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Sind die Zecken alt genug, lauern sie auf Grashalmen oder Blättern.
Sind die Zecken alt genug, lauern sie auf Grashalmen oder Blättern.(Foto: picture alliance / dpa)

Gleich absuchen und entfernen: Zecken lauern im Gras

Von Jana Zeh

Zecken sind von Experten als die gefährlichsten Tiere Deutschlands eingestuft worden. Die winzigen Blutsauger übertragen gefährliche Krankheitserreger. Wahrscheinlich kursieren deshalb so viele Geschichten über sie. Welche stimmen und welche nicht, erfahren Sie hier.

Zecken fallen von den Bäumen.

"Besser gesagt, aus einem Nest" sagt Olaf Kahl, Biologe und Betreiber von zeckenwetter.de . "Es gibt nämlich Vogelzecken, die in Vogelnestern leben und durchaus auf Bäumen vorkommen und vielleicht auch einmal runterfallen. Diese stechen in der Regel aber nicht den Menschen", so der Experte weiter. "Der Gemeine Holzbock, die weitaus häufigste einheimische Zeckenart in unseren Breiten, tut dies allerdings niemals." Auf den Bäumen würde er nämlich gar nicht die geeigneten Lebensräume vorfinden. Die Zecken, die auch den Menschen als Wirt befallen, bevorzugen feuchte Stellen." Als Wald- und Waldrandbewohner verbringt der Gemeine Holzbock einen großen Teil seines Lebens geschützt im Laub. Wird er aktiv, um sich ein Opfer zu suchen, dann erklettert er Grashalme und andere Bodenpflanzen. Streift nun ein Wirt die Zecke, dann hält sie sich blitzschnell mit den Krallen an ihren Vorderbeinen an ihm fest. Der Mythos, dass Zecken von den Bäumen fallen, konnte sich so hartnäckig halten, weil sie sich auch auf dem Kopf, im Nacken oder hinter den Ohren festsaugen. "Zecken bevorzugen Hautstellen, die nicht stark dem Licht ausgesetzt sind, und dazu gehört auch der Kopf unter den Haaren", so der Biologe.

Zecken beißen sich in der Haut fest.

Erst einmal in der Haut, ist es ziemlich schwer, die Zecke wieder loszuwerden.
Erst einmal in der Haut, ist es ziemlich schwer, die Zecke wieder loszuwerden.(Foto: picture alliance / dpa)

Falsch. Zecken beißen nicht, sondern stechen in die Haut ihres Opfers. Dafür benutzen sie ihre scharfkantigen Mundwerkzeuge. Doch bevor die Zecke die Haut damit anritzt, betäubt sie diese mit einem Mittel, das sie im Speichel hat. Anschließend bohrt die Zecke ihren Stechrüssel in die Haut ihres Opfers. Dieses bekommt von all dem jedoch nichts mit. Ist die Zecke so weit gekommen, sichert sie sich auf zwei verschiedene Arten, um auch nach dem Blutsaugen nicht wieder abzufallen. Zum einen verankert sie sich, indem sie bewegliche Teile der Mundwerkzeuge querstellt. Zum anderen produziert sie nach dem Einstechen mithilfe ihres Speichels ein "Saugrohr", mit dem sich die Zecke recht fest verankert.

Bekleidung ist der sicherste Zeckenschutz.

"Stimmt, allerdings nur, wenn man einen Ganzkörpergummianzug tragen würde", sagt der Experte lachend. Dennoch könne Kleidung als Schutz vor Zecken zweckmäßig sein. Einen absoluten Schutz vor Zeckenstichen allerdings gebe es auch durch Bekleidung nicht, so Kahl weiter. Das Tragen von langen Hosen, die zusätzlich in die Socken gesteckt werden, schützt nicht vor Zecken, sondern verlängert nur die Zeit, bis die Zecke auf die nackte Haut gelangt. "Man kommt nicht drum herum - egal, ob feste Schuhe oder Sandalen - sich selbst und die Kleidung noch beim oder kurz nach dem Waldbesuch oder Spaziergang durch hohes Gras oder durch den Wald nach Zecken abzusuchen", so Kahl. Auf heller Kleidung kann man die Tiere besser erkennen als auf dunkler. Tennissocken sind nicht nur hell, sondern auch etwas dicker und höher als andere und eignen sich deshalb besonders. Die Verwendung von sogenannten Repellentien, also Mitteln, die Insekten fern halten sollen, können die Tiere zusätzlich auf Abstand halten, da sie ihre Opfer auch über den Geruch finden. Aber auch diese sind kein absoluter Schutz gegen Zeckenstiche.

Wer geimpft ist, muss keine Angst mehr vor Zecken haben.

Falsch! Bisher gibt es nur eine durch Zecken übertragene Erkrankung, gegen die man sich impfen lassen kann, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). In Risikogebieten ist die FSME-Impfung der sicherste Schutz gegen diese schwerwiegende neurologische Erkrankung. Aus diesem Grund wird sie auch potenziell gefährdeten Einwohnern und Besuchern dieser Gebiete empfohlen. Doch auch die Impfung bietet keine hundertprozentige Sicherheit vor Infektionen, denn Zecken können neben dem FSME-Virus auch andere Krankheitserreger auf den Menschen übertragen. Die Erreger der Lyme-Borreliose, einer bakteriellen Infektionskrankheit, gehören in Deutschland dazu.

