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Gestrandete Pottwale liegen im Kaiser Wilhelm Koog zum Abtransport bereit
Gestrandete Pottwale liegen im Kaiser Wilhelm Koog zum Abtransport bereit(Foto: picture alliance / dpa)

Experten beenden Untersuchung: Gestrandete Pottwale geben weiter Rätsel auf

Auch nach der Obduktion von 13 Pottwalen können Experten keine eindeutige Ursache für die Massenstrandung in der Nordsee finden. Witterungseinflüsse könnten demnach genauso schuld sein wie die Möglichkeit, sie seien einfach nur ihrer Beute gefolgt.

Auch nach einer gründlichen Untersuchung haben Experten keine eindeutige Ursache für die jüngsten Massenstrandungen von Pottwalen in der Nordsee gefunden. Die Tiere seien gesund und gut genährt gewesen, teilte das schleswig-holsteinische Umweltministerium in Tönning unter Verweis auf die Obduktion von 13 jungen Pottwalen mit, die im Januar und Februar an der schleswig-holsteinischen Küste verendet waren.

Nach Einschätzung der an der Untersuchung beteiligten Tierärzte und Meeresbiologen könnten Witterungseinflüsse dafür verantwortlich sein, dass die Tiere irrtümlich in die für sie zu flache Nordsee abbogen und verendeten. So hätten im Nordostatlantik ungewöhnliche warme Temperaturen und Stürme geherrscht, die Wassermassen mit Tintenfischschwärmen südwärts bis in das Randmeer gedrückt hätten.

"Möglicherweise sind die Pottwale ihrer Hauptnahrung gefolgt", gab das Ministerium die Zusammenfassung der Experten wieder. Dies sei eine "plausible Erklärung", die aufgrund der hochgradigen Komplexität der ökologischen Zusammenhänge aber nicht zu beweisen sei. Die Fachleute hätten darüber hinaus deutlich gemacht, dass es nicht unbedingt einer "außergewöhnlichen Erklärung" bedürfe, um die Anwesenheit selbst zahlreicher Pottwale in der Nordsee zu erklären. Diese wanderten und verließen ihre Hauptverbreitungsgebiete.

Anfang des Jahres waren insgesamt 29 Pottwale an den Küsten der Nordsee-Anrainerstaaten Deutschland, Niederlande, Großbritannien, Dänemark und Frankreich gestrandet. 13 der Tiere wurden im schleswig-holsteinischen Nationalpark Wattenmeer entdeckt und geborgen.

Kein ungewöhnlicher Parasitenbefall

Die nun veröffentlichten Befunde decken sich mit den von Wal-Experten bereits zuvor geäußerten Vermutungen, wonach die Tiere ihrer Beute gefolgt sein oder sich schlichtweg "verschwommen" haben könnten. Insgesamt sind die Auslöser für derartige Wal-Strandungen bisher nicht geklärt. Es gibt diverse Theorien - darunter auch die, dass die mit einem akustischen Orientierungssinn navigierenden Tiere durch Unterwasserlärm irritiert werden.

Das Gehör der untersuchten Tiere zeigte nach Angaben des Umweltministeriums zumindest keine Anzeichen für ein "schweres akustisches Trauma", also eine massive Schädigung durch starken Unterwasserschall. Es habe auch keinen ungewöhnlichen Parasitenbefall an Organen gegeben. Dieser gilt als weitere mögliche Ursache für Strandungen von Walen.

Betroffen sind meist junge Pottwalmännchen. Auch die 13 in Schleswig-Holstein zählten dazu. Pottwalbullen ziehen umher, wobei die jüngeren oft Gruppen bilden. Dabei stoßen sie bis in den Nordatlantik vor, sodass sie sich beim Rückweg in die Nordsee verirren.

Plastikmüll in den Mägen

In dem flachen Meer können die Tiere schlecht navigieren, zudem finden sie dort kaum Nahrung. Häufig stranden sie dann im seichten Wattenmeer. Akut sterben sie dabei an Herz-Kreislaufversagen, weil das Gewicht ihrer eigenen Körper die Organe zerdrückt.

Bei vier der Wale fanden die Wissenschaftler größere Mengen Plastikmüll in den Mägen. Darunter waren etwa Reste eines 13 Meter langen Netzes aus der Krabbenfischerei sowie die Kunststoffabdeckung eines Automotors und scharfkantige Teile eines Plastikeimers.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) forderte deswegen einen verstärkten Kampf gegen Umweltverschmutzung durch Plastik. Die Kunststoffteile hätten die Wale zwar nicht getötet, seien aber "eine dringende Mahnung, verstärkt gegen Müll im Meer vorzugehen".

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Quelle: n-tv.de

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