehen sie mit den Niederschlägen wieder zur Erde und werden in den Eisschichten gespeichert.

Freisetzung mit Folgen

Die Konzentration vieler POPs sind in den vergangenen Jahrzehnten indes zurückgegangen, weil Produktion und Gebrauch eingeschränkt wurden, erklärte Kallenborn. Zusammen mit seinen kanadischen Kollegen untersuchte er die Daten der POP-Messungen in der Arktis. Die beiden Datenreihen stammen von Messstationen auf Spitzbergen und in Kanada. "Wir haben die Aufzeichnungen über die tatsächlichen POP-Konzentrationen seit den frühen 1990er Jahren mit Simulationen verglichen, die den Einfluss des Klimawandels auf die POP-Verteilung beschreiben", erklärte Kallenborn.

Die Resultate zeigten, dass eine große Zahl verschiedener Chemikalien wieder in der Arktis-Atmosphäre freigesetzt wurden. Dies bestätige, dass die arktische Erwärmung die globalen Anstrengungen zum Schutz vor den Giften unterminiere. Diese haben zahlreiche Folgen, einige ahmen die Wirkung von Hormonen nach, andere führen zu Verhaltensstörungen oder schädigen das Immunsystem.

Quelle: n-tv.de

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