Jede Zecke ist gefährlich für den Menschen.

Falsch. Nicht jede Zecke trägt Krankheitserreger in sich. So kann auch nicht jede Zecke eine Krankheit übertragen. Etwa jede dritte bis fünfte Zecke in Deutschland hat Borrelien in sich. In sogenannten FSME-Risikogebieten sind ein bis fünf Prozent mit den Viren infiziert. Dennoch wurden Zecken zu den gefährlichsten Tieren in Deutschland erklärt, denn die übertragenen Krankheiterreger können zu schwerwiegenden gesundheitlichen Einschränkungen beim Menschen führen. Bei ein bis zwei Prozent der FSME-Erkrankten führt die Infektion sogar zum Tod.

Zecken müssen schnell entfernt werden, dann hat man auch nichts zu befürchten.

So kann eine Wanderröte nach einem Zeckenstich aussehen.
So kann eine Wanderröte nach einem Zeckenstich aussehen.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Hat sich eine Zecke erst einmal festgesetzt, sollte sie so schnell wie möglich entfernt werden. Je länger eine Zecke saugt, umso größer ist die Gefahr, dass sie Krankheitserreger überträgt. Während die Zecke das Blut aufsaugt, filtert sie die für sie nahrhaften Bestandteile heraus. Den Rest gibt sie über den Speichel wieder an ihren Wirt zurück. Dieser Vorgang wiederholt sich so lange, bis die Zecke vollgesaugt ist und sich fallen lässt. Das dauert ein paar Tage. Die Borrelien befinden sich zunächst im Mitteldarm der Zecke. Erst im Verlauf der Blutmahlzeit wandern sie in die Speicheldrüsen der Tiere und von dort schließlich in die Wunde des Wirts. So kommt es zu einer Infektion. "In den ersten 12 Stunden nach dem Zeckenstich kommt es nur sehr selten zu einer Übertragung der Borreliose-Erreger. Nach 24 Stunden dagegen geht das Infektionsrisiko steil nach oben", weiß Kahl. Die FSME-Viren dagegen gelangen mit dem Einstich über den Speichel der Zecke direkt in den Blutkreislauf ihres Wirts. Doch auch hier ist frühes Entfernen von Nutzen, da so weniger Viren insgesamt übertragen werden. Eine Garantie für eine Nichtinfektion gibt es jedoch auch hier nicht.

Zecken dürfen nur mit Zeckenzangen oder vom Arzt entfernt werden.

Falsch. Entdeckt man eine Zecke auf dem Körper, sollte man sie so schnell wie möglich mit den vorhandenen Mitteln entfernen. Fingernägel können genauso gut sein wie eine Pinzette oder eine Zeckenzange. "Die Zecke trägt nicht umsonst auch den Namen Gemeiner Holzbock. Sie lebt nah am Holz und ist, erst einmal in der Haut, ziemlich bockig", erklärt Kahl mit einem Zwinkern. Das Entfernen von Zecken kann eine hartnäckige Aufgabe sein. "Viele Menschen haben Angst, etwas beim Herausziehen falsch zu machen", erzählt Kahl. Doch es gibt keine wissenschaftliche Untersuchung, die beweist, dass die unsachgemäße Entfernung der Blutsauger zu einem erhöhten Infektionsrisiko führen kann. "Wir haben mit Borrelien infizierte Zecken auf Versuchstiere gesetzt und diese auf verschiedene Arten entfernt", so Kahl. "Dabei konnten wir keine Unterschiede beim Infektionsrisiko nach einer sachgemäßen Entfernung oder nach einer unbeholfenen Art und Weise feststellen. Also lieber beherzt zugreifen, als Stunden vergehen lassen", rät Kahl.

Am besten entfernen lassen sich Zecken mit bekannten Hausmitteln wie Öl und Klebstoff.

Falsch. Die Anwendung von Öl, Klebstoff oder Nagellack können nichts ausrichten. Hin und wieder wird sogar vor der Anwendung dieser Mittel gewarnt. Immer noch am besten ist es, mit einer spitzen Pinzette oder einer Zeckenzange mit möglichst ruhiger Hand ganz nah an der Haut die Zecke an den stabilen Mundwerkzeugen zu packen und herauszuziehen. Wenn man sich aus Angst dieser Situation nicht gewachsen fühlt, dann sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen. Doch auch dann kann es passieren, dass ein Stück der Zecke in der Haut bleibt, denn eine Zecke rückstandslos zu entfernen, ist fast eine Kunst.

Wenn der Kopf in der Haut stecken bleibt, ist das gefährlich.

Falsch. Meistens ist es nicht der Kopf, der stecken bleibt, sondern der Saugrüssel der Tiere. Man sollte dann nicht weiter puhlen, sondern einfach Zeit vergehen lassen. Der Körper entledigt sich nach einer gewissen Zeit selbstständig von dem Fremdkörper. Auch der Arzt kann weiterhelfen. Prinzipiell sollte man sich notieren, wann man einen Zeckenstich hatte und die Stelle noch einige Zeit beobachten. Bildet sich ein anwachsender roter Rand oder die sogenannte Wanderröte nach ein paar Tagen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Quelle: n-tv.de