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Erster großer Test bestätigt Ansatzpunkt: Hoffnung auf Impfstoff gegen Aids

Der Weg zu einem umfassenden Impfstoff gegen den Aidserreger HIV ist noch lang. US-Forscher präsentieren nun neue Ergebnisse von Teilnehmern des bislang einzigen großen Impfstofftests. Sie zeigen, auf welche Weise der Impfstoff bei einem Teil der Menschen gewirkt haben könnte.

US-Forscher haben eine Bestätigung dafür gefunden, dass eine Struktur im äußeren Bereich des HI-Virus als Ansatzpunkt für einen Impfstoff dienen könnte. Die Ergebnisse stammen aus Genanalysen von HI-Viren bei Teilnehmern eines Impfstofftests. In diese RV144-Studie waren mehr als 16.000 Freiwillige in Thailand einbezogen worden. Die geimpfte Gruppe hatte ein um 31,2 Prozent geringeres Risiko, sich zu infizieren. Die Ergebnisse stammen aus dem Jahr 2009. Die neuen Daten werden nun von einer Gruppe um Morgane Rolland vom HIV-Forschungsprogramm des US-Militärs (Silverspring, US-Staat Maryland) im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht.

Elektronenmikroskopische Aufnahme mehrerer HIV (Humane Immunschwäche-Viren), Erreger der Immunschwäche-Krankheit Aids.
Elektronenmikroskopische Aufnahme mehrerer HIV (Humane Immunschwäche-Viren), Erreger der Immunschwäche-Krankheit Aids.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Erbsubstanz der Nachkommen von HI-Viren verändert sich im Verlauf einer Infektion vergleichsweise schnell. Im Blut kursieren daher sehr viele genetisch leicht verschiedene Erreger. Das Immunsystem ist damit überfordert, ausreichend Antikörper gegen alle unterschiedlichen Formen zu entwickeln. Die Wandlungsfähigkeit der Viren ist auch ein Grund dafür, warum es so schwierig ist, einen Impfstoff zu entwickeln. Darüber hinaus befallen HI-Viren ausgerechnet die Immunzellen des Körpers, die Krankheitserreger abwehren sollen.

Weitere Untersuchungen notwendig

Die Probanden des bislang einzigen großen Impfstofftests hatten entweder einen Wirkstoff oder ein Scheinpräparat (Placebo) erhalten. Nach dem mäßigen Erfolg der RV144-Studie hatten Wissenschaftler geimpfte Teilnehmer untersucht, die entweder geschützt waren (205 Menschen), oder sich dennoch mit dem HI-Virus angesteckt hatten (41 Geimpfte). Dabei hatte sich gezeigt: Die geschützten Menschen hatten Antikörper, die sich an eine Struktur namens V1V2 in einem der äußeren Proteine von HIV binden. Dies scheint die Infektion mit dem Virus zu erschweren. Das Virus muss mit diesem Eiweiß Kontakt zu den menschlichen Immunzellen aufnehmen, diese Bindung wird vermutlich durch die Antikörper erschwert.

Das Team um Rolland untersuchte nun das Erbgut von HI-Viren bei 44 Wirkstoff- und 66 Placebo-Empfängern. Insgesamt seien 936 Genomsequenzen der wandlungsfähigen HIV-1-Viren unter die Lupe genommen worden. Dabei stießen die Forscher auf zwei Stellen in der Struktur V2. Die Wirksamkeit des Impfstoffes lag bei durchschnittlich 48 Prozent, wenn der Impfstoff zu einer der beiden Stellen passte. Sie lag sogar bei 78 Prozent, wenn Impfstoff und Virus an der zweiten Stelle nicht zueinander passten.

Rolland und seine Kollegen folgern, dass der Schutz durch den Impfstoff auf mehreren Faktoren beruht. Außerdem sehen sie bestätigt, dass die Antikörper gegen V1V2 eine Rolle bei der Wirksamkeit spielen. Die beiden Gensignaturen in V2 könnten es demnach wert sein, als Ansatzpunkt für einen Impfstoff weiter untersucht zu werden.

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Quelle: n-tv.de

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