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Debatte über Gentechnik: Gesund oder gefährlich?

Hubertus Volmer

Widersprüche beherrschen die Debatte: Gentechnik ist eine Risikotechnologie, sagt Greenpeace. Gentechnisch veränderte Pflanzen sind sicher, sagt BASF.

Ist Gentechnik in Lebensmitteln gefährlich oder harmlos, gesund oder ungesund? Für Laien ist diese Frage kaum zu beantworten. Experten haben dagegen klare Aussagen parat: "Gentechnisch veränderte Pflanzen sind mindestens so sicher wie Pflanzen aus konventioneller Züchtung", sagt BASF-Sprecherin Susanne Benner. Es gebe "klare Indizien, dass Gen-Pflanzen Gefahren für Tiere und Menschen bergen", sagt dagegen Ulrike Brendel von Greenpeace.

Susanne Benner ist Sprecherin von BASF Plant Science.
Susanne Benner ist Sprecherin von BASF Plant Science.

Es ist ein bisschen wie bei der Atomkraft: Widersprüche beherrschen die Debatte. "Ein Gen hat nicht nur eine Wirkung", sagt Ulrike Brendel, "man kann daher nicht einfach ein Gen in eine neue Pflanze hineinmanipulieren, um eine konkrete Wirkung zu erzielen." Kaum erstaunlich, dass Susanne Benner dies völlig anders darstellt: "Mit Hilfe der Gentechnologie können wir präzise definieren, welches Gen im Erbgut eines Organismus für ein bestimmtes Merkmal verantwortlich ist."

Brauchen gentechnisch veränderte Pflanzen mehr oder weniger Pestizide? "Mit gentechnisch veränderten Pflanzen müssen weniger Chemikalien eingesetzt werden, weil bestimmte Schädlinge gar nicht an die Pflanze herankommen", sagt Susanne Benner. Das genaue Gegenteil sei der Fall, sagt Ulrike Brendel. Bei den so genannten Round-Up-Ready-Pflanzen entstehe ein "Teufelskreis, der dazu führt, dass immer mehr und immer giftigere Pestizide ausgebracht werden".

Ulrike Brendel ist Gentechnik-Expertin bei Greenpeace.
Ulrike Brendel ist Gentechnik-Expertin bei Greenpeace.

Vielleicht können sich BASF und Greenpeace wenigstens auf einen Mindestabstand einigen, der zwischen Gen- und anderen Feldern eingehalten werden soll? Der Entwurf für das neue Gentechnikgesetz legt fest, dass zwischen Gen-Feldern und Bio-Feldern 300 Meter Abstand eingehalten werden müssen. Zwischen Gen- und normalen Feldern reichen 150 Meter. Viel zu viel, meint Susanne Benner: "Wissenschaftler sprechen von 25 bis 80 Metern." Viel zu wenig, sagt Ulrike Brendel: "Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass man ihn [den Gen-Pollen] selbst bei Abständen von 300 Metern noch in benachbarten Feldern finden kann." Schließlich werde der Mais-Pollen auch von Bienen eingesammelt.

Vorerst geht es nur um Mais. Demnächst erhält voraussichtlich eine weitere Gen-Pflanze die Zulassung für Europa und damit auch für Deutschland: Amflora, eine Stärke-Kartoffel. Amflora habe ihre Zulassung vermutlich nur erhalten, "weil sie nicht als Lebensmittel, sondern als industrielles Produkt angebaut werden soll", mutmaßt Ulrike Brendel.

Susanne Benner kündigt an, in fünf oder sechs Jahren werde BASF einen gentechnisch veränderten Raps auf den Markt bringen, der Omega-3-Fettsäuren enthalte. Für Greenpeace eine Horrorvision: Raps-Pollen, so Ulrike Brendel, "fliegt über Kilometer - hier wäre die Auskreuzungsgefahr sehr hoch".

Lediglich in zwei Punkten sind Greenpeace und BASF einer Meinung: Gentechnik werde nicht den Hunger in der Welt besiegen. Während Ulrike Brendel allerdings sagt, die Gentechnik-Industrie sei mittlerweile von diesem Argument abgerückt, bestreitet Susanne Benner, dass die Industrie dieses Argument je in den Mittelpunkt gestellt habe.

Stärkere Übereinstimmung gibt es bei der Einschätzung der Akzeptanz von grüner Gentechnik: Die Mehrheit der Deutschen lehne Gentechnik ab, sagen beide Expertinnen. Die BASF-Vertreterin allerdings ist überzeugt, dass sich dies ändern werde, wenn erst die Produkte der nächsten Generation auf den Markt kommen. Zum Beispiel Rapsöl mit Omega-3-Fettsäuren.

Quelle: n-tv.de

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