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Tennis-Star David Ferrer ist erleichtert: Entscheidend dafür ist aber nicht die Mimik, sondern die Körpersprache.
Tennis-Star David Ferrer ist erleichtert: Entscheidend dafür ist aber nicht die Mimik, sondern die Körpersprache.(Foto: picture alliance / dpa)

Trügerische Mimik: Gesichtsausdruck täuscht

Es ist eine massive Fehleinschätzung, der Laien und Forscher lange Zeit erliegen: Der Gesichtsausdruck eines anderen Menschen verrät nichts darüber, wie intensive Gefühle auf die Person wirken. Tatsächlich ist die Körpersprache viel ausschlaggebender. Deren Deutung passiert jedoch unbewusst.

Schmerz, Freude, Trauer, Ekstase: Bei extrem intensiven Gefühlen verrät der Gesichtsausdruck nicht, ob die Betroffenen gerade Freud oder Leid erleben. Stattdessen drückt viel eher die Körperhaltung aus, was in einem Menschen vor sich geht. Zu diesem überraschenden Resultat, das der Meinung von Laien wie Forschern gleichermaßen widerspricht, kommt eine Untersuchung von US-Psychologen, die im Fachmagazin "Science" erscheint.

Die Körpersprache trägt entscheidend dazu bei, Gefühle anderer Menschen einzuschätzen. Bislang gingen viele Forscher davon aus, dass die Gesichtsmuskeln positive und negative Gefühle besonders gut widerspiegeln - gerade bei extremen Emotionen.

Die Studie der Psychologen um Hillel Aviezer von der Princeton University im US-Staat New Jersey zeigt jedoch nicht nur, dass die Mimik auf dem Höhepunkt einer starken Emotion weit überschätzt wird. Die Versuche belegen zudem, dass der Gesichtsausdruck nicht einmal Rückschlüsse darüber zulässt, ob ein starkes Gefühl angenehm oder unangenehm ist.

Beobachter erliegen einer Illusion

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Forscher zeigten drei Gruppen von 15 Probanden zunächst Fotos von Tennisprofis, die bei einem wichtigen Spiel gerade einen Punkt entweder verloren oder aber gewonnen hatten. Sahen die Probanden nur das Gesicht, so konnten sie kaum angeben, ob der Athlet sich gerade freute oder ärgerte. Sahen sie dagegen nur den Körper oder aber Körper und Gesicht, so konnten sie die Situation wesentlich zuverlässiger einschätzen. Kurioserweise war dies den Teilnehmern überhaupt nicht bewusst. Sie hatten die Illusion, ihr Urteil stütze sich vor allem auf die Mimik.

Die entscheidende Rolle der Körperhaltung prüften die Forscher in einem zweiten Versuch: Sie setzten den Körpern von Punktgewinnern das Gesicht eines Spielers auf, der gerade einen Punkt verloren hatte - und umgekehrt. Zwar waren die Probanden ausdrücklich angewiesen, nur anhand des Gesichts auf Erfolg oder Misserfolg rückzuschließen. Tatsächlich aber wiesen sie den Bildern tendenziell jene Gefühle zu, die der jeweilige Körper ausdrückte.

Gesichtsmuskulatur ein Ausdruck intensiver Gefühle?

In einem dritten Experiment zeigten die Forscher den Teilnehmern Gesichter von Menschen in verschiedenen Situationen: etwa bei einer Beerdigung, beim Erleiden von Schmerzen, bei einer freudigen Überraschung oder beim Orgasmus. Auch hier konnten die Probanden kaum einschätzen, ob jemand gerade etwas Schönes erlebte oder nicht.

Im zweiten Schritt setzten die Forscher die Gesichter dann in zwei Fotos auf Körper, die gerade entweder ein Brustwarzen-Piercing erlitten oder aber einen Tennispunkt erkämpft hatten. Wieder ordneten die Probanden den Gesichtern jenes Gefühl zu, dass der Körper ausdrückte.

Die Forscher schließen daraus, dass die Gesichtsmuskulatur nicht darauf ausgelegt ist, extrem intensive Gefühle akkurat auszudrücken. Stattdessen interpretieren Beobachter die Mimik gemäß der Information, die die Körperhaltung ausdrückt. Dennoch unterliegen Menschen der Illusion, das Gefühl hauptsächlich aus dem Gesicht abzulesen. "Dieser Prozess scheint automatisch abzulaufen, denn die Teilnehmer sind sich der Zweideutigkeit des Gesichts und der eigentlichen Quelle der Einordnung kaum bewusst", schreiben die Forscher.

Quelle: n-tv.de

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