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Löwen bei der Paarung.
Löwen bei der Paarung.(Foto: picture alliance / dpa)

Geschlechterrollen im Tierreich: Größe der Keimzellen ist ausschlaggebend

"Typisch Mann" oder "typisch Frau" wird schnell mal eingeworfen. Ob solche Zuschreibungen auch auf die Geschlechter im Tierreich zutreffen und welche Ursachen sie haben, können Forscher nun erklären.

In nahezu allen Organismengruppen finden sich Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen in Bezug auf das Verhalten, den Stoffwechsel oder der äußeren Erscheinung. Doch woher kommen diese? Diese Frage haben sich Forscher für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit Dr. Tim Janicke von der französischen Universität Montpellier und Dr. Marc Lajeunesse von der Universität Tampa in den USA gestellt und kommen zu einer klaren Antwort: Die klassischen Geschlechterrollen im Tierreich basieren auf einem ganz ursprünglichen Geschlechterunterschied.

An insgesamt 66 Tierarten haben die Forscher die Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Zusammenhang mit deren Paarungsverhalten untersucht. Sie konnten dabei feststellen, dass Männchen im Allgemeinen meist deutlich stärker von einer höheren Anzahl von Verpaarungen profitieren als Weibchen. "In diesen Fällen unterliegen Männchen einem stärkeren Selektionsdruck hinsichtlich des Paarungserfolgs als Weibchen", erklärt Janicke. Zudem habe sich herausgestellt, dass die Stärke dieses Geschlechtsunterschieds mit der Ausprägung zweier weiterer Merkmale sich geschlechtlich fortpflanzender Tiere einhergeht: Einer auffälligeren äußeren Erscheinung bei Männchen und einer stärker ausgeprägten Brutpflege durch die Weibchen.

Bestätigung der Selektionstheorie von Darwin

Die Ergebnisse der Studie untermauern die Vorhersagen von Charles Darwin. Die von ihm beschriebenen Geschlechterrollen werden als Konsequenz des grundlegendsten Geschlechterunterschieds angesehen, nämlich der Größe der Keimzellen. Männchen produzieren in der Regel viele kleine Spermien, Weibchen hingegen wenige, aber meist erheblich größere Eizellen. Die Vielzahl winziger Spermien der Männchen fördert demnach eine erhöhte Rivalität um die vergleichsweise geringe Anzahl weiblicher Eizellen. Dies geht einher mit der Ausprägung auffallenderer sekundärer Geschlechtsmerkmale für die Balz und einer geringeren Beteiligung an der Brutpflege.

Die Befunde der Wissenschaftler zeigten aber auch, dass die in der Größe der Keimzellen begründbaren Geschlechterrollen durch Einflüsse der Umwelt geschwächt oder verstärkt werden können. Belege hierfür finden sich beispielsweise bei Vögeln und Fischen mit vertauschten Geschlechterrollen: Hier unterliegen die Weibchen einer stärkeren sexuellen Selektion, konkurrieren also um die wählerischen Männchen, und überlassen auch den Vätern den Großteil der Brutpflege.

Keine Belege für alternative Theorie

Zu den Theorien von Darwin zu Geschlechterrollen gibt es die alternative Theorie durch soziale Selektion. Hierbei wird davon ausgegangen, dass Geschlechterrollen ausschließlich durch Umwelt- beziehungsweise soziale Einflüsse entstehen. "Damit hätten sich Geschlechterrollen unabhängig von der Stärke der sexuellen Selektion und der Größe der Keimzellen entwickelt. Für diese Vermutung haben wir in unserer Studie keine Belege gefunden", erklärt jedoch Ines Häderer vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen.

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Quelle: n-tv.de

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