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Dieses Ereignis soll Schockwellen durch Raum und Zeit ausgesandt haben: Einer der Ligo-Wissenschaftler führt auf der Bühne den Zusammenstoß zweier Schwarzer Löcher in der Videografik vor.
Dieses Ereignis soll Schockwellen durch Raum und Zeit ausgesandt haben: Einer der Ligo-Wissenschaftler führt auf der Bühne den Zusammenstoß zweier Schwarzer Löcher in der Videografik vor.(Foto: REUTERS)

Sensationserfolg in der Wissenschaft: Forscher weisen Gravitationswellen nach

Ein internationales Team aus Astrophysikern enthüllt spektakuläre Ergebnisse: Die Forscher halten nach eigenen Angaben erstmals Beweise für die von Albert Einstein vor 100 Jahren vorhergesagten Gravitationswellen in Händen.

Weltraumforscher haben nach eigenen Angaben die von Albert Einstein vorhergesagten Gravitationswellen erstmals direkt nachgewiesen. Die Astrophysiker vom Ligo-Observatorium in den USA präsentierten in Washington ihre nach Einschätzung von Beobachtern nobelpreisverdächtige Entdeckung.

Am Ligo-Erfolg beteiligt: Forschungsgruppenleiter Hartmut Grote im Kontrollraum vom Gravitationswellendetektor GEO600 in Ruthe bei Hannover.
Am Ligo-Erfolg beteiligt: Forschungsgruppenleiter Hartmut Grote im Kontrollraum vom Gravitationswellendetektor GEO600 in Ruthe bei Hannover.(Foto: dpa)

Gravitationswellen entstehen insbesondere, wenn große Objekte - wie etwa Sterne - beschleunigt werden. Die Wellen stauchen und strecken den Raum. Nach jahrzehntelanger Suche konnten die Experten am Ligo-Observatorium erstmals Gravitationswellen direkt beobachten. Damit konnten sie die 100 Jahre alte Vorhersage von Einstein bestätigen.

France Cordova von der Nationalen Forschungsstiftung der Vereinigten Staaten (NSF) sprach von der "Geburt eines völlig neuen Bereichs in der Astrophysik". Die nobelpreisverdächtige Entdeckung sei vergleichbar mit dem Moment, als Galileo Galilei im 17. Jahrhundert das erste Mal sein Fernrohr gen Himmel gerichtet habe.

Deutsche Experten halfen mit

Mit dem Gravitationswellen-Observatorium Ligo in den USA fingen die Astrophysiker die Signatur zweier verschmelzender Schwarzer Löcher auf, wie das Ligo-Konsortium bei einer live im Internet übertragenen Veranstaltung berichtete. An der Entdeckung waren auch deutsche Forscher beteiligt. Im Forschungsprojekt GEO600 in Ruthe bei Hannover zum Beispiel wurden entscheidende technische Komponenten entwickelt und erprobt, die im Gravitationswellen-Observatorium "Ligo" in den USA zum Einsatz kommen. Der deutsche Gravitationswellendetektor GEO600 wird vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik und verschiedenen Universitäten betrieben.

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Gravitationswellen entzogen sich bislang jeder Messung: Die Wellen sind zwar laut Einstein umso stärker, je größer die Masse eines Himmelskörpers ist. Allerdings sind sie selbst bei gigantischen Schwarzen Löchern in einiger Entfernung immer noch so klein, dass sie erst jetzt mit einem verfeinerten Spezialinstrument nachgewiesen werden konnten.

Der Nachweis der Existenz von Gravitationswellen gelang den Angaben zufolge am 14. September von den beiden Laserdetektoren des Ligo-Observatoriums, die in den US-Bundesstaaten Louisiana und Washington stehen. Die winzigen Wellen sind Verzerrungen der Raumzeit, die bei äußerst energiereichen Ereignissen im Universum entstehen - beispielsweise bei Explosionen von Riesensternen oder durch zusammenstoßende schwarze Löcher. Anschließend sausen sie mit Lichtgeschwindigkeit ungebremst durchs All.

Keine Zweifel am direkten Nachweis

Das Signal sei sehr deutlich und lasse keine Zweifel am direkten Nachweis der Gravitationswellen, betonte der geschäftsführende Direktor des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik in Hannover und Potsdam, Bruce Allen. Zwei Wissenschaftler seiner Gruppe in Hannover hätten das Signal als erste bemerkt, sagte er.

Mit der Möglichkeit, Gravitationswellen direkt zu beobachten, stehe nun ein fundamental neues Werkzeug zur Erforschung des Universums zur Verfügung, betonte Allens Kollegin Alessandra Buonanno, Direktorin am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Potsdam.

Die Wissenschaftler beschreiben ihre Entdeckung im renommierten Fachblatt "Physical Review Letters". Zuvor gab es nur indirekte Hinweise auf Gravitationswellen. Frühere Meldungen über einen direkten Nachweis hatten sich bislang als nicht haltbar erwiesen.

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Quelle: n-tv.de

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