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Erfolg bei künstlicher Befruchtung: Genauere Vorhersage möglich

Künstlichen Befruchtungen belasten Körper, Seele und Geldbeutel. Nach einer gescheiterten Behandlung stellt sich vielen Paaren die Frage, ob sie einen erneuten Versuch wagen sollen. Ein neues Modell erlaubt nun eine bessere Vorhersage.

Nur etwa ein Viertel der Versuche ist erfolgreich.
Nur etwa ein Viertel der Versuche ist erfolgreich.(Foto: picture alliance / dpa)

Wissenschaftler haben ein Modell entwickelt, mit dem sich nach einer fehlgeschlagenen künstlichen Befruchtung der Erfolg eines möglichen zweiten Zyklus vorhersagen lässt. Das Modell sei etwa 1000 Mal genauer als bisher angewandte statistische Verfahren. Dieses berücksichtige hauptsächlich das Alter des Paares, besonders jenes der Frau. Die Forscher stellen ihr Modell in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seit Einführung der künstlichen Befruchtung im Reagenzglas, der sogenannten In-vitro-Fertilisation (IVF), sind weltweit etwa eine Million Babys damit gezeugt worden. Bei dem Verfahren wird die Reifung von Eizellen hormonell stimuliert. Die Eier werden der Frau dann entnommen und im Labor befruchtet. Nach einigen Tagen Wachstum in der Petrischale wird der Embryo dann in die Gebärmutter eingesetzt.

Geringe Erfolgsrate

Die Erfolgsrate der Behandlung liegt allerdings nur bei etwa 25 Prozent. Das heißt: Drei Viertel der Versuche schlagen fehl. Diese Patientinnen werden gar nicht schwanger oder verlieren das Kind vorzeitig. Für diese Patienten stellt sich die Frage, ob sie die kostspielige – und körperlich wie seelisch belastende – Behandlung erneut versuchen sollen oder nicht.

Die Forscher um Mylene Yao von der Stanford University School of Medicine erhoben Daten von 1676 Behandlungsversuchen, darunter solche zur Gesundheit der Eltern, zur Reaktion der Frau auf die hormonelle Stimulation während der Behandlung sowie Angaben zur Entwicklung des Embryos außerhalb des Mutterleibs.

Insgesamt bezogen sie 52 verschiedene Variablen in ihr Modell ein. Dann gruppierten sie Patientenpaare mit ähnlichen Charakteristika in verschiedene Untergruppen und setzten diese dann in Beziehung zum Ausgang des Behandlungsversuches. Anschließend überprüften sie die Vorhersagekraft ihres Modell an mehr als 600 Paaren, die eine künstliche Befruchtung versuchten.

Keine zusätzlichen klinischen Untersuchungen

Die Auswertung zeigte eine deutliche Überlegenheit des neuen Modells gegenüber den bisherigen, altersgestützten Vorhersageversuchen. Was dazu nötig sei, könne ohne zusätzliche klinische Untersuchungen erhoben werden, betonen die Wissenschaftler. Die höhere Genauigkeit und die individuellere Vorhersagemöglichkeit des neuen Modells werde es Paaren erleichtern, eine Entscheidung für einen weiteren Zyklus zu treffen oder auf alternative Verfahren umzusteigen.

Das Modell ließe sich auch einsetzen, um besonders geeignete Paare für einen "Ein-Embyro-Transfer" auszuwählen. Meist werden bei einer künstlichen Befruchtung gleich mehrere Embryonen eingesetzt, um die Erfolgschancen zu erhöhen. Allerdings steigt damit auch die Gefahr von Mehrlingsschwangerschaften, die sowohl für die werdenden Mütter als auch für die Kinder mit zahlreichen Risiken einhergehen.

Quelle: n-tv.de

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