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Jeder Bundesbürger verwendet pro Jahr etwa 70 Einkaufstüten aus Kunststoff. Im europäischen Durchschnitt sind es sogar 200.
Jeder Bundesbürger verwendet pro Jahr etwa 70 Einkaufstüten aus Kunststoff. Im europäischen Durchschnitt sind es sogar 200.(Foto: dpa)

Plastik-Horror vor dem Aus?: Hoffnung auf die Wunder-Tüte

Der Verbrauch an Plastiktüten ist zügellos. Tonnenweise fliegen sie durch die Landschaften und landen als Müll in den Ozeanen. Bis eine herkömmliche Plastiktüte vollständig verrottet ist, vergehen bis zu 500 Jahre. Britischen Forschern könnte die Lösung des Problems gelungen sein.

Weltweit werden jährlich etwa 500 Milliarden Plastiktüten hergestellt, um dann im Durchschnitt 25 Minuten verwendet zu werden. Im europäischen Vergleich belegt Deutschland mit jährlich 5,3 Milliarden verbrauchten Plastikbeuteln neben Spanien, Italien und Großbritannien einen der unrühmlichen Spitzenplätze.

Plastiktüten auf Rohölbasis belasten die Umwelt in mehrfacher Hinsicht. Das verwendete Material Polyethylen (PE) kann zwar wiederholt genutzt und am Ende recycelt werden, doch genau das geschieht oftmals nicht. Vielmehr werden die Beutel, wie anderer Plastikmüll auch, achtlos weggeworfen. Die Kunststofftüten verschandeln nicht nur unsere Landschaften, sondern stellen zudem eine große Belastung für unsere Umwelt dar.

Vor allem die Weltmeere leiden stark darunter. So hat sich südöstlich von Hawaii in der im Uhrzeigersinn drehenden Meeresströmung des Pazifiks ein gigantischer Müllwirbel gebildet, in dessen Zentrum drei Millionen Tonnen Plastikabfall rotieren. Er wächst seit 60 Jahren unbeachtet und ist nach Einschätzung von Wissenschaftlern doppelt so groß wie der US-Bundesstaat Texas.

Am Ende bleiben Wasser und Kohlenstoffdioxid

Den Zeitraum, den eine herkömmliche Plastiktüte braucht, um vollständig zu verrotten, schätzen Wissenschaftler auf 100 bis 500 Jahre. An diesem Punkt setzt ein neu entwickeltes Additiv an, das in England entwickelt wurde, das sogenannte "Enzymoplast". Es besteht aus natürlichen Proteinen und speziellen Enzymen. Diese zersetzen das Polyethylen auf natürliche Weise. Nach wenigen Monaten ist dann nur noch Wasser und Kohlenstoffdioxid vorhanden. "Enzymoplast" kann dem Polyethylen bei der Kunststofftütenproduktion einfach beigemischt werden und nimmt die Arbeit bei Kontakt mit Mikroorganismen aus der Landschaft auf. Dabei werden die ansonsten sehr starken Polymerketten aufgebrochen. Die Enzyme agieren dabei als Katalysatoren und beschleunigen somit den Prozess.

Umweltschützer betonen zwar, dass eine gar nicht erst produzierte beziehungsweise verwendete Plastiktüte der Umwelt am meisten hilft. Ein Verbot von Plastiktüten wäre ein längst fälliger Schritt in die richtige Richtung, um wenigstens ein Stück zum Erhalt unseres Planeten beizutragen. Da ein vollständiger und vor allem schneller Verzicht auf Kunststofftüten und auch anderen Folientypen weltweit unrealistisch ist, könnte die Technologie jedoch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

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Quelle: n-tv.de

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