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Nur wenige Aufnahmen, wie hier am Tagish Lake in Alaska, belegen die Existenz der mysteriösen Lichter.
Nur wenige Aufnahmen, wie hier am Tagish Lake in Alaska, belegen die Existenz der mysteriösen Lichter.(Foto: Jim Conacher)
Montag, 06. Januar 2014

Mysteriöse Warnleuchten aus der Tiefe: Geologen lösen Rätsel der Erdbebenlichter

Lichtkugeln, die aus dem Nichts erscheinen und vor einem Erdbeben warnen: Was unglaublich klingt, ist ein belegtes physikalisches Phänomen. Lange Zeit warfen die sogenannten Erdbebenlichter der Wissenschaft Fragen auf - jetzt liefern Forscher erste Antworten.

Erdbeben können mit speziellen Lichtphänomenen einhergehen - und sich dadurch manchmal sogar ankündigen. Diese Erdbebenlichter (Earthquake Lights - EQL) können mitunter Wochen vor den Erdstößen und Hunderte Kilometer vom Epizentrum eines Bebens entfernt auftreten, wie nordamerikanische Geowissenschaftler in der Zeitschrift "Seismological Research Letters" berichten. Darin versuchen sie, das unter Forschern lange Zeit umstrittene Phänomen physikalisch zu erklären.

Die Wissenschaftler um Robert Thériault vom Ministerium für natürliche Ressourcen der kanadischen Provinz Québec werteten 65 Fälle von Erdbebenlichtern seit dem Jahr 1600 aus, die besonders gut belegt sind. Dazu zählen auch vier Ereignisse in Deutschland: Drei davon stammen aus dem mittleren 18. Jahrhundert in Karlsruhe, Aachen und Düren, der vierte Fall ereignete sich am späten Abend des 16. November 1911 bei Ebingen auf der Schwäbischen Alb. Dort gab es insgesamt 110 Berichte, teilweise sogar noch mehr als 100 Kilometer von Epizentrum des Bebens der Stärke 5,8 entfernt. Zwei Augenzeugen sahen unmittelbar vor dem Beben einen Blitz aus dem Boden steigen, der in der Luft zu einer Lichtkugel wurde und nach wenigen Sekunden Richtung Ebingen verschwand.

Videomaterial aus Peru

Filmaufnahmen aus Peru bestätigten das rätselhafte Phänomen: Bei einem Erdbeben der Stärke 8,0 in Pisco nahm eine Überwachungskamera mehrere Lichtblitze auf. Analysen zeigten den Forschern zufolge später, dass sie mit den seismischen Erschütterungen zusammenfielen. Die 65 ausgewerteten Erdbeben erreichten eine Stärke von 3,6 bis 9,2. Die Lichter tauchten fast immer vor oder während der Erdstöße auf, nur sehr selten danach.

Fast alle entfielen nicht auf die Ränder, sondern auf die Innenzonen von Kontinentalplatten, obwohl dort nur fünf Prozent aller Erdbeben auftreten, wie die Forscher betonen. Bei 97 Prozent der ausgewerteten Fälle gebe es tiefe, steilstehende Verwerfungen (subvertical faults), die die Forscher für eine wichtige Voraussetzung des Phänomens halten. Sie vermuten, dass sich unter großer mechanischer Spannung elektrische Ladung aufbaut und entlang dieser steilen Brüche an die Oberfläche steigt, wo sie Luftmoleküle auflädt. An Subduktionszonen, wo Kontinentalplatten untereinander abtauchen, passiere dies dagegen nicht, offenbar weil die Verwerfungen nicht steil genug seien.

Familie gerettet

Bei dem verheerenden Erdbeben 2009 in L’Aquila gaben die Lichter einem Bewohner offenbar sogar die Möglichkeit, seine Familie zu retten. Der Mann brachte den Forschern zufolge vor dem Hauptbeben seine Familie aus dem Haus ins Freie. "Das ist einer der seltenen belegten Berichte, dass Erdbebenlichter jemanden zum Handeln bewegten", sagt Thériault. "Zusammen mit anderen Hinweisen, die sich vor seismischen Aktivitäten ändern, könnten Erdbebenlichter eines Tages helfen, größere Beben vorherzusagen."

Torsten Dahm vom Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) spricht von einem interessanten Modell für das Phänomen. Allerdings beruhe die vorgestellte Erklärung nur auf einem geringen Datensatz von 65 Beben, von denen ein Großteil aus der Zeit vor 1900 stamme und entsprechend schlecht dokumentiert sei. "Andernfalls wäre die Datenbasis noch kleiner", betont Dahm. Zudem könne die Studie nicht erklären, warum Lichter bei den meisten Erdbeben ausblieben. So auch bei zwei späteren Beben in der Schwäbischen Alb: Demnach erschütterten 1943 und 1978 weitere Erdstöße die Region, die ähnlich stark waren wie das Ebinger Beben von 1911. Lichter wurden dabei offenbar nicht dokumentiert.

Quelle: n-tv.de

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