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Penis-Computerillustration mit den Schwellkörpern in rot.
Penis-Computerillustration mit den Schwellkörpern in rot.(Foto: imago/Science Photo Library)

Hilfe für verstümmelte Männer: Gezüchtete Penisse kurz vor Testreife

Um Männern zu helfen, die durch Unfall oder Krankheit ihren Penis verloren haben, beginnt ein Forscher 1992 Penisse aus Zellen künstlich zu züchten. Nun feiert sein Team einen Durchbruch. Bald könnten die Geschlechtsteile am Menschen getestet werden.

Im Labor gezüchtete Penisse könnten bald erstmals an Patienten getestet werden. Die Wissenschaftler wollen damit Männern helfen, deren Geschlechtsorgane durch Geburtsfehler, Unfälle oder Krankheiten Schaden genommen haben.

Am Wake Forest Institute for Regenerative Medicine im US-Bundesstaat North Carolina testen die Forscher derzeit künstliche Penisse auf ihre Sicherheit, Funktionalität und Belastbarkeit, wie die britische Zeitung "The Guardian" schreibt. Dabei hoffen die Wissenschaftler auf eine Genehmigung der US-Behörden und eine Testreihe am Menschen innerhalb der kommenden fünf Jahre.

Anthony Atala arbeitet seit 1992 an gezüchteten Kunstpenissen.
Anthony Atala arbeitet seit 1992 an gezüchteten Kunstpenissen.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Im Jahr 2008 gelang es den Forschern aus North Carolina bereits, Hasenmännchen erfolgreich mit einem künstlichen Penis auszustatten. "Die Studie mit den Hasen war sehr ermutigend", sagte der verantwortliche Direktor des Instituts, Professor Anthony Atala. "Aber um eine Genehmigung für den Menschen zu bekommen, benötigen wir alle Daten zu Sicherheit und Qualität. Wir müssen zeigen, dass unsere Materialen ungiftig sind und müssen den Herstellungsprozess genau darlegen, Schritt für Schritt", so Atala.

Nicht zur Geschlechtsangleichung geeignet

Die Penisse würden aus den eigenen Zellen eines Patienten gezüchtet, um so dem hohen Risiko von Abstoßung durch den Organismus vorzubeugen. Anstatt auf die Transplantation von Spenderorganen zu hoffen, würden aus dem Rest des Penis' eines Patienten Zellen entnommen und dann in einer Kultur für vier bis sechs Wochen zum Wachsen gebracht.

Um die gewünschte Form zu erhalten, würden von einem Spenderpenis alle fremden Zellen durch Einlegen in ein mildes Reinigungsmittel entfernt. Nach zwei Wochen bliebe dann noch ein "Gerüst" aus Kollagen übrig, auf dem dann die kultivierten Zellen des Patienten angesetzt würden. Zunächst die Muskelzellen, anschließend die Endothele, die für die Blutversorgung nötig sind. Da es sich um körpereigene Penis-Zellen des Patienten handelt, sei die Methode nicht für geschlechtsangleichende Operationen von der Frau zum Mann geeignet.

"Unser Ziel ist es, mit den Organen Patienten mit Verletzungen oder angeborenen Fehlern zu helfen", erklärt Atala. Seine Arbeit wird vom Institut der US-Streitkräfte für Regenerative Medizin finanziert, das damit hofft, im Einsatz an ihren Geschlechtsorganen verletzte Soldaten heilen zu können.

Atala begann seine Arbeit zur Wiederherstellung von Geschlechtsorganen 1992 um Menschen zu helfen, deren Penis als Kleinkind wegen uneindeutigem Geschlechts entfernt wurde. "Das ist ein ernsthaftes und verheerendes Problem, welchem wir damit begegnen wollen." Beobachter wie der britische Urologe Asif Muneer äußern jedoch Zweifel, ob die gezüchteten Penisse auch zu einer Erektion fähig sind. "Die erektile Funktion ist ein komplexer neurophysiologischer Prozess, der im Gehirn beginnt. Daher frage ich mich, ob sie diesen Prozess hervorrufen können oder ob es sich nur um eine ästhetische Verbesserung handelt", so Muneer.

Quelle: n-tv.de

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