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Wie alt man sich im Alter fühlt, ist individuell verschieden.
Wie alt man sich im Alter fühlt, ist individuell verschieden.(Foto: picture alliance / dpa)

Lebensstil entscheidender als Gene: Wie man erfolgreich altert

Von Jana Zeh

Alle Menschen altern im Laufe ihres Lebens. Dieser komplexe Prozess, der in jedem Körper abläuft, soll jedoch so sanft wie möglich vonstatten gehen, damit man sich auch im fortgeschrittenen Alter wohl und fit fühlt. Inwieweit jeder selbst Einfluss auf die Lebensqualität im Alter hat und was Ärzte tun können, um das Altern aufzuhalten, erfahren Sie hier.

Routine macht das Leben länger. Richtig, aber …

Mit Routine ist nicht stupide Fließbandarbeit gemeint.
Mit Routine ist nicht stupide Fließbandarbeit gemeint.(Foto: picture alliance / dpa)

Bekannt ist, dass unregelmäßige Lebensführung, bedingt durch Schicht- und Nachtarbeit, aber auch dauerhafter Stress das Leben verkürzt. Durch routinierte Abläufe dagegen kann nicht nur Zeit eingespart werden. Auch die Lebenserwartung kann sich durch ein gewisses Maß an Gleichmäßigkeit verlängern. So fühlen sich viele Menschen mit festen Tagesabläufen und immer wiederkehrenden Ritualen sicher und geborgen. Der Stresspegel für sie ist normalerweise geringer als beispielsweise bei Personen, die sich in den ersten Wochen an einem neuen Arbeitsplatz bewähren müssen. Dennoch besteht in der Routine die Gefahr der Langenweile und des Abstumpfens. Denn auch zu viel Langeweile kann zu Stress und Unzufriedenheit führen. Es ist also ratsam, täglich ein paar Sachen anders zu machen als gewöhnlich. So wird das Leben mit einer guten Prise Abwechslung gewürzt. Solange diese nicht zum Stress wird, hält sie jung.

Wer jünger aussieht, lebt im Allgemeinen auch länger. Richtig!

Menschen, die jünger aussehen, als sie ihrem tatsächlichen Alter nach sind, haben auch ein längeres Leben zu erwarten. Das haben Forscher der Universität von Süddänemark in Odense und des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock herausgefunden. Sie hatten Bilder von insgesamt 1826 Zwillingen, die mindestens 70 Jahre alt waren, gemacht und diese den Probanden vorgelegt. Die Testteilnehmer sollten nun das Alter der abgebildeten Personen beurteilen. Sieben Jahre später überprüften die Wissenschaftler, wer von den Zwillingen noch lebte. Die Ergebnisse fielen eindeutig aus. Vor allem die Personen, die als jünger aussehend eingestuft worden waren, lebten auch noch.

Das Altern kann man gar nicht beeinflussen. Das ist alles genetisch vorbestimmt. Falsch, aber …

Sport gilt als Jungbrunnen - solange er moderat und regelmäßig betrieben wird.
Sport gilt als Jungbrunnen - solange er moderat und regelmäßig betrieben wird.(Foto: picture alliance / dpa)

Man geht heute davon aus, dass zu 25 bis 30 Prozent die Gene und zu 70 bis 75 Prozent der Lebensstil Einfluss auf das Altern haben, allerdings nur bis zum 80. Lebensjahr. Dann rücken die genetischen Voraussetzungen von Jahr zu Jahr mehr in den Vordergrund. Durch den Lebensstil, so sind sich die Mediziner und Forscher sicher, kann man die Lebenszeit um Jahre nach oben oder nach unten verschieben.

Wer schneller geht, lebt länger. Richtig!

Menschen mit schnellem Schritt leben auch länger, das haben Forscher am Medizinischen Zentrum der Universität Pittsburgh in den USA herausgefunden. Mit einem einfachen Versuch testeten sie die Gehgeschwindigkeit von älteren Menschen ab 65 Jahren und verglichen diese mit deren Lebenserwartung. Sie konnten die durchschnittliche Gehgeschwindigkeit der Probanden berechnen und kamen auf einen Wert von 0,92 Metern pro Sekunde. Alle Studienteilnehmer, die schneller waren als der Durchschnitt, also einen Meter pro Sekunde erreichten, hatten auch eine höhere Lebenserwartung, so die Wissenschaftler. Das bedeutet aber nicht, dass man durch schnelleres Gehen seine Lebenserwartung maßgeblich beeinflussen kann. Die natürliche Gehgeschwindigkeit ist eher ein Indikator dafür, wie funktionstüchtig die verschiedenen Organsysteme bei älteren Menschen noch sind.

Der menschliche Körper altert gleichmäßig. Falsch!

Jedes Gewebe altert anders. Der Stoffwechsel beispielsweise altert, indem er sich mit den Jahren verlangsamt. Die Aterien beginnen zu verkalken, Knochen werden dünner und brüchiger, die Muskelmasse nimmt mit zunehmendem Alter ab. Als gut nachvollziehbares Beispiel für unterschiedliches Altern steht die Haut. "Wer raucht und oft in die Sonne geht, dessen Haut altert wesentlich schneller als bei anderen" erklärt Professor Karl Lenhard Rudolph, Leiter des Leibniz-Instituts für Altersforschung in Jena. Die Haut verliert durch die schädlichen Einflüsse viel schneller ihre Elastizität, Falten entstehen und man sieht schnell älter aus, als man tatsächlich ist.

