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Die Kälber bevorzugen eine bestimmte Stelle am Hals, haben die Forscher herausgefunden.
Die Kälber bevorzugen eine bestimmte Stelle am Hals, haben die Forscher herausgefunden.(Foto: Marc Decker)

Drei Minuten am Tag: Gestreichelte Kälber nehmen schneller zu

Die Prozedur ist schrecklich: Kurz nach der Geburt werden Kälber von ihren Müttern getrennt. Der Schmerz sitzt dann bei Kuh und Kalb tief. Durch Menschenhand könnten die Auswirkungen etwas verringert werden, stellen Forscher nun fest.

Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben festgestellt, dass Kälber, die nach der Geburt regelmäßig gestreichelt werden, schneller an Körpergewicht zulegen als nichtgestreichelte Kälber. Für ihre Untersuchung wählte das Team um Stephanie Lürzel vom Institut für Tierhaltung und Tierschutz insgesamt 104 Holstein-Kälber eines konventionellen Milchvieh-Betriebes im Osten Deutschlands aus.

Rund die Hälfte davon wurde nach der Geburt 14 Tage lang drei Minuten pro Tag gestreichelt, die andere Hälfte der Tiere nicht. Die Mitglieder des Wissenschaftsteams streichelten die Kälber an einer ganz bestimmten Stelle – am unteren Hals. "Unsere Arbeitsgruppe hat bei früheren Untersuchungen herausgefunden, dass Kühe es besonders genießen, an dieser Stelle gestreichelt zu werden. Sogar die Herzfrequenz der Tiere sinkt währenddessen", so Lürzel.

Gute Beziehung zum Streichler

Etwa 90 Tage nach der Geburt brachten die gestreichelten Kälber mehr Gewicht auf die Waage als die nicht gestreichelten. Die Zuwendung der Menschen scheint sich direkt auf die Gewichtszunahme der Kälber auszuwirken. Da aus früheren Untersuchungen bereits hervorging, dass Kälber, die schneller zunehmen, später auch mehr Milch geben, lassen sich die neuesten Erkenntnisse direkt auf die spätere Milchleistung der Kuh anwenden. "Die von uns untersuchten und gestreichelten Kälber hatten zum Zeitpunkt des Absetzens von der Milch eine etwa drei Prozent höhere Gewichtszunahme als die nicht gestreichelten. Das ließe sich laut der genannten Studie in etwa 50 Kilogramm mehr Milch pro Kuh und Jahr umrechnen", erklärt Lürzel das Vorgehen.

Die Forscher konnten in ihrer Untersuchung nicht nur die Gewichtszunahme der Tiere feststellen, sondern weitere positive Auswirkungen. Die tägliche Streichelei führte nämlich auch zu einem besseren Mensch-Tier-Verhältnis. Das überprüften die Forscher mit dem sogenannten Ausweichdistanz-Test. Bei diesem wird gemessen, wie weit sich ein Mensch von vorn auf ein Tier zubewegen kann, bevor sich dieses abwendet. Haben die Tiere gegenüber Menschen Vertrauen, ist die Ausweichdistanz gering. Fürchten sie sich, ist die Ausweichdistanz erkennbar größer.

Wie zu erwarten war, war der Abstand bei der "Streichelgruppe" geringer als bei den nicht gestreichelten Tieren. Die Forscher leiten daraus ab, dass sich das regelmäßige Streicheln positiv auf die Mensch-Tier-Beziehung auswirkt und raten Landwirtinnen und Landwirten, einen freundlichen Kontakt zu ihren Tieren zu pflegen. Die Forscher entkräften damit die Meinung einiger Landwirte, dass Rinder Furcht vor dem Menschen haben sollten, damit man gut mit ihnen arbeiten kann.

Quelle: n-tv.de

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