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Fische verringern Inzucht-Risiko: Guppyweibchen bremsen Sperma

Wir Menschen wissen normalerweise, mit wem wir verwandt sind - und mit wem nicht. Dementsprechend richten wir unser "Paarungsverhalten" aus. Bei Fischen ist das schon schwieriger. Weil sie öfter mal daneben liegen und sich prompt mit dem Geschwistern paaren, hat sich die Natur etwas Schlaues ausgedacht: Die Eierstockflüssigkeit von Guppyweibchen bremst Brüderchens Sperma einfach aus.

Ein "Endlers Guppy".
Ein "Endlers Guppy".(Foto: Marrabbio2 unter cc-by-sa)

Guppy-Weibchen können mit einer speziellen Körperflüssigkeit die Samenzellen von Verwandten ausbremsen und so das Risiko für Inzucht verringern. Darauf weist eine Studie von Forschern der Universität Padua hin, die in den "Proceedings B” der britischen Royal Society erschienen ist. Die Italiener untersuchten darin, wovon der Paarungserfolg verwandter und nicht verwandter Fische abhängt. Sie beobachteten, dass die Eierstockflüssigkeit der Guppy-Weibchen gezielt die Samenzellen verwandter Guppy-Männchen zu hemmen scheint, nicht aber jene von nicht verwandten. Den Forschern zufolge ist dies der erste Hinweis dafür, dass es bei promisken Arten auch nach der Begattung Mechanismen zur Vermeidung von Inzucht und dem damit einhergehenden Verlust der genetischen Vielfalt gibt.

Guppys sind lebendgebärende Fische, und die Weibchen haben üblicherweise viele verschiedene Partner. Normalerweise versuchen sie, Inzucht aus dem Weg zu gehen, indem sie sich nur mit Männchen paaren, die ihnen nicht ähnlich sehen oder ein besonders seltenes Erscheinungsbild haben – beides Zeichen für einen geringen Verwandtschaftsgrad. Ohne diese äußeren Hinweise haben die Weibchen den Forschern zufolge keinerlei Ahnung, welcher Partner mit ihnen verwandt ist, und welcher nicht.

Fremde Männchen zeugen mehr Nachwuchs

Das Team um Clelia Gasparini und Andrea Pilastro wollte wissen, ob es noch andere Faktoren gibt, die über den Paarungserfolg von verwandten oder nicht verwandten Fischen entscheiden. Hierzu wurden 14 verschiedene Guppy-Clans (Poecilia reticulata) untersucht. Die Guppy-Weibchen wurden künstlich mit dem Sperma eines Verwandten und dem Samen eines fremden Fischmännchens befruchtet. Die Zahl und die Größe der daraus hervorgegangen Würfe wurde erfasst. DNA-Untersuchungen der 196 Nachkommen ergaben, dass die fremden Männchen deutlich mehr Nachwuchs gezeugt hatten als die verwandten Nebenbuhler. Ein Zusammenhang zwischen Verwandtschaftsgrad der Eltern und der Wurfgröße wurde jedoch nicht festgestellt.

Die Forscher untersuchten, wie schnell sich Spermien in der Eierstockflüssigkeit von verwandten und nicht verwandten Partnerinnen bewegen. Eine Spermienkontrollgruppe wurde durch eine Kochsalzlösung geschickt. Das Ergebnis: Die Samenzellen flitzen in der Flüssigkeit fremder Weibchen am schnellsten, in der Flüssigkeit der Schwestern, Mütter und Tanten schwammen sie deutlich langsamer. In der Kontrolllösung bewegten sich die Spermien am langsamsten. Wie in der Eierstockflüssigkeit, die Unterscheidung zwischen verwandtem und nicht verwandtem Sperma erfolgt, haben die Forscher noch nicht aufgeklärt.

Quelle: n-tv.de

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