Egal, was man macht, das Altern geht an niemandem vorbei. Richtig!

Jeder muss sich mit dem Älterwerden auseinandersetzen.
Jeder muss sich mit dem Älterwerden auseinandersetzen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Man darf sich trotz aller Maßnahmen und Motivation nicht vormachen, dass man dem Alter entkommen könnte", betont Rudolph. Der Alterungsprozess beginnt ja quasi schon kurz nach der Geburt und führt nach vielen Jahren dazu, dass Organfunktionen nachlassen, dass das Risiko für Krankheiten ansteigt und dass die Leistungsfähigkeit nachlässt. Das alles ist durch gesundheitsbewusstes Leben zwar beeinflussbar, aber immer nur in einem bestimmten Rahmen. "Der Traum vom ewigen Leben wird auch in Zukunft eine Illusion bleiben", so Rudolph weiter. Das beste Mittel, um erfolgreich zu altern, ist,sich regelmäßig moderate Bewegung zu verschaffen. Denn wer sich regelmäßig bewegt, der ernährt sich meistens auch bewusst, raucht nicht (mehr), fühlt sich wohl und hat viele Sozialkontakte.

Wer drei Mal in der Woche das Abendessen ausfallen lässt, lebt länger. Vielleicht!

Es gibt viele Untersuchungen zu den Auswirkungen von langfristiger Kalorienreduzierung, in der medizinischen Fachsprache auch als Kalorienrestriktion bezeichnet. "Bei Würmern, Fliegen und Mäusen konnte bisher gezeigt werden, dass die Reduzierung der Kalorien tatsächlich zu einer Lebensverlängerung führt. Bei Primaten allerdings scheint das nicht so zu sein", erklärt Rudolph. In zwei voneinander unabhängigen Studien konnte bisher gezeigt werden, dass eine langfristige Kalorienreduzierung in Bezug auf die Lebenserwartung lediglich bei übergewichtigen Affenpopulationen wirkt. Bei normalgewichtigen Affen dagegen scheint es keine lebensverlängernden Effekte zu geben.

Resveratol macht das Leben länger. Falsch!

Welche Wirkungen sogenannte Anti-Oxidantien haben, zu denen Resveratol gehört, wird seit einigen Jahren genau untersucht. Bisher konnte jedoch keine eindeutige Aussage über die zusätzliche Einnahme von Anti-Oxidantien gemacht werden. Es wird sogar vermutet, dass sich hohe Dosen zugeführter Anti-Oxidantien gesundheitsschädlich auswirken könnten und damit den Alterungsprozess ankurbeln. Anti-Oxidantien wirken viel besser, wenn sie natürlich und über die Nahrung eingenommen werden. Resveratol zum Beispiel steckt im Rotwein, aber auch im roten Traubensaft. Doch auch hier kann ein Übermaß über einen langen Zeitraum Schäden anrichten.

Regelmäßige Blutspenden können das Leben verlängern. Vielleicht!

Wie oft man im Jahr Blutspenden darf und unter welchen Voraussetzungen, ist genau festgelegt.
Wie oft man im Jahr Blutspenden darf und unter welchen Voraussetzungen, ist genau festgelegt.(Foto: picture alliance / dpa)

Schon in der Antike galt der Aderlass als reinigendes und vorbeugendes Mittel gegen eine Reihe von Krankheiten. Heute weiß man, dass sich durch eine Blutspende der Gesamtgehalt an Eisen im Blutkreislauf und der Blutdruck verringert. Eisen wird im Körper nicht nur für den Sauerstofftransport im Blut gebraucht, sondern kann auch reaktive Oxidantien bilden. Diese wiederum greifen die Gefäßwände an und können sie nachhaltig schädigen. Eine Eisenreduzierung durch eine kontrollierte Blutentnahme könnte also durchaus eine lebensverlängernde Maßnahme sein. Die klinischen Studien und Belege dafür fehlen jedoch noch. Von Selbstversuchen ist deshalb dringend abzuraten.

Die Einnahme von Hormonen kann das Leben verlängern. Vielleicht!

Die Annahme, dass die Gabe von bestimmten Hormonen eine lebensverlängernde Wirkung haben könnte, stützt sich auf die Tatsache, dass im Laufe des Lebens die Produktion einer Vielzahl von Hormonen im menschlichen Körper allmählich abnimmt. Der wissenschaftliche Nachweis für lebensverlängernde Wirkungen von Hormonen ist jedoch schwer zu führen. Lediglich die lebensverlängernde Wirkung von Hormongaben bei hormonbedingtem Hoden-, Prostata- oder Brustkrebs kann heute einwandfrei belegt werden. Anti-Aging-Ärzte gehen davon aus, dass Hormone nicht objektiv, sondern eher subjektiv das Altern verlangsamen können. Denn durch die Hormongabe kann sich ein sogenannter Wellbeing-Effekt einstellen, der das Leben im fortgeschrittenen Alter einfach schöner macht. Darüber hinaus kann die langfristige Einnahme von Hormonen auch das Krebsrisiko erhöhen. Eindeutige wissenschaftliche Belege und die Klärung von eventuellen Nebenwirkungen fehlen bisher jedoch.

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Quelle: n-tv.de