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Mensch gegen Maschine: Lee Sedol (r.) vor Beginn des zweiten Spiels gegen "AlphaGo".
Mensch gegen Maschine: Lee Sedol (r.) vor Beginn des zweiten Spiels gegen "AlphaGo".(Foto: AP)

"Es ist ein hartes Spiel": Google demütigt Go-Profi

Für Meisterspieler Lee Sedol wird es eng: Im aufsehenerregenden Match "Mensch gegen Maschine" muss er sich auch im zweiten Durchgang der künstlichen Intelligenz geschlagen geben. Um den Computer zu besiegen, muss Lee die restlichen drei Partien gewinnen.

Das sieht nach einer extrem harten Aufgabe aus: In dem Duell zwischen dem weltbesten Spieler und einem Computerprogramm im Brettspiel Go hat die Google-Software AlphaGo auch die zweite Partie gewonnen. Damit befinden sich die Programmierer der Google-Tochter DeepMind auf bestem Weg zum Gesamtsieg. Insgesamt geht das Match über fünf Runden.

Nach rund viereinhalb Stunden Kampf gab der südkoreanische Spitzenspieler Lee Sedol auf. Kommentatoren hatten bis zuletzt von einem engen Spiel gesprochen. Der Computer konnte allerdings etwas mehr Fläche auf dem Brett gewinnen. Lee hatte sich Mitte der Woche nach der Auftaktniederlage in dem Fünf-Spiele-Match in Seoul überrascht von der Spielstärke der Software gezeigt.

Schon den ersten Sieg des Programms gegen einen der weltbesten Go-Spieler hatten Beobachter als ein Meilenstein bei der Entwicklung selbstlernender Maschinen und künstlicher Intelligenz gewertet. Denn Go galt mit seinen vielen möglichen Spielzügen bis zuletzt als viel zu komplex für Computer. Lee Sedol wiederum ist alles andere als ein Leichtgewicht im Go: Der Großmeister des uralten asiatischen Brettspiels gilt als momentane Nummer eins der Welt. Im Go hält Lee 18 internationale Titel. Das aktuelle Match läuft noch bis zum 15. März und wird unter anderem auch live auf der Google-Videoplattform Youtube übertragen.

Die Regeln des ursprünglich aus China stammenden Go sind im Prinzip erstaunlich einfach: Zwei Spieler versuchen, auf einem Spielbrett - ein Gitter von 19 vertikalen und 19 horizontalen Linien - Gebiete zu erobern. Dafür setzen sie abwechselnd schwarze und weiße Steine. Weil sich die Google-Software aufs Denken beschränkt, muss ein menschlicher Helfer die Entscheidung des Rechners ausführen und für das Computerprogramm die Steine auf dem Brett platzieren.

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In seiner strategischen Komplexität ist Go ansatzweise vergleichbar mit Schach - allerdings mit fundamentalen Unterschieden. So sind beim Go etwa alle Steine gleich viel wert. Unterschiedliche Figuren oder Bewegungen wie auf dem Schachbrett gibt es nicht. Komplett eingekreiste Steine des Gegners werden nicht geschlagen, sondern schlicht vom Brett genommen. Insgesamt sind auf dem Go-Spielbrett mit seinen 361 Feldern eine gewaltige Zahl von Zugkombinationen möglich, was es selbst für einen leistungsstarken Computer schwieriger macht, die Entwicklung des Spiels durchzurechnen.

Die zweite Partie wurde von Kommentatoren mit gesteigertem Interesse erwartet, weil die Software hier den ersten Zug hatte und damit das Spiel gestalten konnte. "AlphaGo legte Tempo vor und dafür konnte Lee Fläche gewinnen", erklärte Profi-Spieler Michael Redmond den Auftakt in der Youtube-Übertragung. Die Software sicherte sich jedoch relativ schnell mit einer losen Kette schwarzer Steine den oberen Teil des Bretts - was am Ende auch zur Entscheidung beitrug. Im Rest des Bretts entfaltete sich ein dichtes Spiel Stein an Stein.

"Dramatisches Ende eines dramatischen Spiels"

Dann machte die Maschine nach rund einer Dreiviertelstunde einen Zug, der Redmond in großes Erstaunen versetzte. So etwas bekomme man wirklich selten zu sehen, sagte er, als AlphaGo auf der noch weitgehend freien rechten Seite des Bretts einen Stein diagonal neben einen freistehenden weißen Stein von Lee Sedol platzierte. Der Zug schickte den Koreaner für rund eine Viertelstunde ins Grübeln und danach verbrauchte er seine Zeit deutlich schneller als AlphaGo.

"Es ist ein hartes Spiel für Lee Sedol. AlphaGo lässt ihn nicht machen, was er will", sagte Redmond nach knapp zwei Stunden Spielzeit. Lee verteilte mehrere starke Gruppen seiner Steine auf dem Brett und versuchte, dadurch Druck aufzubauen. Wie schon in der ersten Partie sprachen Experten bis zum Schluss von einer engen ausgeglichenen Partie. Als die Software noch eine Stunde auf der Uhr übrig hatte, blieben Lee nur noch rund 30 Minuten.

Lee verbrauchte seine zwei Stunden als erster und musste auf das Zusatz-Kontingent zugreifen, bei dem ein Spieler mehrfach nur noch eine Minute pro Zug hat. Er versuchte bis zum Schluss, durch geschicktes Platzieren einzelner Steine Teile der von AlphaGo besetzten Fläche abzuknapsen - doch am Ende reichte es nicht. Die Kommentatoren sprachen von einem "dramatischen Ende eines dramatischen Spiels".

Was kommt als nächstes?

AlphaGo wurde bei der britischen Firma DeepMind entwickelt, die Google vor gut zwei Jahren komplett übernahm. Laut Medienberichten legte der Internetkonzern dafür 500 Millionen Dollar auf den Tisch. DeepMind galt schon damals als führend auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. DeepMind-Mitgründer Demis Hassabis schrieb bei Twitter, der zweite Sieg sei für ihn selbst schwer zu fassen. "AlphaGo hat in diesem Spiel einige wunderschöne kreative Züge gespielt."

In die Software wurden zwar anfangs Millionen Züge der besten menschlichen Spieler einprogrammiert - der Computer nutzt diesen Erfahrungsschatz, um selbstständig dazuzulernen. Hassabis spricht oft davon, Computern das Denken beizubringen. Das offizelle Motto von DeepMind lautet, die "Intelligenz zu entschlüsseln".

Der Erfolg mit AlphaGo dürfte Google beflügeln - und dem US-Konzern neue Geschäftsfelder eröffnen. Im Portfolio des Internetgiganten befinden sich nicht nur Software-Programmierer, die an neuen lernfähigen Betriebssystemen arbeiten, sondern auch Haustechnik-Anbieter wie Google Nest oder der Roboter-Entwickler Boston Dynamics.

Quelle: n-tv.de

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