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Artensterben durch Klimawandel: Hitze ist nicht einzige Ursache

Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Artensterben ist schon lange bekannt. Die größte Bedrohung für Tiere und Pflanzen ist dabei aber nicht die Erderwärmung, wie neue Studien jetzt herausgefunden haben.

Der Goldene Scheckenfalter ist in Deutschland stark gefährdet. In den USA sind bereits zwei Arten des Schmetterlings ausgestorben.
Der Goldene Scheckenfalter ist in Deutschland stark gefährdet. In den USA sind bereits zwei Arten des Schmetterlings ausgestorben.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Klimawandel ist eine der größten Bedrohungen für die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten auf der Erde. Denn der globalen Erwärmung und ihren Folgen kann niemand entgehen, selbst in Schutzgebieten sind Tiere und Pflanzen den Veränderungen ausgesetzt. Dennoch scheint nicht die Erwärmung selbst für viele Arten problematisch zu sein, sondern die sich ändernden Beziehungen der Arten untereinander. Das berichten US-Forscher in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Vor allem der Nahrungsmangel infolge veränderter Umweltbedingungen führe zum Rückgang oder zum Aussterben lokaler Populationen.

Abigail Cahill und ihre Mitarbeiter von der Stony Brook University (Stony Brook/US-Staat New York) hatten in einer Literaturrecherche zunächst jene Studien herausgesucht, in denen Wissenschaftler Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Klimawandel und dem Aussterben oder Rückgang lokaler Tier- und Pflanzenarten gefunden hatten. Sie fanden insgesamt 136 solcher Untersuchungen. Allerdings gaben die Autoren in nur sieben Studien einen ursächlichen Grund für das Verschwinden der Arten an, der auf den Klimawandel zurückzuführen ist, stellten die Forscher überrascht fest. Und in keiner dieser sieben Studien war eine Intoleranz gegenüber einer höheren Temperatur die direkte Ursache für das Verschwinden einer Art, berichten die Wissenschaftler weiter.

Drastischer Rückgang lokaler Populationen

In vier Studien hatten die Kollegen Nahrungsmangel aufgrund von klimatischen Veränderungen als Ursache für das Aussterben einer Population festgestellt. Die nordamerikanischen Dickhornschafe zum Beispiel verschwanden aus einigen ihrer Verbreitungsgebiete, weil sie aufgrund von nachlassenden Niederschlägen weniger Gräser und Kräuter zum Fressen fanden. Ebenfalls in Kalifornien verursachten starke Schwankungen der Niederschlagsmenge das Aussterben zweier Populationen von Scheckenfaltern. Die zeitliche Überschneidung zwischen dem Auftreten der Larven und ihren Wirtspflanzen hatte sich verändert.

Ganz ähnliche Gründe fanden die Forscher in weiteren sieben Studien, die nicht das Aussterben, wohl aber einen drastischen Rückgang lokaler Populationen infolge des Klimawandels festgestellt hatten. Sich ändernde Beziehungen zwischen Arten seien die am häufigsten demonstrierten Ursachen für das klimabedingte Aussterben oder den Rückgang von Populationen, fassen es Cahill und ihre Kollegen zusammen. Nach den Ursachen für das globale Aussterben einzelner Arten hatten die Forscher nicht gesucht.

Das Team mahnt nun an, die Datengrundlage für Untersuchungen wie die ihre stark zu erweitern. Es sei schwer vorstellbar, wirksame Artenschutz-Strategien zu entwickeln, solange man die ursächlichen Gründe für die Bedrohung von Arten nicht genau kenne und berücksichtige, schreiben die Wissenschaftler. Ihre Untersuchung deute die verstörende Möglichkeit an, dass viele Arten aufgrund der festgestellten Ursachen aussterben könnten, lange bevor sie ein physiologisches Problem mit der reinen Temperaturerhöhung bekommen.

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Quelle: n-tv.de

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