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Eine Fracking-Anlage bei Troy in Pennsylvania, USA.
Eine Fracking-Anlage bei Troy in Pennsylvania, USA.(Foto: picture alliance / dpa)

Studie stellt Zusammenhang her: Fracking erhöht die Radon-Belastung

Radon ist ein radioaktives Gas, das in manchen Quellen und im Erdreich vorkommt. Und es ist die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Eine Studie zeigt nun, dass die Radon-Belastung in Wohnhäusern steigen kann – durch Fracking.

Fracking kann in manchen Gebieten die Radon-Belastungen in Gebäuden erhöhen – so das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie. Radon ist ein radioaktives Gas und in den USA wie in Deutschland zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Im US-Staat Pennsylvania fanden Forscher erhöhte Werte dieses Gases und brachten sie mit Fracking in Verbindung.

Das Grundgestein im Osten von Pennsylvania, der sogenannte Reading Prong, ist bekannt für hohe Uranwerte und damit einhergehend auch für hohe Radon-Konzentrationen. Das farb- und geruchlose Gas, das eine Halbwertzeit von knapp vier Tagen hat, kann normalerweise aus dem Untergrund etwa durch Erdspalten oder gelöst in Wasser an die Oberfläche und auch in Gebäude gelangen, wo es sich ansammeln kann. In den USA wird Radon für jährlich etwa 21.000 Todesfälle durch Lungenkrebs verantwortlich gemacht. In Deutschland, wo in Regionen wie Erzgebirge, Fichtelgebirge oder Schwarzwald ebenfalls hohe Werte vorkommen können, gehen Experten von knapp 2000 Toten pro Jahr aus.

Mit den Bohrungen stiegen die Radon-Werte

Was ist Fracking?

Bei dem Verfahren wird Gestein in großer Tiefe unter hohem hydraulischen Druck aufgebrochen. Dazu wird in der Regel ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien durch Bohrlöcher in die jeweilige Zielschicht gepresst. Dadurch entstehen Risse im Gestein, durch die Erdgas entweichen und dann mit Rohren an die Oberfläche befördert werden kann. Einer ersten Abschätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zufolge werden die technisch förderbaren Schiefergasmengen in Deutschland auf 0,7 bis 2,3 Billionen Kubikmeter beziffert. Das ist der Bundesanstalt zufolge ein Vielfaches der konventionellen Erdgasreserven in Deutschland.

Die Wissenschaftler um Brian Schwartz von der Johns Hopkins University School of Public Health in Baltimore (US-Staat Maryland) werteten, wie im Fachblatt "Environmental Health Perspectives" dargestellt, eine Datenbank des Umweltministeriums von Pennsylvania aus. Diese enthielt Radon-Messwerte aus mehr als 860.000 Gebäuden von 1989 bis 2013. Die Konzentrationen verglichen die Forscher mit verschiedenen Einflussfaktoren wie Jahreszeit, Wetter, Gegend oder geologischen Daten.

Jene Häuser, die Quellwasser nutzten, hatten durchschnittlich um 21 Prozent höhere Radon-Werte als Gebäude, die an eine öffentliche Wasserversorgung angeschlossen waren. Besonders hoch waren die Konzentrationen in den Fracking-Bezirken, und dort stiegen sie seit dem Jahr 2006 an. Kurz zuvor hatten die Bohrungen begonnen. In Pennsylvania wurden von 2005 bis 2013 fast 7500 Erdgas-Vorkommen erschlossen. "Eine plausible Erklärung für erhöhte Radon-Werte in Wohnungen ist die Erschließung Tausender Erdgas-Quellen in Pennsylvania während der vergangenen zehn Jahre", wird Schwartz in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. "Diese Ergebnisse beunruhigen uns. Ich glaube nicht, dass wir sie ignorieren können." Dass Fracking Radon-Werte erhöhen kann, hatten vor zwei Jahren auch Messungen im Staat Colorado gezeigt.

Deutscher Experte bezweifelt Zusammenhang

Michael Kosinowski von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover allerdings betrachtet den von den Autoren vermuteten Zusammenhang zwischen Fracking und erhöhten Radon-Werten in Pennsylvania als ungerechtfertigt. Die Zunahme der Radon-Werte hänge eher damit zusammen, dass Häuser in Pennsylvania seit 2005 verstärkt abgedämmt wurden. Durch die Abdichtung kann das Gas, das etwa mit Wasser oder Erdgas in Gebäude gelangen kann, schlechter daraus entweichen. Einen Zusammenhang mit der Dämmung von Häusern untersuchten die US-Forscher nicht, wie sie selbst einräumen.

Zudem verweist Kosinowski darauf, dass Messungen an 34 Bohrlöchern im Auftrag des Bundesstaates keinerlei Hinweise auf erhöhte Radon-Werte geliefert hätten. Ohnehin ließen sich die Verhältnisse in Pennsylvania kaum auf Deutschland übertragen, betont der Leiter der BGR-Abteilung "Grundwasser und Boden". Die norddeutschen Gebiete, die für eine Schiefergas-Exploration infrage kämen, hätten nur geringe Radon-Konzentrationen. Die Bundesregierung hatte erst kürzlich beschlossen, Fracking unter strengen Auflagen ab 2016 zu erproben.

Quelle: n-tv.de

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